Abo
  • Services:
Anzeige
Tatortanalytiker Axel Petermann
Tatortanalytiker Axel Petermann (Bild: Toma Babovic)

Soziale Netzwerke: "Es ist irrwitzig, wie viel wir von uns erzählen"

Tatortanalytiker Axel Petermann
Tatortanalytiker Axel Petermann (Bild: Toma Babovic)

Dem Fallanalytiker Axel Petermann ist kein Verhalten fremd. Wer im Netz zu viel preisgibt, warnt der Profiler im Interview, legt seine gesamte Persönlichkeit offen.

Der Tatortanalytiker Axel Petermann ist seit 1975 bei der Bremer Kriminalpolizei, davon viele Jahre bei der Mordkommission. 2004 begann er damit, die Abteilung Operative Fallanalyse beim Landeskriminalamt Bremen aufzubauen, die er bis heute leitet. Er lehrt als Dozent für Kriminalistik an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung, ist Mitbegründer des iFF, des Interdisziplinären Forums Forensik und berät die Redaktion des "Tatort" des Hessischen Rundfunks. 2010 veröffentlichte er ein Buch über seine Arbeit, "Auf der Spur des Bösen". Im Frühjahr 2012 erscheint sein zweites Buch.

Anzeige

Zeit Online: Herr Petermann, Ihr Beruf ist es, zu beobachten, was Menschen anhand ihrer Taten über sich verraten. Was ist der Eindruck, den Sie von unserer Gesellschaft bekommen, wenn Sie das Internet und soziale Netzwerke betrachten?

Axel Petermann: Mir fällt auf, dass inzwischen jeder so ein Gerät in der Hand hat, und ich frage mich, mit wem sprechen die Menschen die ganze Zeit? Ist ihnen eigentlich bewusst, dass jedes Einloggen Spuren hinterlässt? Dass es ihre Interessen widerspiegelt?

Ich finde es gefährlich, wenn diese ganzen Informationen gesammelt und zusammengeführt werden und fürchte, dass ich gläsern werde, dass ich meine Vorlieben preisgebe. Einerseits sind wir sehr darauf aus, dass unsere Freiheitsrechte nicht beschnitten werden. Andererseits aber sind wir bereit, ganz viel von uns zu erzählen. Ist das nicht in gewisser Weise irrwitzig, dass wir das tun? Bei meinen Ermittlungen muss ich jedem Beschuldigten sagen, was ihm konkret vorgeworfen wird, dass er die Aussage verweigern und auch jederzeit einen Anwalt konsultieren darf. Natürlich verhalte ich mich genau wie viele andere User, wenn ich Bücher bei Amazon bestelle. Aber es macht mir Sorgen.

Zeit Online: Leben wir nicht in einer Gesellschaft, die es längst akzeptiert hat, so viel von sich preiszugeben, weil wir auch etwas davon haben?

Petermann: Das mag sein, aber ich bin der Meinung, dass es nicht so sein sollte. Ich finde es bedrohlich, dass wir klar erkennbar werden und dass jemand, der es darauf anlegt, ganz viel über uns erfahren und unsere Persönlichkeit genau bestimmen kann.

Zeit Online: Für Sie als operativer Fallanalytiker muss das Internet doch eine wahre Fundgrube sein, oder?

Petermann: Ist es auch. Wenn meine Kollegen und ich beispielsweise Gefährdungsanalysen durchführen - bei Stalking oder bei häuslicher Gewalt - und prüfen sollen, inwieweit jemand eine Bedrohung darstellt, lesen wir den Rechner aus und schauen uns an, was denjenigen im Netz interessiert, was er sucht. Hat er beispielsweise eine Affinität zu Waffen, oder interessiert er sich für Attentate? So versuchen wir uns an die Frage heranzutasten, was seine Bedürfnisse sind, was für ihn wichtig ist. Natürlich können wir auf dieser Grundlage nicht sagen, ob er ein solches Verhalten auch tatsächlich in Zukunft zeigen wird. Aber es bringt uns doch Hinweise, worauf jemand aus ist.

Zeit Online: Zu lügen ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Und so stellen wir uns beispielsweise in unseren Netzprofilen gern besser dar, als wir sind, wir lügen, beschönigen und täuschen. Wenn Sie das berücksichtigen, inwieweit taugen aus dem Netz gewonnene Informationen dann zur Verhaltensanalyse?

Petermann: Ich übertrage das mal auf einen Tatort: Dort ist ein Täter sehr real, seine Empfindungen, sein Handeln sind echt. Trotzdem muss jede Information daraufhin geprüft werden, ob sie seine Bedürfnisse und Taten widerspiegelt, oder ob sie vom Täter maskiert, verfälscht wurde. Im Internet ist das sicher nicht anders. Am Tatort jedoch lässt sich an objektiven Spuren erkennen, ob etwas inszeniert wurde. Es lässt sich erkennen, wenn ein Täter eine Tat darstellt, wenn er in Szene setzt, was er sich in seiner Vorstellung erdacht, selbst aber noch nie erlebt hat.

