Grafische Oberfläche: Keith Packard will X.org umorganisieren
Keith Packard

Grafische Oberfläche

Keith Packard will X.org umorganisieren

X.org ist in seinem jetzigen Zustand nicht zukunftsfähig, meint Keith Packard, selbst Entwickler bei X.org. Gegenwärtig seien darin noch zu viele Altlasten enthalten. Langfristig müssten die Komponenten ausgelagert und die Rolle des Xservers neu definiert werden.

Anzeige

X.org schleppe noch zu viele Altlasten mit sich herum, hat Entwickler Keith Packard auf der diesjährigen Linux-Plumbers-Konferenz in Cambridge Massachusetts gesagt. Der Xserver stamme aus einer Zeit, in der das Client-Server-Modell nicht nur die Netzwerkfähigkeit von Unix und Linux gewährleistet habe, sondern auch das Konzept von gemeinsam genutztem Speicher noch nicht umgesetzt gewesen sei.

  • Die Wayland-Infrastruktur
  • Die X.org-Infrastruktur
Die Wayland-Infrastruktur

Viele Entwickler verfluchten inzwischen X.org und seine Komponenten nicht nur wegen ihrer Komplexität, sondern auch wegen des hohen Speicherverbrauchs und der hohen CPU-Last und langsamer Startzeiten, sagte Packard. Er selbst würde das gerne ändern und wolle die Änderungen umsetzen, ohne X.org unbrauchbar zu machen.

Wunschziel Umgestaltung

Packards Thesen zur Umgestaltung von X.org sind nicht als offizielle Leitlinie der X.org-Entwickler zu verstehen. Sie kommen aber zu einem Zeitpunkt, an dem die Diskussion um den alternativen grafischen Server Wayland erneut aufflammt. Wayland wurde von X.org-Entwickler Kristian Høgsberg als Alternative zu dem seiner Meinung nach archaischen X.org konzipiert. Ursprünglich wollte Høgsberg damit beweisen, dass X.org ohne großen Aufwand umgestaltet werden kann. Inzwischen wurde Wayland von Canonical geadelt: Es soll in einem Jahr als grafischer Server unter Ubuntu eingesetzt werden.

Vor allem die Zersplitterung des Fenstersystems in Xserver, Fensterverwaltung und Compositingmanager machten das gesamte System träge, sagte Packard. Jede Tasteneingabe müsse mindestens diese drei Stationen durchlaufen. Die Komponenten kommunizieren über komplexe, asynchrone Protokolle miteinander.

Ohne X geht nix

Etliche Funktionen, die früher von X.org bereitgestellt wurden, sind inzwischen in den Kernel gewandert. Dazu gehören die Kernel Mode Settings (KMS), die dem Kernel unter anderem die automatische Konfiguration von Bildschirmauflösungen ermöglichen. Die KMS funktionieren allerdings nur mit den Chipsätzen der drei großen Anbieter: AMD, Intel und Nvidia. Alle anderen Grafikkarten benötigen nach wie vor die von X.org bereitgestellten Treiber. Anwendungen können zwar per Direct-Rendering direkt auf APIs OpenGL und VDPAU beziehungsweise VAAPI zugreifen, dafür sei X.org überflüssig. Für die 2D-Darstellung würde X allerdings weiterhin benötigt.

Um X zu verschlanken, müssten weitere Komponenten ausgelagert und die Zugriffe untereinander vereinfacht werden. Dabei dürften und könnten nicht alle Komponenten im Kernel landen. Komplexe Eingaben etwa über Touchscreens müssten ebenso im Userspace abgearbeitet werden wie etliche Eingaben über die Maus.

Ausgelagert

Eingabegeräte werden mittlerweile zumindest grundsätzlich über den Kernel-Treiber Evdev angesprochen. Dieser biete allerdings nur eine eingeschränkte Funktionalität, sagte Packard. X.org kümmere sich dabei um den Rest. So wird auch das Keymapping nicht vollständig vom Kernel verwaltet. Packard nennt die Funktionalität dort "primitiv". Für das Keymapping arbeiten die Entwickler an einer neuen Bibliothek mit dem Namen Libxkbcommon, die künftig direkt von Anwendungen angesprochen werden soll.

