Sicherheit Wie Terroristen Verschlüsselung nutzen

Deepsec 2011 Der Journalist Duncan Campbell hat Terroristenfahnder begleitet. Dabei hat er beobachtet, wie Verdächtige im Internet kommunizieren und ob sie Verschlüsselungstechniken anwenden.

Anzeige

Der Alptraum der Ermittler: Terroristen kommunizieren über Anschläge, benutzen dabei moderne Verschlüsselungstechniken, die nicht zu entziffern sind, und bedienen sich einfacher Werkzeuge, etwa PGP. Ob diese Vorstellung zutrifft, hat der britische Journalist Duncan Campbell untersucht. Er hat den britischen Behörden bei zahlreichen Ermittlungen über die Schulter geschaut und beleuchtet, wie Terroristen tatsächlich Verschlüsselung für ihre Kommunikation nutzen.

Sein Ergebnis: Lange Zeit verwendeten Terroristen lediglich Umschreibungen in ihren Nachrichten, etwa für die Bezeichnungen ihrer Ziele, meist mit religiöser Symbolik. Das fanden auch die Fahnder heraus. Im Patriot Act, der wenige Monate nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA erlassen wurde, werde aufgrund dieser Erkenntnisse auch nicht gefordert, dass Hersteller Hintertüren in Software oder Hardware einbauen müssten, sagte Campbell.

Keine Verschlüsselungstechniken im Handbuch

Auch in den offiziellen Handbüchern der El-Kaida-Gruppe wird digitale Verschlüsselung mit keinem Wort erwähnt. Zwar gab es ab 2003 erste Erwähnungen von PGP, allerdings konnten Fahnder keine verschlüsselten E-Mails abfangen. In den Medien kursierten hingegen Gerüchte, Terroristen würden verschlüsselte Nachrichten über digitale Bilder verteilen, etwa über Porno-Webseiten. Sie erwiesen sich aber als falsch.

Erst 2005 tauchte in den einschlägigen Netzwerken eine Softwaresammlung mit dem Namen Mujahideen Secrets oder Asrar auf. Sie stellte Werkzeuge zur Verschlüsselung per PGP bereit, aber auch zum sicheren Löschen von Daten. Sowohl der Funktionsumfang als auch die Benutzeroberfläche erinnern an die Kleopatra und die bereits verfügbaren PGP-Werkzeuge. Campbell weist darauf hin, dass die Quelle der Software nicht nachvollziehbar sei, und dass selbst El-Kaida-Aktivisten der Software offenbar misstrauten. Bei Hotmail wurde inzwischen der Entwurfsordner als E-Mail-Speicher für Nachrichten genutzt, die für mehrere Leser gedacht waren. Das Versenden von E-Mails konnte dadurch vermieden werden.

Tarnung mit präparierten Laptops

Laut Campbell fanden britische Fahnder 2005 bei der Operation Mazhar heraus, dass der Verdächtige Younis Tsoulis Asrar nutzte, um Dokumente zu verschlüsseln. Tsoulis kommunizierte vor seiner Verhaftung mit zahlreichen Mitstreitern weltweit, darunter einige in Kanada.

Weitere Hinweise, dass Terroristen nicht nur E-Mails, sondern auch ihre Daten verschlüsseln, erhielten britische Fahnder 2007, als sie bei einer Razzia einen Laptop sicherstellten, auf dem sie ein nicht vollständig eingegebenes Passwort für das Öffnen einer Truecrypt-Datei entdeckten. Die Passworteingabe war auf Klartext gestellt. Das Passwort begann mit der Zeichenkette Th3 P4th, was darauf hindeutete, dass Leetspeak in Kombination mit religiöser Symbolik genutzt wurde, sagte Campbell. Er und die Fahnder wollten anhand dieser Informationen das Passwort an der Originalquelle vollständig entschlüsseln. Das scheiterte jedoch daran, das der beschlagnahmte Laptop inzwischen als biologisch gefährlich eingestuft und vernichtet worden war.

Im Zuge der Operation Clutch 2010 verhafteten britische Behörden Rajim Karim, der als IT-Experte für die British Airways tätig war. Er steuerte die Verschlüsselungstechnik Tadpole bei, da er davon überzeugt war, dass Asrar unsicher ist. Nachdem er den britischen Terrorfahndern ins Netz gegangen war, untersuchten diese das beschlagnahmte Tadpole. Die Software stellte sich als Excel-Tabelle mit Makros heraus, die per Mausklick Zeichenketten ver- oder entschlüsselte - per monoalphabetischer Substitution, die bereits zu Zeiten Caesars zum Einsatz kam.