Im Internet ist das wahrscheinlich schwieriger zu erkennen. Wenn bei einer Tat nur die Aussagen vorhanden sind, muss jede daraufhin geprüft werden, wie glaubwürdig sie ist. Spuren jedoch sind objektiv, sie sind einfach da, und wenn sie nicht zum Bild passen, stimmt das Bild nicht. Im Internet jedoch gibt es meistens keine Spuren, es gibt nur die Aussagen, das macht es schwieriger. Lügen erkennen wir eben nicht, indem uns eine Pinocchio-Nase wächst.

Immer mehr Daten werden miteinander vernetzt 

eye home zur Startseite
Lokster2k 29. Nov 2011

Naja...er hat danach gefragt, was nun das Gefährliche is...und aufgrund der doch sehr...

Lokster2k 27. Nov 2011

Na Diaspora fährt ja auch grad erst die Beta an...der Drops ist noch längt nicht gelutscht...

Kuermel 25. Nov 2011

Sag das den Fernsehsendern, die ständig meine Sendungen unterbrechen, weil Facebook EVIL...

Missingno. 25. Nov 2011

Sicher. Trotzdem habe ich die Freiheit bzw. will ich die Freiheit das Wissen selbst zu...

Jenz 25. Nov 2011

Das Internet ist eben unnatürlich, weil es nicht vergisst, würde es vergessen, könnte man...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. T-Systems International GmbH, München, Leinfelden-Echterdingen, Nürnberg
  2. T-Systems International GmbH, Münster
  3. Energiedienst Holding AG, Rheinfelden (Baden) bei Lörrach
  4. Robert Bosch GmbH, Abstatt


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (u. a. Asus GTX 1070 Strix OC, MSI GTX 1070 Gaming X 8G und Aero 8G OC)
  2. 94,90€ statt 109,90€
  3. (täglich neue Deals)

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Sicherheitsrisiken bei der Dateifreigabe & -Synchronisation
  2. Tipps für IT-Engagement in Fernost
  3. Sicherheitskonzeption für das App-getriebene Geschäft


  1. Ransomware

    Trojaner Fantom gaukelt kritisches Windows-Update vor

  2. Megaupload

    Gericht verhandelt über Dotcoms Auslieferung an die USA

  3. Observatory

    Mozilla bietet Sicherheitscheck für Websites

  4. Teilzeitarbeit

    Amazon probiert 30-Stunden-Woche aus

  5. Archos

    Neues Smartphone mit Fingerabdrucksensor für 150 Euro

  6. Sicherheit

    Operas Server wurden angegriffen

  7. Maru

    Quellcode von Desktop-Android als Open Source verfügbar

  8. Linux

    Kernel-Sicherheitsinitiative wächst "langsam aber stetig"

  9. VR-Handschuh

    Dexta Robotics' Exoskelett für Motion Capturing

  10. Dragonfly 44

    Eine Galaxie fast ganz aus dunkler Materie



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Next Gen Memory: So soll der Speicher der nahen Zukunft aussehen
Next Gen Memory
So soll der Speicher der nahen Zukunft aussehen
  1. Arbeitsspeicher DDR5 nähert sich langsam der Marktreife
  2. SK Hynix HBM2-Stacks mit 4 GByte ab dem dritten Quartal verfügbar
  3. Arbeitsspeicher Crucial liefert erste NVDIMMs mit DDR4 aus

Wiper Blitz 2.0 im Test: Kein spießiges Rasenmähen mehr am Samstag (Teil 2)
Wiper Blitz 2.0 im Test
Kein spießiges Rasenmähen mehr am Samstag (Teil 2)
  1. Softrobotik Oktopus-Roboter wird mit Gas angetrieben
  2. Warenzustellung Schweizer Post testet autonome Lieferroboter
  3. Lockheed Martin Roboter Spider repariert Luftschiffe

8K- und VR-Bilder in Rio 2016: Wenn Olympia zur virtuellen Realität wird
8K- und VR-Bilder in Rio 2016
Wenn Olympia zur virtuellen Realität wird
  1. 400 MBit/s Telefónica und Huawei starten erstes deutsches 4.5G-Netz
  2. Medienanstalten Analoge TV-Verbreitung bindet hohe Netzkapazitäten
  3. Mehr Programme Vodafone Kabel muss Preise für HD-Einspeisung senken

  1. Re: Sinnfrei

    Komischer_Phreak | 15:45

  2. Re: er hätte in Deutschland bleiben sollen ...

    CallyBre | 15:42

  3. Re: In der Firma nutzen wir Thunderbird...

    cpt.dirk | 15:30

  4. Re: 30 Stunden auf Abruf ?!?

    DrWatson | 15:15

  5. Re: Was? Kann doch gar nicht sein.

    bombinho | 15:14


  1. 13:49

  2. 12:46

  3. 11:34

  4. 15:59

  5. 15:18

  6. 13:51

  7. 12:59

  8. 15:33


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel