Christian Bahls will Pläne auf dem 28C3 vorstellen.
Christian Bahls will Pläne auf dem 28C3 vorstellen. (Bild: White-IT)

White-IT Kinderporno-Fahndung bei allen Internetnutzern

White-IT ist eine gut gemeinte Initiative gegen Kinderpornos. Doch die Betreiber haben gefährliche Pläne: Sie wollen das gesamte Netz ohne Anlass und Verdacht überwachen.

Anzeige

Im März 2010 hatte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann auf der Computermesse Cebit Pläne vorgestellt, wie Kinderpornografie im Netz bekämpft werden könnte. Das Projekt namens White-IT war als Gegenentwurf zu den damals noch diskutierten, aber umstrittenen Netzsperren geplant. Doch inzwischen scheint White-IT auf dem besten Weg, für ähnlich viel Ärger zu sorgen: Dieses Mal geht es zwar nicht um Netzsperren, dafür aber um mindestens ebenso problematische Netzfilter.

White-IT ist ein Verein, der dem niedersächsischen Innenministerium angegliedert ist und bei dem Polizeibehörden ebenso mitarbeiten wie Firmen, Verbände der Internetwirtschaft sowie Opfergruppen. Ursprünglich sollte White-IT eine Art Notrufknopf entwickeln. Nutzer sollten in ihrem Browser nur einen einzigen Button drücken müssen, um die Adresse einer Website, die ihnen zweifelhaft oder kriminell erscheint, an eine Beschwerdestelle des Verbandes der Internetwirtschaft (Eco) zu schicken. Die anonyme Meldung sollte dann vom Eco geprüft werden. Bei strafbarem Material sollte Eco sich darum kümmern, dass der betroffene Netzanbieter es löscht.

Einen Notrufknopf will man nun nicht mehr installieren, das Konzept wurde fallengelassen. Schon damals hatte man jedoch überlegt, auch Suchmaschinen einzubeziehen. Immerhin durchforsten sie das Netz sowieso, warum nicht auch gezielt nach Kinderpornografie? Diese Idee wurde inzwischen ausgedehnt.

Die Suche nach Kinderpornografie im Netz soll nach den derzeitigen Vorstellungen der Verantwortlichen von White-IT nun "proaktiv" erfolgen, wie es in internen Projektpapieren heißt. Mit anderen Worten: Suchmaschinen, Mailanbieter, Websitehoster, Filesharing-Dienste, kurz: all jene, die im Netz Inhalte weiterreichen oder Nutzern zugänglich machen, sollen in ihren Systemen nach strafbaren Bildern suchen. Auch großen Firmen will man die Technik anbieten, damit sie in ihren internen Netzwerken auf den Rechnern der Mitarbeiter suchen können.

Die Technik ist bereits fertig entwickelt

Was im ersten Moment logisch klingen mag, ist aus gutem Grund rechtlich heikel, beziehungsweise bislang verboten. Handelt es sich dabei doch letztlich um eine Überwachung aller Nutzer ohne konkreten Anlass oder Verdacht.

Die Technik, die für diese Überwachung nötig wäre, gibt es längst, als Sicherheitsverfahren: Computer sind derzeit nicht in der Lage, von sich aus zu entscheiden, was auf einem Bild zu sehen ist. Sie können zwar Gesichter erkennen und finden, nicht aber zuverlässig und rechtlich sauber bewerten, ob sie gerade einen von Modigliani gemalten Akt vor sich haben oder Kinderpornografie.

Allerdings lassen sich digitale Bilder, die ja auch nur aus Daten bestehen, anhand sogenannter Prüfsummen mathematisch eindeutig darstellen. Werden die Bilddaten mit einer bestimmten Formel bearbeitet, ergibt sich als Ergebnis ein Zahlencode, der nur für dieses eine Bild existiert. Jede Änderung am Bild, sei sie noch so klein, würde zu einer anderen Prüfsumme führen.

Diese Prüfsummen, Hash-Werte genannt, wurden eigentlich als Sicherheitsverfahren entwickelt. Mit ihnen lässt sich erkennen, ob eine digitale Nachricht auf dem Weg vom Sender zum Empfänger manipuliert wurde. Aber Hash-Werte können eben auch als eine Art Fingerabdruck einer Datei dienen, um diese unter vielen anderen Dateien herauszufiltern.

Fahnder können Festplatten nicht Bild für Bild durchsuchen

Aus diesem Grund ist beispielsweise das Bundeskriminalamt an der Technik interessiert. Das BKA und die Landeskriminalämter haben mittlerweile Probleme damit, die bei Verdächtigen gefundenen Festplatten schnell genug auszuwerten. Zu groß sind die Datenmengen auf beschlagnahmten Computern, um noch jedes Bild und jede Information anzuschauen. Daher haben die Polizeien der Länder schon vor zehn Jahren begonnen, eine Datenbank mit den Hash-Werten von kinderpornografischen Fotos und Filmen aufzubauen - ähnlich der Sammlungen, die es zu Fingerabdrücken oder Täterfotos gibt. Nur dass in dieser Datenbank keine Bilder gespeichert sind, sondern lediglich diese Prüfsummen.

