Open Source

Entwickler programmieren, um zu lernen

Der größte Teil der Open-Source-Entwickler programmiert, um zu lernen und mit schlauen und interessanten Menschen zusammenzuarbeiten. Das ergab eine Studie einer amerikanischen Soziologiestudentin über die Fedora-Community.

Anzeige

Open-Source-Entwickler sind eigennützig: Sie programmieren, um ein Problem zu lösen, das sie nervt. In der Community stoßen sie dabei auf Gleichgesinnte, die dasselbe Problem haben. Dies sei der Anreiz, als Programmierer für freie Softwareprojekte zu arbeiten, sagt die amerikanische Anthropologin und Soziologin Diana Harrelson. Sie hat die Entwickler des Fedora-Projekts bei der Arbeit an Fedora 13 begleitet.

Darüber hinaus fühlten sich die Entwickler in der Community so wohl, weil sie dort mit "schlauen und interessanten" Menschen zusammenarbeiteten; das sei die zweite große Motivation der Entwickler, sagte Harrelson. Weit weniger wichtig seien ihnen persönliche Bereicherungen oder Vorteile für ihre berufliche Laufbahn.

Zusammenarbeit steht an erster Stelle

Vor allem die intensive Zusammenarbeit mit anderen Entwicklern sei eines der wesentlichen Merkmale der Fedora-Community. 50 Prozent der Entwickler arbeiteten mehr als die Hälfte der Arbeitszeit mit anderen zusammen. Die Mehrheit wünsche sich sogar eine noch intensivere Zusammenarbeit mit anderen Entwicklern. Die Kommunikationswege unterschieden sich je nach der Rolle der Beitragenden: Designer verschickten in der Regel E-Mails, da sie meist große Anhänge austauschen müssten, während die Entwickler, die Pakete schnürten, meist wegen der Geschwindigkeit über IRC kommunizierten.

Harrelson beobachtete drei typische Arten der Cliquenbildung in der Community: Entwickler grenzen sich in Cliquen vom "Rest der Welt" ab. In der Community bilden sich Gruppen aufgrund der Dauer der Zugehörigkeit zur Community - Neulinge vereinigen sich also in Gruppen, langjährige Mitglieder ebenfalls. In anderen Gruppen schließen sich diejenigen zusammen, die über ähnliche Hardware- oder Softwareressourcen verfügen. Die Community der Fedora-Entwickler spaltet sich Harrelsons Studie zufolge vor allem bei der Diskussion um den Einsatz der Desktopumgebungen Gnome oder KDE. Zusätzlich spielt die sprachliche Barriere eine Rolle: Zwar trügen Entwickler aus den lateinamerikanischen Ländern wesentliche Teile zum Fedora-Projekt bei, allerdings fühlten sich einige sprachlich und kulturell ausgegrenzt, sagte Harrelson.

Schwieriger Einstieg

Neulinge tun sich laut der Studie schwer. Oft ist die Rolle eines Beitragenden zu unklar. Viele kommen damit nicht zurecht, dass es keine Mentoren gibt oder dass sie die Möglichkeit haben, etwas zu ändern, ohne dass sie zuerst darum gebeten werden oder fragen müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass vielen die Rechtslage bei der Entwicklung freier Software nicht geläufig ist. Außerdem ist für einige die technische Hürde, ein Login und einen SSL-Schlüssel einzurichten, ein Hindernis. Die meisten Neulinge, die schnell in der Community aufgenommen werden, kennen bereits jemanden, der dort tätig ist. Etwa 74 Prozent der neuen Fedora-Entwickler waren vorher auch Benutzer der Distribution.

Harrelson zieht das Fazit, dass vor allem das Abstecken einer gemeinsamen Präzisierung der Identität einer Community der wichtigste Weg ist, um eine Gemeinschaft zu vereinen. Bei dem Fedora-Projekt fiel ihr auf, dass es keine Einigkeit darüber gab, ob Fedora nun eine Community oder eine Distribution sei und an welche Benutzergruppe sich die Distribution richtet. Zudem müsse der Zugang zur Open-Source-Gemeinschaft durchlässiger werden, befand Harrelson.

