28C3: Hacker hinter feindlichen Linien
Auf dem 28C3 begaben sich die Hacker hinter feindliche Linien. (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)

28C3 Hacker hinter feindlichen Linien

Der diesjährige Kongress 28C3 hat eine kämpferische Hackerszene offenbart. Der Veranstalter CCC feierte seine Entdeckung des Staatstrojaners und die Hacker hackten sich in Hörgeräte.

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Der 28C3 ist wie in den Vorjahren ausverkauft gewesen. Es hätten doppelt so viele Tickets verkauft werden können, sagte Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, auf der Abschlussveranstaltung. Abermals werde im kommenden Jahr diskutiert, ob das Hackertreffen wieder im Berliner Congress Center (BCC) stattfinden soll, denn die Räumlichkeiten seien viel zu klein. Der CCC hat aber erstmals ein Lounge-Zelt an das BCC angebaut und so für etwas Entspannung gesorgt.

Anderseits kennen die zahlreichen freiwilligen Helfer - Angels genannt - jedes Kabel und jeden Winkel des BCC, und dessen Leitung sei den Hackern wohlgesonnen, sagte Rieger. Insgesamt haben sich 315 Angels um einen möglichst reibungslosen Ablauf des 28C3 gekümmert. Die Zahl der freiwilligen Helfer nehme aber von Jahr zu Jahr ab, sagte Rieger. Auch deshalb müsse ein Standortwechsel noch diskutiert werden. Durchschnittlich haben die Engel dieses Jahr etwa 11,5 Stunden täglich gearbeitet. Das Erste-Hilfe-Team namens Congress Emergency Response Team, kurz CERT, musste lediglich 43-mal ausrücken - 14-mal davon aufgrund der Painstations, witzelte Rieger. Die Painstations setzen Arcade-Spiele mit Schmerzfeedback um.

Dilettantisch programmierte Staatsmalware

Der CCC fasste das Jahr nach der Entdeckung des Bundestrojaners zusammen. Erschreckend sei gewesen, wie dilettantisch die Software programmiert worden sei. "My first malware", frotzelte Rieger auf dem Kongress und staunte vor allem darüber, wie wenig sich die Hersteller an die klar definierten Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts gehalten haben. Allein die Implementierung einer Updatefunktion sei nicht mit dem Urteil vereinbar, erklärte der CCC. Allen Beteuerungen der Gesetzgeber zum Trotz sei auch in aktuelleren Versionen eine solche Funktion eingebaut. Der CCC kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz einer Schnüffelsoftware auch in Zukunft fragwürdig sein wird, denn vor allem die Kontrollinstanzen, etwa die Richter und der Gesetzgeber, hätten kläglich versagt.

Das Publikum und die Sprecher waren wie üblich international. Erstmals wurden deutsche Vorträge simultan ins Englische übersetzt. Die Übersetzung wurde über DECT-Telefone übertragen. Zu den wichtigen englischsprachigen Sprechern gehörte sicherlich der Science-Fiction-Autor Cory Doctorow, der sich für den Erhalt von Universalrechnern einsetzte. Er wies darauf hin, dass Firmen Copyrights mit spezialisierten Rechnern durchsetzen wollten und nur Hacker sich gegen die Tendenz zu geschlossenen Systemen wehren könnten. Letztendlich seien inzwischen Autos und sogar Hörgeräte eigentlich Computersysteme.

Hacker hacken Hörgeräte

Dass sich die Teilnehmer des Chaos Communication Congress nicht mehr nur mit dem Rechner als Plattform beschäftigen, sondern neue Herausforderungen suchen, ist schon länger sichtbar. Im Berliner Congress Center flogen schon in vergangenen Jahren Quadrocopter durch die Hallen. Dieses Jahr gab es einen Vortrag zu Hörgeräten, einer Plattform, die nur wenige Hacker kennen. Der Zugriff auf entsprechende Geräte ist aber auch besonders schwer. Die Hardware ist teuer, gute Hörgeräte kosten zwischen 1.500 und 3.000 Euro, und die Hilfsgeräte, um etwa die Hörhilfe feinzujustieren, sind auf dem freien Markt nur in wenigen Ländern verfügbar.

Dabei würde das Hacken der Geräte große Vorteile bringen, denn die Industrie ist recht verschlossen und auf eine ältere Zielgruppe aus. Gerade junge Menschen mit Hörschwierigkeiten werden kaum berücksichtigt und so basteln sich einige wenige selbst ihre Bluetooth-Anbindung oder hoffen auf die Möglichkeit, eigene Hardware zu bauen. Offene Standards könnten dazu führen, dass die Hardware kompatibel wird.

Hacken für die Datensicherheit 

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