Abo
  • Services:
Anzeige
Der Journalist Duncan Campbell bei seinem Vortrag auf der Deepsec 2011 in Wien
Der Journalist Duncan Campbell bei seinem Vortrag auf der Deepsec 2011 in Wien (Bild: Jörg Thoma/Golem.de)

Sicherheit: Wie Terroristen Verschlüsselung nutzen

Der Journalist Duncan Campbell bei seinem Vortrag auf der Deepsec 2011 in Wien
Der Journalist Duncan Campbell bei seinem Vortrag auf der Deepsec 2011 in Wien (Bild: Jörg Thoma/Golem.de)

Deepsec 2011 Der Journalist Duncan Campbell hat Terroristenfahnder begleitet. Dabei hat er beobachtet, wie Verdächtige im Internet kommunizieren und ob sie Verschlüsselungstechniken anwenden.

Der Alptraum der Ermittler: Terroristen kommunizieren über Anschläge, benutzen dabei moderne Verschlüsselungstechniken, die nicht zu entziffern sind, und bedienen sich einfacher Werkzeuge, etwa PGP. Ob diese Vorstellung zutrifft, hat der britische Journalist Duncan Campbell untersucht. Er hat den britischen Behörden bei zahlreichen Ermittlungen über die Schulter geschaut und beleuchtet, wie Terroristen tatsächlich Verschlüsselung für ihre Kommunikation nutzen.

Anzeige

Sein Ergebnis: Lange Zeit verwendeten Terroristen lediglich Umschreibungen in ihren Nachrichten, etwa für die Bezeichnungen ihrer Ziele, meist mit religiöser Symbolik. Das fanden auch die Fahnder heraus. Im Patriot Act, der wenige Monate nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA erlassen wurde, werde aufgrund dieser Erkenntnisse auch nicht gefordert, dass Hersteller Hintertüren in Software oder Hardware einbauen müssten, sagte Campbell.

Keine Verschlüsselungstechniken im Handbuch

Auch in den offiziellen Handbüchern der El-Kaida-Gruppe wird digitale Verschlüsselung mit keinem Wort erwähnt. Zwar gab es ab 2003 erste Erwähnungen von PGP, allerdings konnten Fahnder keine verschlüsselten E-Mails abfangen. In den Medien kursierten hingegen Gerüchte, Terroristen würden verschlüsselte Nachrichten über digitale Bilder verteilen, etwa über Porno-Webseiten. Sie erwiesen sich aber als falsch.

Erst 2005 tauchte in den einschlägigen Netzwerken eine Softwaresammlung mit dem Namen Mujahideen Secrets oder Asrar auf. Sie stellte Werkzeuge zur Verschlüsselung per PGP bereit, aber auch zum sicheren Löschen von Daten. Sowohl der Funktionsumfang als auch die Benutzeroberfläche erinnern an die Kleopatra und die bereits verfügbaren PGP-Werkzeuge. Campbell weist darauf hin, dass die Quelle der Software nicht nachvollziehbar sei, und dass selbst El-Kaida-Aktivisten der Software offenbar misstrauten. Bei Hotmail wurde inzwischen der Entwurfsordner als E-Mail-Speicher für Nachrichten genutzt, die für mehrere Leser gedacht waren. Das Versenden von E-Mails konnte dadurch vermieden werden.

Tarnung mit präparierten Laptops

Laut Campbell fanden britische Fahnder 2005 bei der Operation Mazhar heraus, dass der Verdächtige Younis Tsoulis Asrar nutzte, um Dokumente zu verschlüsseln. Tsoulis kommunizierte vor seiner Verhaftung mit zahlreichen Mitstreitern weltweit, darunter einige in Kanada.

Weitere Hinweise, dass Terroristen nicht nur E-Mails, sondern auch ihre Daten verschlüsseln, erhielten britische Fahnder 2007, als sie bei einer Razzia einen Laptop sicherstellten, auf dem sie ein nicht vollständig eingegebenes Passwort für das Öffnen einer Truecrypt-Datei entdeckten. Die Passworteingabe war auf Klartext gestellt. Das Passwort begann mit der Zeichenkette Th3 P4th, was darauf hindeutete, dass Leetspeak in Kombination mit religiöser Symbolik genutzt wurde, sagte Campbell. Er und die Fahnder wollten anhand dieser Informationen das Passwort an der Originalquelle vollständig entschlüsseln. Das scheiterte jedoch daran, das der beschlagnahmte Laptop inzwischen als biologisch gefährlich eingestuft und vernichtet worden war.

Im Zuge der Operation Clutch 2010 verhafteten britische Behörden Rajim Karim, der als IT-Experte für die British Airways tätig war. Er steuerte die Verschlüsselungstechnik Tadpole bei, da er davon überzeugt war, dass Asrar unsicher ist. Nachdem er den britischen Terrorfahndern ins Netz gegangen war, untersuchten diese das beschlagnahmte Tadpole. Die Software stellte sich als Excel-Tabelle mit Makros heraus, die per Mausklick Zeichenketten ver- oder entschlüsselte - per monoalphabetischer Substitution, die bereits zu Zeiten Caesars zum Einsatz kam.