Der Algorithmus, mit dem die Hashes berechnet werden, stammt von einer privaten Firma. Die stellt jedem, der es wünscht, ihr Programm und ihre Datenbank namens Perkeo (eine Abkürzung für Programm zur Erkennung relevanter kinderpornografisch eindeutiger Objekte) gegen entsprechende Gebühr zur Verfügung. Die Polizeien nutzen die Datenbank und füttern sie gleichzeitig mit den Hashes neu gefundener Bilder. Schätzungsweise 170.000 Dateien sollen inzwischen in ihr enthalten sein.

Auch das Projekt White-IT will Perkeo nutzen, um im Netz nach verbotenen Bildern fahnden zu lassen. Dazu sollen die Hash-Werte an jeden Betreiber geschickt werden, der im Netz mit Inhalten hantiert. Gefunden werden können so zumindest die Bilder, die schon einmal als kinderpornografisch identifiziert worden sind, allerdings keine Dateien, die neu in Umlauf gebracht werden.

Sollen Provider anhand von Hash-Werten filtern? 

iu3h45iuh456 30. Dez 2011

Natürlich. Es existiert aber ist nicht so relevent wie die Politik behauptet. Politiker...

Norky 30. Dez 2011

War auch mein erster Gedanke und für so abwegig halte ich die Idee nicht, dass da eine...

nautsch 30. Dez 2011

Was du effektiv tust ist eine kryptografische Hashfunktion durch einen CRC zu erweitern...

azeu 29. Dez 2011

seltsame Anmerkung :) also Abhängigkeitsverhältnis bedeutet geistige und körperliche...

kolem 29. Dez 2011

Hm, vielleicht lässt sich da ja mit Hybridrechnern (analog-digital) noch was machen? ;)

Kommentieren



Anzeige

  1. SAP Spezialist/in für Berechtigungen und Usermanagement
    Endress+Hauser InfoServe GmbH+Co. KG, Weil am Rhein
  2. Online Konzeptioner/UX-Designer
    redblue Marketing GmbH, München
  3. SAP-PM Projektbetreuer (m/w)
    Stadtwerke Schwerin GmbH, Schwerin
  4. Anwendungs- / Softwareberater/in Business Intelligence (BI)
    Robert Bosch GmbH, Stuttgart-Feuerbach

 

Detailsuche


Top-Angebote
  1. NEU: Twitfish Retro USB-Ventilator - Schwarz
    4,99€ inkl. Versand
  2. NUR HEUTE: Lamptron FC5 V3 Fan Controller 5,25 Zoll
    mit Gutscheincode pcghsamstag für 74,90€ statt 79,90€ (Preis wird erst im letzten...
  3. TIPP: 4 Blu-rays für 30 EUR
    (u. a. Die Unfassbaren, Escape Plan, RED 2, Braveheart, Fast & Furious 6, Titanic)

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Internet.org

    Mark Zuckerberg will Daten per Laser auf die Erde übertragen

  2. TLC-Flash

    Samsung plant SSDs mit 2 und 4 TByte

  3. Liske

    Bitkom schließt Vorstandsmitglied im Streit aus

  4. Surfen im Ausland

    Apple SIM in Deutschland erhältlich

  5. Haushaltshilfe

    Rockets Helpling kauft Hassle.com

  6. Zynq Ultra Scale Plus

    Xilinx lässt erste 16-nm-Chips fertigen

  7. Apple

    iOS 8.4 soll Akku stärker belasten

  8. Soziale Netzwerke

    Reddit-Moderatoren streiken gegen Entlassung

  9. Worldwide Telescope

    Microsoft legt virtuellen Weltraum offen

  10. BND-Selektorenaffäre

    Die Hasen vom Bundeskanzleramt



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Intel Compute Stick im Test: Der mit dem Lüfter streamt
Intel Compute Stick im Test
Der mit dem Lüfter streamt
  1. Management Intel-Präsidentin tritt zurück und Mobile-Chef muss gehen
  2. FPGAs Intel wird Kauf von Altera heute ankündigen
  3. FPGAs Intel will FPGA-Experten Altera doch noch kaufen

Hanson Robotics: Technik, die dir zuzwinkert
Hanson Robotics
Technik, die dir zuzwinkert
  1. VW Tödlicher Arbeitsunfall mit einem Roboter
  2. Biomimetik Gepanzerter Roboter kriecht durch Ritzen wie eine Kakerlake
  3. Darpa Robotics Challenge Hubo ist der beste Roboter für den Katastrophenfall

Batman Arkham Knight im Test: Es ist kompliziert ...
Batman Arkham Knight im Test
Es ist kompliziert ...
  1. Arkham Knight Erster PC-Patch für Batman
  2. Technische Probleme Batman Arkham Knight nicht mehr auf Steam erhältlich

  1. Re: Kein Vollbild-Modus für Apps mehr in Build 10162?

    44quattrosport | 09:23

  2. Re: Magnetfeld

    Zeitvertreib | 09:21

  3. SIM nötig?

    Ben Stan | 09:18

  4. Re: "Schönwetter-Internet"

    Oldy | 09:18

  5. Re: "..bisher mit NUR ein 1TB..."

    exxo | 09:15


  1. 16:52

  2. 16:29

  3. 16:25

  4. 15:52

  5. 14:39

  6. 14:35

  7. 14:25

  8. 14:24


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel