Gabrielle Coleman
Gabrielle Coleman

Anonymous

Wenn Trolle zu Aktivisten werden

In einer soziologischen Studie hat die Princeton-Professorin Gabriella Coleman die Gruppe Anoymous unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Trotz manch fehlgeleitetem Aktionismus hat die Gruppe durchaus idealistische Moralvorstellungen.

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Anonymous besteht zwar aus einer losen Gruppe von Aktivisten, die auch untereinander ihre Anonymität wahren. Ihre Aktionen sind allerdings durchaus koordiniert, und zwar nicht nur die Protestaktion selbst. Meist wird auch über das Ziel des Protests abgestimmt. Zur Auswahl stehen diejenigen, die aktuell in der Netzgemeinde Unmut auslösen. Allerdings suchen sich die Aktivisten immer auch Themen aus, die für möglichst viel Medienwirksamkeit sorgen. Die Soziologieprofessorin Gabriella Coleman hat die Aktionen der Gruppe verfolgt.

Die Aktivistengruppe sorge meist dafür, dass ihre Aktionen einen möglichst großen Bekanntheitsgrad erreichten, sagte Coleman. Dafür sorgen einerseits die Angriffsziele, über die per IRC abgestimmt wird. Anderseits streben die Aktivisten bewusst populäre Aktionen an, denn die so gewonnene Aufmerksamkeit soll den vermeintlichen Opfern zugute kommen.

Nicht nur Skripkiddies und Geeks

Dabei bescheinigt Coleman der Aktivistengruppe durchaus hehre Ziele. Die Gruppe bestehe längst nicht nur aus Skriptkiddies, auch wenn die jüngsten Verhaftungen das durchaus implizieren könnten. In der Gruppe seien auch Aktivisten, die bereits mit Aktionen gegen Scientology Erfahrungen gesammelt hätten. Neu ist allerdings, dass sich die Gruppe zunehmend politisiere. Anonymous habe auch mehrere Spaltungen hinter sich, die sich auch in der Umsetzung von Aktionen widerspiegelten. Eine Gruppe organisiere weiterhin DoS-Angriffe, während eine andere Aktionen wie Sitzblockaden bevorzuge.

Kritisch sieht Coleman dabei die DoS-Angriffe, denn diese würden nur bei schwächeren Angriffszielen wirklich funktionieren. Je leistungsfähiger die angegriffenen Server, desto schneller verpuffe auch der meist nur medienwirksame Angriff. Auch die Gruppe ist sich bewusst, dass Anonymous gewisse Grenzen bei DoS-Angriffen gesteckt sind. Ein Angriff auf Amazon wurde abgeblasen, weil er ins Leere geführt hätte. Die jüngsten DoS-Angriffe gegen Sony wurden ausgesetzt, als die Gruppe realisierte, dass vor allem die Nutzer betroffen waren, in deren Namen die Gruppe ja eigentlich handeln wollte.

Die Wurzeln von Anonymous liegen beim englischsprachigen Imageboard 4Chan. Die ersten Mitglieder taten sich zusammen, um mit Trolling-Aktionen ausgewählte Gegner anzugreifen. Die ersten Aktionen bestanden aus dem Hacken von Homepages oder dem Bestellen von Pizzen, die an ihre ahnungslosen Opfer geliefert wurden. Ihre erste große Aktion richtete sich im Februar 2008 gegen die Scientology-Sekte. Hier spaltete sich die Gruppe allerdings bereits in Onlineaktivisten und solche, die ihren Protest auf die Straße verlagerten. Coleman sagt, das sei gleichzeitig der Beginn der Politisierung der Gruppe gewesen.

DoS-Attacken gegen DoS-Attacken

Den Angriffen auf Ziele im Rahmen der sogenannten Operation Payback 2010 ging allerdings eine Reorganisation der Gruppe mit teils neuen Mitgliedern voraus. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen die Motion Picture Association of America. Vorausgegangen waren DoS-Angriffe der Firma Aiplex-Software auf Torrent-Webseiten, die nicht auf Aufforderungen reagierten, Links zu Bollywood-Filmen zu entfernen. Aiplex erhielt den Auftrag von mehreren Bollywood-Firmen. Später folgten dann die Angriffe gegen Unternehmen, die ihre Unterstützung von Wikileaks einstellten. Inzwischen gibt es neben der Trolling-Fraktion auf 4Chan noch mindestens zwei weitere Gruppen, die den Namen Anonymous verwenden.

Anonymous beschäftigt sich mit Themen, die vor allem Freiheit im weitesten Sinne betreffen, sei es die Freiheit einzelner Internetnutzer oder die eines ganzen Volkes, wie Anonymous mit ihrer Aktion gegen die Regierungsserver in Ägypten demonstrierte. Außerdem wendet sich die Gruppe auch explizit gegen die Zensur im Internet.

Globale Vernetzung

Coleman meint, dass sich Anonymous nicht nur aus Geeks und Hackern zusammensetzt, sondern auch aus Ex-Scientologen oder Physikprofessoren und Webdesignern. Wer zu welcher Gruppe gehört, lässt sich allerdings schwer feststellen, denn der Name der Gruppe ist auch Programm. Allerdings lässt sich pauschal feststellen, dass viele Aktivisten aus linken, aber auch linksliberalen Gruppen kommen. Unter den Mitgliedern befinden sich auch erfahrene Aktivisten, meint Coleman.

Auch sei die Gruppe über den gesamten Globus verteilt. Die meisten kämen aus dem englischsprachigen Europa und den USA, sagt Coleman. Das lasse sich an den Aktionen feststellen, die regelmäßig nur bestimmte Länder betreffen, etwa auch Neuseeland. Allerdings gebe es auch zahlreiche Mitglieder in Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Italien. Auch für Spanisch sprechende Hacktivisten gibt es inzwischen einen eigenen IRC-Channel.

Die Gruppe müsse sich auch selbst gegen DoS-Angriffe wehren, etwa durch The Jester, einem oder mehreren Hackern, die sich als patriotisch bezeichnen. "Auch Anonymous muss sich bemühen, seine Server am Laufen zu halten," sagte Coleman.

Gabriella Coleman ist Professorin für Soziologie an der New York University (NYU) und hat zum Thema Open-Source-Projekt Debian promoviert.


Fizze 15. Apr 2011

Sonst würden sie "Furfags" und Menschen mit Behinderung oder sexuellen Fetischen sein...

capprice 15. Apr 2011

Schwachsinn! Black&White läuft nicht auf einem 486er.

Der Kaiser! 15. Apr 2011

Mir war nicht bekannt woher "Anonymous" kommt.

DrKrieger 14. Apr 2011

Bevor du nicht SpongeBob in deinem Blog richtig schreibst gibt es keine Kekse mehr für...

Shadow27374 14. Apr 2011

Das ist ja die Frage, wurde der Angriff wirklich abgeblasen? Ich glaube nicht.

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