Blick auf die Trojanersoftware auf dem Rechner von Dirk Engling vom CCC
Blick auf die Trojanersoftware auf dem Rechner von Dirk Engling vom CCC (Bild: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Quellen-TKÜ

Schlampige Software voller Anfängerfehler

Was taugt der Trojaner eigentlich, den vor allem Landesbehörden zur Quellen-TKÜ eingesetzt haben? Softwareentwickler finden, er war mangelhaft und viel zu teuer.

Anzeige

Vor drei, vier Jahren, als der damals noch sogenannte Bundestrojaner in der Öffentlichkeit debattiert wurde, war die Angst vor ihm groß. Niemand wusste, was er wirklich kann, wie gut er ist, ob man sich davor schützen kann. Nun ist ein solcher Trojaner bekannt. Und es sieht so aus, als sei die Angst vor ihm eher unbegründet gewesen. Bei Experten zumindest führt die Software eher zu Gelächter.

Der Chaos Computer Club schrieb in seiner Analyse des von mehreren Bundesländern eingesetzten Trojaners von "Anfängerfehlern" und urteilte: "Wir sind hocherfreut, dass sich für die moralisch fragwürdige Tätigkeit der Programmierung der Computerwanze kein fähiger Experte gewinnen ließ und die Aufgabe am Ende bei studentischen Hilfskräften mit noch nicht entwickeltem festen Moralfundament hängenblieb."

Die Hacker sind nicht allein mit ihrer Einschätzung. Das würde ein ambitionierter Informatikstudent im zweiten Semester besser hinbekommen, ist die einhellige Meinung jener, die sich mit Trojanern und Verschlüsselung befassen.

Nicht, dass die Software nicht funktioniert hätte. Das tat sie offensichtlich. Die Qualität der Programmierung aber ist offensichtlich nicht sehr hoch.

Da ist beispielsweise die von der Spähsoftware benutzte Verschlüsselung, beziehungsweise der Versuch, eine Verschlüsselung zu nutzen. Das verwendete Verfahren namens AES ist zwar an sich sicher, wurde hier aber so eingesetzt, dass die Entwickler es auch gleich hätten lassen können.

AES benutzt einen festen Schlüssel, der beiden Seiten bekannt ist. Das an sich gilt heutzutage schon als Problem. Wird nämlich eine Seite geknackt, ist die andere schutzlos. Daher nutzen aktuelle Verfahren Schlüssel, die einen privaten und einen öffentlichen Teil haben. Sie tauschen nur den öffentlichen Teil. Den privaten Teil kennt die Gegenseite nicht. Ein Einbruch bei einer Seite öffnet damit nicht automatisch beide Türen.

Noch dazu wurde dieser eine vorhandene AES-Schlüssel fest in das Programm installiert, also nicht bei jeder Sitzung neu erzeugt - was das Knacken enorm erschweren würde. Der fest installierte und immer gleiche Schlüssel aber führt dazu, dass ein Angreifer mit dem Programm reden und schauen kann, wie es antwortet. Dabei sieht er, dass bei gleicher "Frage" immer die gleiche "Antwort" erfolgt - da die Verschlüsselung immer gleich ist. Das genügt, um durch Ausprobieren die Verschlüsselung knacken zu können. Feste Schlüssel halten nur Anfänger auf, so die Einschätzung von Kryptographie-Experten.

Eine Aussage aus dem Bundeskriminalamt deutet darauf hin, dass auch der anders gebaute und neuere Trojaner des BKA auf solche festen Schlüssel setzt. Zumindest sagte ein hochrangiger BKA-Mitarbeiter, die Authentifizierung zwischen Trojaner und Steuerserver funktioniere über einen Schlüssel. Sicher sei das, weil dieser Schlüssel "nicht bekannt ist". Allerdings gilt in der Kryptographie das Konzept security by obscurity - also Sicherheit durch Verschleierung - als unsicher. Besser sind offene Verfahren, wie eben öffentliche Teilschlüssel.