Idealismus als Antrieb

Wesentlich Neues hat Harrelson nicht berichtet, die Probleme von Einsteigern sind bekannt und auch, dass eine Community oft eine eingeschworene Gemeinschaft ist, die sich abweisend gegenüber Neulingen verhält. Das hat die Open-Source-Welt bereits erkannt und steuert dagegen an, etwa mit der Veranstaltung Google Summer of Code, bei der Studenten Mentoren aus der Open-Source-Welt zugewiesen werden.

Dass sich die Communitymitglieder auch mehr als zehn Jahre nach der Veröffentlichung des Essays The Cathedral and the Bazaar von Eric S. Raymond aus Idealismus an Open-Source-Projekten beteiligen, ist wohl eines der erfrischenden Erkenntnisse der Studie.


Ablaze 03. Feb 2011

Jap, gut geschriebene, verständliche und praktisch einsetzbare Papers sind wirklich Gold...

Himmerlarschund... 03. Feb 2011

Es gibt hier Ironie-Tags? :-)

Kommentieren



Anzeige

  1. Vermessungstechniker/in / Geomatiker/in
    Landratsamt Göppingen, Göppingen
  2. Data Analyst (m/w) mit Schwerpunkt Sales & Marketing
    zooplus AG, München
  3. Wirtschaftsinformatiker (m/w) ETL-Consulting
    LucaNet AG, Mönchengladbach
  4. IT-Projektkoordinator/in
    Landeshauptstadt München, München

 

Detailsuche


Blu-ray-Angebote
  1. TIPP: 2 Top-Titel in 3D zum Tiefpreis!: Avatar 3D und Titanic 3D Bundle [3D Blu-ray]
    19,97€
  2. Bud Spencer & Terence Hill - Jubiläums-Collection-Box [Blu-ray]
    54,90€
  3. NEU: Der Hobbit: Smaugs Einöde Extended Edition 2D/3D BD Steelbook (exklusiv bei Amazon.de) [3D Blu-ray]
    32,97€

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Gewinnrückgang

    "Microsoft ist weiterhin im Wandel"

  2. Music Key

    Alles oder nichts für Indie-Musiker bei Youtube

  3. Privatsphäre im Netz

    Open-Source-Projekte sollen 1984 verhindern

  4. The Witcher 3 angespielt

    Geralt und die "Mission Bratpfanne"

  5. Onlinehandel

    Welche Versand-Flatrates sich nicht lohnen

  6. Jessie

    Erster Release Candidate für neuen Debian-Installer

  7. Biicode

    Abhängigkeitsverwaltung für C/C++ soll Open Source werden

  8. Mobilfunk

    O2 schaltet LTE-Nutzung für alle Blue-Tarife frei

  9. Broadwell-Mini-PC

    Gigabytes Brix ist noch kompakter als Intels NUC

  10. Cyanogen Inc.

    "Wir versuchen, Google Android wegzunehmen"



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Erpressung und Geldwäsche: Polizei kommt bei Cybercrime nicht hinterher
Erpressung und Geldwäsche
Polizei kommt bei Cybercrime nicht hinterher
  1. Malware BSI will Zwangstrennung infizierter Rechner vom Internet
  2. Cybercrime Trotz 300 Cyber-Ermittlern bleibt Aufklärungsquote gleich
  3. Cybercrime HP eröffnet Cyber-Abwehrzentrum in Böblingen

Heimkino-Raumklang von oben: Dolby Atmos klingt gut, Auro 3D klingt besser
Heimkino-Raumklang von oben
Dolby Atmos klingt gut, Auro 3D klingt besser
  1. DTS:X Probe gehört Dolby-Atmos-Konkurrent arbeitet mit Deckenlautsprechern
  2. Surround-Sound Holpriger Start für Blu-ray-Discs mit Dolby Atmos
  3. Interstellar in 70 mm Berliner Zoo Palast schiebt die Digitalprojektoren beiseite

Neues Betriebssystem: Microsoft nennt viele neue Details zu Windows 10
Neues Betriebssystem
Microsoft nennt viele neue Details zu Windows 10
  1. Microsoft Nicht alle Windows-Phone-Smartphones erhalten Windows 10
  2. Surface Hub Microsoft zeigt Konferenzsystem mit Digitizer und Windows 10
  3. Hololens mit Windows Holodeck-Zeitalter mit einer autarken Datenbrille

    •  / 
    Zum Artikel