Für die Kommunikation nutzen Terroristen Campbell zufolge gegenwärtig herkömmliche Kanäle wie E-Mail über öffentliche Provider wie Hotmail. Zwar verwenden sie bisweilen PGP oder Truecrypt, misstrauen aber den Techniken und setzen auf eigene unzureichende Lösungen.


eye home zur Startseite
Robinson1 15. Mai 2012

Hallo, wenn die Batterien voll aufgeladen sind ist es eine gute Idee , um den Adapter auf...

nOOcrypt 21. Nov 2011

Ich benutze ddrescue um wirklich jeden noch irgendwie lesbaren Sektor mitzunehmen und...

Der Kaiser! 20. Nov 2011

Nicht uns. Die Amerikaner.

nf1n1ty 20. Nov 2011

Viel zu anstrengend...

Lokster2k 19. Nov 2011

Hehe...hatten halt keinen Islamisten mehr im Keller...mussten eben die Nazis herhalten^^



Anzeige

Stellenmarkt
  1. T-Systems on site services GmbH, Leinfelden-Echterdingen
  2. DZR Deutsches Zahnärztliches Rechenzentrum GmbH, Stuttgart
  3. DR. KADE Pharmazeutische Fabrik GmbH, Berlin
  4. Intergraph PP&M Deutschland GmbH, Dortmund


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 69,99€/149,99€/79,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 399,00€ (Vorbesteller-Preisgarantie) - Release 02.08.
  3. 134,99€

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Tipps für IT-Engagement in Fernost
  2. Globale SAP-Anwendungsunterstützung durch Outsourcing
  3. Sicherheitskonzeption für das App-getriebene Geschäft


  1. Spionage im Wahlkampf

    Russland soll hinter neuem Hack von US-Demokraten stecken

  2. Comodo

    Zertifikatsausstellung mit HTML-Injection ausgetrickst

  3. Autonomes Fahren

    Mercedes stoppt Werbespot wegen überzogener Versprechen

  4. Panne behoben

    Paypal-Lastschrifteinzug funktioniert wieder

  5. Ecix

    Australier übernehmen zweitgrößten deutschen Internetknoten

  6. Die Woche im Video

    Ab in den Urlaub!

  7. Ausfall

    Störung im Netz von Netcologne

  8. Cinema 3D

    Das MIT arbeitet an 3D-Kino ohne Brille

  9. AVM

    Hersteller für volle Routerfreiheit bei Glasfaser und Kabel

  10. Hearthstone

    Blizzard feiert eine Nacht in Karazhan



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Verbindungsturbo: Wie Googles Rack TCP deutlich schneller machen soll
Verbindungsturbo
Wie Googles Rack TCP deutlich schneller machen soll
  1. Black Hat 2016 Neuer Angriff schafft Zugriff auf Klartext-URLs trotz HTTPS
  2. Anniversary Update Wie Microsoft seinen Edge-Browser effizienter macht
  3. Patchday Microsoft behebt Sicherheitslücke aus Windows-95-Zeiten

Headlander im Kurztest: Galaktisches Abenteuer mit Köpfchen
Headlander im Kurztest
Galaktisches Abenteuer mit Köpfchen
  1. Hello Games No Man's Sky braucht kein Plus und keine Superformel
  2. Hello Games No Man's Sky droht Rechtsstreit um "Superformel"
  3. Necropolis im Kurztest Wo zum Teufel geht es weiter?

Elementary OS Loki im Test: Hübsch und einfach kann auch kompliziert sein
Elementary OS Loki im Test
Hübsch und einfach kann auch kompliziert sein
  1. Linux-Distribution Ubuntu diskutiert Ende der 32-Bit-Unterstützung
  2. Dells XPS 13 mit Ubuntu im Test Endlich ein Top-Notebook mit Linux!
  3. Aquaris M10 Ubuntu Edition im Test Ubuntu versaut noch jedes Tablet

  1. Re: Dinge, die man in keinem Computerspiel erlebt.

    Analysator | 00:26

  2. Re: Diesen Artikel gibts auch im Golem Faxabruf!

    werredetwirdged... | 00:22

  3. Re: ja. genau. Russland. "soll". ganz bestimmt...

    gast22 | 00:14

  4. Re: Mal nicht Nordkorea?

    ocm | 00:11

  5. Re: HAHAH Ab-in-den-Urlaub ist nicht mehr

    Moe479 | 00:11


  1. 14:22

  2. 13:36

  3. 13:24

  4. 13:13

  5. 12:38

  6. 09:01

  7. 18:21

  8. 18:05


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel