Digitales Vergessen: "Ein digitaler Radiergummi ist nur ein Teil der Lösung"
Viktor Mayer-Schönberger

Digitales Vergessen

"Ein digitaler Radiergummi ist nur ein Teil der Lösung"

Technik kann helfen, das Netz Vergessen zu lehren, sagt Viktor Mayer-Schönberger, Erfinder der Idee des digitalen Vergessens. Vor allem sei aber eine Debatte nötig.

Anzeige

Ilse Aigner, Ministerin für Verbraucherschutz, propagiert derzeit einen "digitalen Radiergummi". Mit der an der Universität des Saarlands entwickelten Software X-Pire soll jeder Bürger Einfluss darauf nehmen können, wie lange Informationen von ihm im Netz zugänglich sind. Die Forderung nach einem solchen digitalen Vergessen stammt vom Wissenschaftler Viktor Mayer-Schönberger. Im Interview erklärt er, für wie gelungen er die von Aigner vorgestellte technische Umsetzung hält.

Zeit Online: Herr Mayer-Schönberger, Sie haben in Ihrem Buch Delete propagiert, Daten sollten ein Verfallsdatum haben, das Internet sollte das Vergessen lernen. Die deutsche Ministerin Ilse Aigner hat nun einen "digitalen Radiergummi" vorgestellt. Funktioniert er so, wie Sie sich das Vergessen wünschten?

Viktor Mayer-Schönberger: Ich wünsche mir ein Vergessen, das den Menschen zum Mittelpunkt hat. Ich bin davon überzeugt, dass es an uns liegt, wieder zu vergessen. Damit uns das leichter fällt, helfen uns auch technische Mittel. Insofern freue ich mich über den Vorschlag von Frau Aigner und hoffe, dass sich aus den Systemen von Michael Backes und anderen diese technischen Werkzeuge entwickeln lassen.

Aber die Technik allein wird das Problem nicht lösen - das hat auch Frau Aigner gesagt. Es ist ein wenig wie bei der Brandbekämpfung: Der Wasserschlauch und auch der Hydrant helfen als technische Werkzeuge; aber es bedarf der Institution Feuerwehr, des menschlichen Wissens, wie gelöscht werden muss.

Zeit Online: Bei dem von Michael Backes entwickelten System werden die Daten verschlüsselt. Wer eine so gekennzeichnete Datei anschauen will, muss von einem Keyserver einen Schlüsselcode herunterladen. Ist das sinnvoll?

Mayer-Schönberger: Das ist ohne Detailkenntnisse schwer zu beurteilen. Sehr allgemein gesprochen sind zentrale Keyserver immer ein potenzieller single point of failure; ihr Vorteil ist freilich - wenn sie funktionieren - ein gewisses Maß an Sicherheit.

Zeit Online: Der Begriff single point of failure meint doch auch die Gefahr, dass ein Schlüsselserver als potenziell interessantes Objekt Ziel von Angriffen wird, oder?

Mayer-Schönberger: Ja, diese Gefahr besteht und müsste zum Beispiel durch ein Netz an Keyservern vermindert werden. Wobei sich hier wieder schwierige Folge-Fragen ergeben. Das hat sich auch beim Vanish-System der Forscher an der Universität Washington gezeigt, die vor circa zwei Jahren eine Möglichkeit eines Verfallsdatums geschaffen haben. Kollegen an der Universität Princeton um Ed Felten haben den fundamentalen Baufehler des Vanish-Systems dokumentiert.

Ich hoffe für Michael Backes und seine Kollegen, dass es ihnen besser ergeht. Gleichzeitig haben Felten und seine Mitarbeiter aber auch einen Weg aufgezeigt, wie ein Verfallsdatum ohne Keyserver funktionieren könnte. Ich denke, hier gibt es noch genug Raum für interessante technische Innovationen. Dass Deutschland hier dabei ist, dazu gratuliere ich.

Es geht um eine gesellschaftliche Debatte über die Wichtigkeit und die Funktion von Erinnern und Vergessen 

Himuralibima 12. Jan 2011

Noch besser: Es gibt auch gar keine Handlungsmöglichkeit. Kein Verfahren kann einen...

die eule 12. Jan 2011

Hoffentlich is die TTL für diese News nur bei 1 Stunde und löscht sich dann von selbst...

Anonymer Nutzer 12. Jan 2011

für diese wäre es doch wunderbar. Noch einfacher ließen sich olle Missetaten vertuschen...

Anonymer Nutzer 12. Jan 2011

vergessen wo das Problem ist? Letztens wollte ich nachschlagen wegen der Windows-XP...

nochmehregal 11. Jan 2011

Alles was unsere Steuer- und Abgabenerhöhungskasper - genannt Regierung/Opposition...

Kommentieren


IT-weblog / 11. Jan 2011

Das Märchen vom digitalen Radiergummi



Anzeige

  1. Abteilungsleiter (m/w) IT-Technik, Einkauf und externe IT-Entwicklungen
    Fonds Finanz Maklerservice GmbH, München
  2. Spezialist (m/w) technisches Marketing
    AKDB, München
  3. Mitarbeiter SAP Support (m/w)
    Novotechnik Messwertaufnehmer OHG, Ostfildern
  4. (Senior-)Berater (m/w) SAP CRM
    Capgemini Deutschland GmbH, verschiedene Standorte

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Watchever und Dropbox

    Einige Apps haben Probleme mit iOS 8

  2. Apples iOS 8 im Test

    Das mittelmäßigste Release aller Zeiten

  3. Online-Handel

    Bei externen Händlern mit Amazon-Konto einkaufen

  4. Digitale Verwaltung 2020

    E-Mail soll Briefe und Amtsbesuche ersetzen

  5. Sony

    Erwarteter Verlust wegen Mobilsparte mehr als viermal höher

  6. Satoshi Nakamoto

    Wikileaks sollte auf Bitcoin verzichten

  7. UI-Framework

    Digias Qt wird zur Qt-Company

  8. Microsoft

    PC-Version des Xbox-One-Controllers angekündigt

  9. Security

    FreeBSD schließt Schwachstelle im TCP-Stack

  10. Nach der Orangebox

    AMD und Canonical bieten Openstack-Server



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Physik: Zeitreisen ohne Paradoxon
Physik
Zeitreisen ohne Paradoxon
  1. Gehirnforschung Licht programmiert Gedächtnis um
  2. Neues Instrument Holometer Ist unser Universum zweidimensional?
  3. Sofia Der fliegende Blick durch den Staub

Doppelmayr-Seilbahn: Boliviens U-Bahn der Lüfte
Doppelmayr-Seilbahn
Boliviens U-Bahn der Lüfte

Intel Core i7-5960X im Test: Die PC-Revolution beginnt mit Octacore und DDR4
Intel Core i7-5960X im Test
Die PC-Revolution beginnt mit Octacore und DDR4
  1. Rory Read AMDs neue x86-Architektur Zen kommt 2015
  2. Intels Desktop-Chefin im Interview "Wir hatten unsere loyalsten Kunden frustriert"
  3. Intel Core i7-5960X X99-Mainboards angebrannt

    •  / 
    Zum Artikel