Virenscanner hätten ihn finden können 

dehacker 17. Okt 2011

Ist das ein Hin und Her-geplänkel. Was Ihr alle nicht kapiert, ist das der Trojaner nur...

Anonymer Nutzer 14. Okt 2011

... dann wird es ganz finster bezüglich der Freiheit dieser Gesellschaft. Wo soll das...

7hyrael 14. Okt 2011

ne riesensauerei wird es tatsächlich bleiben. und genauso konsequenzlos für vermutlich...

Shadow27374 13. Okt 2011

Mag sein, dass die meisten nur nachplappern. Aber eine Aussage des CCC ist in meinen...

DeepSec 13. Okt 2011

Ich halte es für ein völlig zulässig Aussage, denn der Durchschnittsstudent im 2...

Kommentieren


Proteus News und Aktuelles / 15. Okt 2011

griechische Mythologie auf Landesebene: unsere Trojaner

Phrixos-IT SEO Hard- Software PC-Probleme Internet / 13. Okt 2011

Warum aufregen über die Qualität der Staatstrojaner Software?



Anzeige

  1. Vermessungstechniker/in / Geomatiker/in
    Landratsamt Göppingen, Göppingen
  2. Teamleiter E/E (m/w)
    MBtech Group GmbH & Co. KGaA, Mannheim
  3. System- und Software-Entwicklungsingenie- ur/-in für Fahrerassistenzsysteme
    Robert Bosch GmbH, Leonberg
  4. Software Ingenieur (m/w) Roboterprogrammierung / Automatisierungstechnik
    Continental AG, Hannover

 

Detailsuche


Blu-ray-Angebote
  1. NEU: Der Hobbit: Smaugs Einöde Extended Edition 2D/3D BD Steelbook (exklusiv bei Amazon.de) [3D Blu-ray]
    32,97€
  2. Dokumentationen bis -40%
    (u. a. AC/DC Let There Be Rock 8,97€, Elvis Presley on Tour 7,99€, Space Dive 7,99€)
  3. SAW - 10th Anniversary - Steelbook [Blu-ray]
    15,68€ Release 19.02.

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Gewinnrückgang

    "Microsoft ist weiterhin im Wandel"

  2. Music Key

    Alles oder nichts für Indie-Musiker bei Youtube

  3. Privatsphäre im Netz

    Open-Source-Projekte sollen 1984 verhindern

  4. The Witcher 3 angespielt

    Geralt und die "Mission Bratpfanne"

  5. Onlinehandel

    Welche Versand-Flatrates sich nicht lohnen

  6. Jessie

    Erster Release Candidate für neuen Debian-Installer

  7. Biicode

    Abhängigkeitsverwaltung für C/C++ soll Open Source werden

  8. Mobilfunk

    O2 schaltet LTE-Nutzung für alle Blue-Tarife frei

  9. Broadwell-Mini-PC

    Gigabytes Brix ist noch kompakter als Intels NUC

  10. Cyanogen Inc.

    "Wir versuchen, Google Android wegzunehmen"



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



IMHO: Sichert Firmware endlich nachprüfbar ab!
IMHO
Sichert Firmware endlich nachprüfbar ab!
  1. Zu viele Krisen Unions-Obmann im NSA-Ausschuss hört auf
  2. Snowden-Unterlagen NSA entwickelt Bios-Trojaner und Netzwerk-Killswitch
  3. Exdatenschützer Schaar Telekom könnte sich strafbar gemacht haben

Asus Eeebook X205TA im Test: Die gelungene Rückkehr des Netbooks
Asus Eeebook X205TA im Test
Die gelungene Rückkehr des Netbooks

IMHO: Juhu, DirectX 12 gibt's auch für Windows-7-Besitzer
IMHO
Juhu, DirectX 12 gibt's auch für Windows-7-Besitzer
  1. Benchmark-Beta DirectX 12 und Mantle gleich schnell in 3DMark
  2. Grafikschnittstelle AMD zieht Aussage zu DirectX 12 zurück
  3. Grafikschnittstelle Kein DirectX 12 für Windows 7

    •  / 
    Zum Artikel