Zumindest Packard schien nicht traurig darüber, dass wesentliche Kernkomponenten aus X.org verschwinden. Seine Vision sieht nicht X.org im Mittelpunkt der Linux-Infrastruktur, sondern den Kernel. Wayland und X.org sollen dann als Peripherie-Komponenten zur Verfügung stehen und dem Benutzer eine flinke und effiziente grafische Oberfläche seiner Wahl bieten.


Der Kaiser! 13. Jan 2011

http://y-windows.org/about.html

grmblpfrmpft 05. Dez 2010

Und ausserdem hast du den Längsten!

Der Kaiser! 23. Nov 2010

X.org hat ja Multi-Pointer-Unterstützung schon seit längerem.* Wie siehts damit bei...

Der Kaiser! 23. Nov 2010

ACK! Ich finds trotzdem blöd. Wieso kann man nicht direkt QT/GTK auf Wayland laufen lassen?

Der Kaiser! 22. Nov 2010

Ich finds nicht sinnig das das Teil des "X-Servers" wird. Ich bin zufrieden damit, das...

Kommentieren



Anzeige

  1. Softwareentwickler (m/w) für Testsysteme im Bereich Mobilgeräte
    AMS Software & Elektronik GmbH, Flensburg
  2. Service Manager Windows Platform (m/w)
    Bayer Business Services GmbH, Leverkusen
  3. Field Support Engineer (m/w)
    NetApp Deutschland GmbH, Neu-Isenburg/Frankfurt
  4. Projektleiter/in für Luftfahrfahrzeug TORNADO (Bundeswehrhintergrund)
    ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, Fürstenfeldbruck

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Apple verkraftet Ansturm nicht

    OS X Yosemite - die öffentliche Beta ist da

  2. Erfundene Waren

    Ebay-Betrüger muss für 7 Jahre in Haft

  3. Uber und Wundercar

    Deutsche haben großes Interesse an Taxi-Alternativen

  4. Bundesnetzagentur

    In Deutschland sind weiter rund 30 Wimax-Anbieter aktiv

  5. Allview Viva H7

    7-Zoll-Tablet mit UMTS-Modem für 120 Euro

  6. Echtzeit-Überwachung

    BND prüft angeblich Einsatz von SAPs Hana-Datenbank

  7. Xiaomi

    Design des Mi4 von Apple "inspiriert"

  8. Terrorabwehr

    Kriterien für Aufnahme in US-Terrordatenbank enthüllt

  9. Open Name System

    DNS mit Namecoin-Blockchain

  10. In eigener Sache

    Computec Media veröffentlicht Spielevideo-App Games TV 24



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Sony RX100 Mark III im Test: Klein, super, teuer
Sony RX100 Mark III im Test
Klein, super, teuer
  1. Custom ROM Sonys Bootloader einfacher zu entsperren
  2. Sony Xperia T3 kommt als Xperia Style für 350 Euro
  3. Auge als Vorbild Sony entwickelt gekrümmte Kamerasensoren

Türen geöffnet: Studenten "hacken" Tesla Model S
Türen geöffnet
Studenten "hacken" Tesla Model S
  1. Model III Tesla kündigt günstigeres Elektroauto an
  2. IMHO Kampfansage an das Patentsystem
  3. Elektroautos Tesla gibt seine Patente zur Nutzung durch andere frei

Programmcode: Ist das Kunst?
Programmcode
Ist das Kunst?
  1. Google Apps for Business Sprint steigt bei Googles App-Programm ein
  2. Suchmaschinen Deutsche IT-Branche hofft auf Ende von Googles Vorherrschaft
  3. Quartalsbericht Google steigert Umsatz um 22 Prozent

    •  / 
    Zum Artikel