Für die Kommunikation nutzen Terroristen Campbell zufolge gegenwärtig herkömmliche Kanäle wie E-Mail über öffentliche Provider wie Hotmail. Zwar verwenden sie bisweilen PGP oder Truecrypt, misstrauen aber den Techniken und setzen auf eigene unzureichende Lösungen.


Robinson1 15. Mai 2012

Hallo, wenn die Batterien voll aufgeladen sind ist es eine gute Idee , um den Adapter auf...

nOOcrypt 21. Nov 2011

Ich benutze ddrescue um wirklich jeden noch irgendwie lesbaren Sektor mitzunehmen und...

Der Kaiser! 20. Nov 2011

Nicht uns. Die Amerikaner.

nf1n1ty 20. Nov 2011

Viel zu anstrengend...

Lokster2k 19. Nov 2011

Hehe...hatten halt keinen Islamisten mehr im Keller...mussten eben die Nazis herhalten^^

Kommentieren




Anzeige
  1. Projektleiter/in SAP FI/CO mit Modulbetreuung
    Deutsche Welle, Bonn
  2. SAP-Applikationsberater (m/w) Module: SD und LES
    SÜDSALZ GMBH, Heilbronn
  3. Research Fellow (m/w)
    Universität Passau, Passau
  4. Junior Softwareentwickler (m/w) mit Schwerpunkt iOS
    TeamViewer GmbH, Stuttgart-Vaihingen, Göppingen

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Xbox One

    Handel muss Gebrauchtspiele de-registrieren

  2. Lenovo

    "Wir können uns jede Übernahme leisten"

  3. Bundesdatenschützer

    Jobcenter sollen nicht bei Facebook recherchieren

  4. Navigation

    Google Maps erhält Routenplanung per Fahrrad

  5. Test Call of Juarez Gunslinger

    Hör-Spiel im Wilden Westen

  6. Fonic All-Net Flat

    Telefon-, SMS- und Datenflatrate für 25 Euro

  7. Drosselung

    Die Mär vom teuren Traffic oder wie viel kostet ein GByte?

  8. Telekom

    Bundestagspetition gegen Drosselung erreicht 50.000

  9. E-Ink

    Das E-Paper errötet

  10. Security

    WLAN-Suche als Einfallstor bei Android und iOS



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Blackberry Z10 im Langzeittest: Tausche Android gegen Blackberry
Blackberry Z10 im Langzeittest
Tausche Android gegen Blackberry

Mit dem Z10 versucht Blackberry ein Comeback im Smartphone-Markt. Auch Android-Anwendungen lassen sich auf dem Gerät installieren. Golem.de-Autor Tobias Költzsch hat zwei Wochen lang sein Galaxy S3 gegen das Z10 getauscht und im Langzeittest überprüft, wie schwer ein Umstieg ist.

  1. Smartphones Blackberry Q5 im Juli, Blackberry 10.1 wird verteilt
  2. Mobilfunk Fast drei Viertel der Smartphones laufen mit Android
  3. Blackberry-Chef "In fünf Jahren gibt es keine Tablets mehr"

Need for Speed Rivals: Verfolgungsjagden zwischen Cops und Rasern
Need for Speed Rivals
Verfolgungsjagden zwischen Cops und Rasern

Eine offene Spielumgebung, sehr schnelle Autos und spannende Verfolgungsjagden kündigt EA für Need for Speed Rivals an. Das Rennspiel auf Basis der Frostbite-3-Engine erscheint auch für die Next-Gen-Konsole.


Surface Pro im Test: Microsofts Tablet überzeugt als Notebook
Surface Pro im Test
Microsofts Tablet überzeugt als Notebook

Ein bisschen dicker, ein bisschen schwerer und dafür viel schneller: Das ist Microsofts Surface Pro im Vergleich zum Surface RT. Wir haben das Windows-8-Gerät auf seine Stärken hin untersucht und stellen fest, dass auch Microsoft Probleme mit einem kleinen Full-HD-Display hat.

  1. Microsoft Verkauf des Surface Pro startet am 31. Mai
  2. XPS 10 und Surface Deutliche Preissenkungen bei Windows-RT-Tablets
  3. Neue Firmware Update macht das Surface RT lauter

Zum Artikel