Schnelles Booten

/run Linux, /run

Der Initialisierungsdämon Systemd legt ab sofort das Verzeichnis /run im Dateibaum an. Das ist zwar nur eine kleine technische Änderung, kommt jedoch einer politischen Revolution für Linux gleich.

Anzeige

Die neue Version des Initialisierungsdaemons Systemd legt das Verzeichnis /run in dem Wurzelverzeichnis einer Linux-Distribution an. Das hat der Red-Hat-Angestellte Lennart Poettering in einem Eintrag auf der Mailingliste der Fedora-Entwickler bekanntgegeben. Der Daemon systemd soll unter anderem den Bootvorgang beschleunigen. Unter dem Titel "Was macht das /run-Verzeichnis auf meinem System und wo kommt es her?" erklärt und begründet Poettering die Änderung.

Die Änderung sei zwar technisch eher klein, allerdings sei die politische Reichweite sehr groß. Immerhin wird ein neues Verzeichnis auf oberster Ebene im Dateibaum angelegt. Von nun an liegen im /var-Verzeichnis bleibende Laufzeitdaten, im /run-Verzeichnis die veränderlichen Laufzeitdaten.

Wohin gehören Laufzeitdaten?

Zur Erklärung schreibt Poettering, dass viele Programme im frühen Bootprozess ihre Daten versteckt in das /dev-Verzeichnis ablegten. Darunter waren zum Beispiel udev, mount oder systemd. Der Grund dafür sei einfach: /dev ist ein temporäres Dateisystem (Tmpfs) und deshalb frühzeitig im Bootprozess erreichbar. Allerdings seien Laufzeitdaten keine Geräte und gehörten deshalb nicht in das Verzeichnis, so die Meinung des Entwicklers. Auch werde /var/run häufig zu spät eingehängt, da /var ein anderes Dateisystem sein könnte. Das Verzeichnis /run, soll diese Lücken schließen. Ein im Bootprozess frühzeitig erreichbares Tmpfs für Laufzeitdaten soll so das Starten des Systems beschleunigen.

Auch sei nicht klar, warum bestimmte Daten in /var/run und andere in /dev abgelegt würden. Viele Distributionen hätten dies bis heute unterschiedlich gehandhabt. So wurde bei Ubuntu zum Beispiel das Verzeichnis /var/run als Tmpfs eingehängt, noch bevor /var selbst eingehängt wurde. In den vergangenen Wochen diskutierten unter anderem Entwickler der Distributionen Debian, Ubuntu, Suse und Fedora miteinander, um das Problem mit den Laufzeitdaten in den Griff zu bekommen. Schließlich einigten sie sich, dass nur ein Verzeichnis auf oberster Ebene im Dateibaum eine zufriedenstellende Lösung darstelle.

Keine politischen Debatten, einfach umsetzen

Statt eine große Debatte zu führen, implementierte Poettering kurzerhand die Neuerung. Das /run-Verzeichnis wird ab sofort in den Entwicklerversionen von Fedora und Suse zur Verfügung stehen. Debian und Ubuntu werden in zukünftigen Versionen nachziehen. Die Vorteile des neuen Verzeichnisses sind laut Poettering offensichtlich. Es gibt nur ein Tmpfs für die Laufzeitdaten, die nicht mehr vor dem Admin versteckt werden. Die Entwickler hätten sich ebenso distributionsübergreifend auf einen Standard geeinigt.

Sich der riesigen Änderung bewusst, beendete Poettering die Ankündigungs-E-Mail mit den Worten "Flame Away!". Die Antworten teilen sich wie erwartet in zwei Lager. Dabei bleiben große Flame-Wars oder Beleidigung unter der Gürtellinie außen vor und es wird eher sachlich diskutiert. Der größte Einwand gegen /run ist, dass es nicht standardkonform sei. Es verstoße zum Beispiel gegen die Richtlinien des Filesystem Hierarchy Standard. Dieser ist allerdings bereits seit sieben Jahren nicht mehr verändert oder aktualisiert worden.

Die Befürworter hingegen überschlagen sich mit Lob für Poettering. Diese reichen von einfachen Danksagungen bis zu Sätzen wie: "Das ist kein Feature, das ist Evolution!" Der Grundtenor bei den Befürwortern ist vor allem Lob für die rationale Herangehensweise Poetterings. Statt sich politischen Streitereien hinzugeben, habe er eine einfache Lösung für viele Probleme implementiert.

Experimentierfreudige Linux-Nutzer können das neue Systemd in der Preview von Fedora 15 ausprobieren. Der Quellcode von Systemd steht auf den Webseiten des Projekts zur Verfügung und kann via Git oder HTTP heruntergeladen werden. [von Sebastian Grüner]


samy 02. Apr 2011

Zeitverschiebung??? Aus der Mailingliste: Lennart Poettering mzerqung at 0pointer.de Wed...

R2D2_ 01. Apr 2011

Das bringt garnix, weil da keine Dienste gestoppt oder gestartet werden. Es wird einfach...

Der Kaiser! 01. Apr 2011

FORMAT C:

Wahrheitssager 31. Mär 2011

Man benutzt einen "Ugly" Trick mit "mount --bind"

samy 31. Mär 2011

Sehr schön. Fedora 15 soll ja im Mai rauskommen.. ich freu mich drauf... Wird sich aber...

Kommentieren



Anzeige

  1. Consultant (m/w)
    GS1 Germany GmbH, Köln
  2. SAP Inhouse Berater (m/w) mit den Schwerpunkten MM und QM
    JOST-Werke GmbH, Neu-Isenburg
  3. Senior Software Tester / Testspezialist / Testberater / Senior Software Testconsultant (m/w)
    imbus AG, Möhrendorf (bei Erlangen) und München
  4. Teamleiter/-in Workplace Management
    Alnatura, Bickenbach

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Sicherheitslücke

    Drupal-Team warnt erneut vor Folgen

  2. Spieldesign

    Kampf statt Chaos

  3. Techland

    Last-Gen-Konsolen zu schwach für Dying Light

  4. Passport im Test

    Blackberry beweist Format

  5. Streaming

    Sky als Online-Abo mit Live-TV und Einzelabruf

  6. Band

    Microsofts Wearable hört und fühlt

  7. Quartalszahlen

    Samsungs Gewinn bricht wegen Preiskampf bei Smartphones ein

  8. Greg Kroah-Hartman

    Kdbus wird zur Aufnahme in Linux vorgeschlagen

  9. Grafikkarte

    AMD kontert Nvidias Maxwell mit 8-GByte-Radeons

  10. Filmpiraterie

    US-Kinos und MPAA verbieten Google Glass



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Moore's Law: Totgesagte schrumpfen länger
Moore's Law
Totgesagte schrumpfen länger

Samsung Galaxy Note 4 im Test: Ausdauerndes Riesen-Smartphone mit Top-Hardware
Samsung Galaxy Note 4 im Test
Ausdauerndes Riesen-Smartphone mit Top-Hardware
  1. Galaxy Note 4 4,5 Millionen verkaufte Geräte in einem Monat
  2. Samsung Galaxy Note 4 wird teurer und kommt früher
  3. Gapgate Spalt im Samsung Galaxy Note 4 ist gewollt

iPad Air 2 im Test: Toll, aber kein Muss
iPad Air 2 im Test
Toll, aber kein Muss
  1. Tablet Apple verdient am iPad Air 2 weniger als am Vorgänger
  2. iFixit iPad Air 2 - wehe, wenn es kaputtgeht
  3. iPad Air 2 Benchmark Apples A8X überrascht mit drei Prozessor-Kernen

    •  / 
    Zum Artikel