Schultrojaner: Verlage suchen auf Schulservern nach illegalen Kopien
Schulkinder in Berlin (Bild: Andreas Rentz/Getty Images)

Schultrojaner Verlage suchen auf Schulservern nach illegalen Kopien

Netzpolitik.org hat aufgedeckt, dass die Bundesländer den Schulbuchverlagen erlauben, mit einer Software nach unerlaubten Kopien auf Schulservern zu suchen. Ein Schultrojaner sei das aber nicht, sagen die Verantwortlichen.

Anzeige

Die deutschen Bundesländer haben mit den Schulbuchverlagen und Verwertungsgesellschaften einen Vertrag geschlossen, nach dem eine Software in Schulnetzwerken nach unerlaubten Kopien aus Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien suchen soll. Das berichtet das Blog Netzpolitik.org unter dem Titel: "Der Schultrojaner - Eine neue Innovation der Verlage". Laut dem Vertragstext ist das Ziel, "digitale Kopien von für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werken auf Speichermedien" zu identifizieren.

Damit hätten die Kultusminister den Rechteinhabern erlaubt, einen Schultrojaner auf die Schulen loszulassen und gegebenenfalls Lehrer für unberechtigte Kopien zu sanktionieren, berichtet der Autor Markus Beckedahl.

"Es ist ein Skandal, wenn sich die Länder hier von Verlagen vorschreiben lassen, wie sie mit ihren Bediensteten umgehen sollen", sagte Sebastian Nerz, Chef der Piratenpartei. "Das ist ein offener Vertrauensbruch mit den Lehrerinnen und Lehrern. Schulleiter und Landesregierungen sind keine Hilfspolizisten der Verlegerlobby." Die Verlage würden ermächtigt, mit Hilfe eines Plagiatsscanners die Festplatten der Rechner von mindestens einem Prozent der Schulen jährlich durchsuchen zu lassen, kritisierte Nerz.

"Wir sind von dem geplanten Einsatz eines Schultrojaners überrascht. Trojaner haben an Schulen nichts zu suchen", sagte der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Ulrich Thöne. Damit würden die Lehrkräfte gezielt einer Ausforschung im Interesse Dritter ausgesetzt.

"Schultrojaner irreführend"

Die Schulbuchverlage bezeichnen den Begriff Schultrojaner dagegen als irreführend. Christoph Bornhorn, Sprecher von VdS Bildungsmedien, einer Organisation der Bildungsmedienverlage, erklärte Golem.de auf Anfrage: "Es handelt sich nämlich keinesfalls um eine heimliche Überprüfung. Viele Schulen sind bereits von den zuständigen Ministerien durch entsprechende Informationsschreiben über den Inhalt des Vertrages informiert worden." Richtig sei aber, dass die Anfertigung einer digitalen Kopie eines Lehrwerks durch das Einscannen in Netzwerke laut Urheberrechtsgesetz nur mit Zustimmung des Rechteinhabers erlaubt sei.

Geplant sei, dass VdS Bildungsmedien den Schulträgern, also den Ländern und Kommunen, eine Software zur Verfügung stellen wird, die solche Kopien identifizieren könne. Die Überprüfung würde aber von den Trägern nur auf den Servern durchgeführt, Privat- oder Arbeitsrechner der Lehrer oder Schüler seien davon nicht berührt. "Die erhobenen Daten verbleiben ausschließlich beim Schulträger", betonte Bornhorn.


MikeS 06. Nov 2011

Die Schulbuchverlage haben angefangen. Kommt demnächst jeder Rechteinhaber in den Genuss...

zwangsregistrie... 02. Nov 2011

OMFG!! Ich kann garnicht soviel essen wie ich kotzen möchte, wenn ich das lese. (Dein...

titus_shg 02. Nov 2011

Glaubst Du wirklich, das ist die Grundvoraussetzung für gute Politik? Als Krawattenheini...

Der Kaiser! 02. Nov 2011

Das wäre mal eine sinnvolle Anwendung.

Salzbretzel 01. Nov 2011

Also, mir ist klar das die Verlage ein Interesse haben mal zu schauen das für alle...

Kommentieren



Anzeige

  1. SAP-Modulbetreuer (m/w) Rechnungswesen und Controlling
    HiPP-Werk Georg Hipp OHG, Pfaffenhofen (Raum Ingolstadt)
  2. Business Analyst SAP (m/w)
    CSL Behring GmbH, Marburg
  3. Software-Entwickler/in für IT-Lösungen im Bereich Vernetztes Fahrzeug / Telematiksysteme
    ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, München
  4. Manager (m/w) of End User Support Services
    CSM Deutschland GmbH, Bremen

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. iPad Air 2 im Test

    Toll, aber kein Muss

  2. Nocomentator

    Filterkiste blendet Sportkommentare aus

  3. Gameworks

    Nvidia rollt den Rasen aus

  4. Rolling-Release

    Opensuse Factory und Tumbleweed werden zusammengeführt

  5. Project Ara

    Google will nicht nur das Smartphone neu erfinden

  6. Wildstar

    NC Soft entlässt Mitarbeiter

  7. Mozilla

    Einfache Web-Apps auf dem Smartphone erstellen

  8. Civ Beyond Earth Benchmark

    Schneller, ohne Mikroruckler und geringere Latenz mit Mantle

  9. Allview X2 Soul mini

    Sehr dünnes Smartphone im Alu-Gehäuse für 200 Euro

  10. Toybox Turbos

    Codemasters veranstaltet Rennen auf dem Frühstückstisch



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Spacelift: Der Fahrstuhl zu den Sternen
Spacelift
Der Fahrstuhl zu den Sternen
  1. Raumfahrt Mondrover Andy liefert Bilder für Oculus Rift
  2. Geheimmission im All Militärdrohne X-37B nach Langzeiteinsatz gelandet
  3. Raumfahrt Indische Sonde Mangalyaan erreicht den Mars

3D-Druck ausprobiert: Internetausdrucker 4.0
3D-Druck ausprobiert
Internetausdrucker 4.0
  1. Niedriger Schmelzpunkt 3D-Drucken mit metallischer Tinte
  2. Deltadrucker Magna Japanisches Unternehmen zeigt Riesen-3D-Drucker
  3. 3D-Technologie US-Armee will Sprengköpfe drucken

Qubes OS angeschaut: Abschottung bringt mehr Sicherheit
Qubes OS angeschaut
Abschottung bringt mehr Sicherheit

    •  / 
    Zum Artikel