Wikileaks: Zehntausende Dokumente aus dem Afghanistan-Krieg im Internet

Wikileaks

Zehntausende Dokumente aus dem Afghanistan-Krieg im Internet

Wikileaks ist ein neuer Coup gelungen: Das Internetangebot hat knapp 92.000 Dokumente über den Afghanistan-Krieg bekommen und teilweise veröffentlicht. Es handelt sich hauptsächlich um Gefechtsberichte von US-Soldaten, die, so Wikileaks-Gründer Julian Assange, das "gewöhnliche Elend des Krieges" zeigen.

Anzeige

Afghan War Diaries, afghanisches Kriegstagebuch, nennt Wikileaks ein neu veröffentlichtes Konvolut an Dokumenten über den Krieg in Afghanistan. In der Nacht zum Montag mitteleuropäischer Zeit (Sonntagnachmittag Ortszeit US-Ostküste) hat die Website mehrere zehntausend Dokumente aus dem Krieg in Afghanistan aus den Jahren 2004 bis 2009 online gestellt.

Berichte aus erster Hand

Bei den Dokumenten handele sich in erster Linie um Berichte von US-Soldaten und Geheimdienstmitarbeitern, schreibt Wikileaks. Sie beschrieben "hauptsächlich militärische Aktionen mit tödlichem Ausgang, an denen das US-Militär beteiligt war". Hinzu kommen Berichte von politischen Treffen sowie weitere Detailinformationen. Über US-Spezialkräfte, Geheimoperationen und Einsätze der ISAF-Truppen (International Security Assistance Force, ISAF) gibt es nichts.

Weitere 15.000 Dokumente hat Wikileaks aus Sicherheitsgründen noch zurückgehalten. Sie sollen zuerst bearbeitet werden, um Schäden zu minimieren oder zu verhindern. So sollen Namen sowie sicherheitsrelevante Informationen entfernt werden. Die Veröffentlichung soll erfolgen, "wenn es die Sicherheitslage in Afghanistan erlaubt". Die Dokumente, insgesamt über 91.000, liegen in verschiedenen Formaten vor: als HTML-, SQL- und CSV-Dateien. Dazu kommen KML-Dateien, um die Orte der beschriebenen Aktionen auf Google Earth nachzuschauen.

Unabhängige Prüfung

Wikileaks hatte vorab die Dokumente dem Spiegel, dem Guardian und der New York Times zur Verfügung gestellt. Nach eingehender Prüfung kamen alle drei zu dem Ergebnis, diese seien authentisch. Die drei Medien vereinbarten zudem, so der Spiegel, "besonders sensible Informationen aus dem Geheimmaterial - etwa die Namen von afghanischen Informanten des US-Militärs oder Informationen, welche die Soldaten in Afghanistan zusätzlichen Sicherheitsrisiken aussetzen könnten - nicht zu veröffentlichen."

Die Dokumente zeigten, dass gewaltsame Aktionen in Afghanistan sehr viel häufiger seien, als das Militär zugebe oder die Medien berichteten, sagte Wikileaks-Gründer Julian Assange in einem Interview mit der New York Times. "Sie zeigen nicht nur schwere Zwischenfälle, sondern das gewöhnliche Elend des Krieges - vom Tod einzelner Kinder bis hin zu größeren Operationen, bei denen Hunderte getötet werden."

Scharfe Kritik aus Washington

Die US-Regierung verurteilte die Veröffentlichung der als geheim eingestuften Dokumente scharf. Diese gefährdeten das Leben von Amerikanern und ihren Verbündeten sowie die nationale Sicherheit, heißt es in einer Stellungnahme von Sicherheitsberater James Jones, die das US-Politikmagazin Politico veröffentlicht hat.

Jones kritisierte zudem, dass Wikileaks das Weiße Haus nicht über die Veröffentlichung der Dokumente informiert habe. Assange hatte im Juni gesagt, er wolle einen direkten Kommunikationskanal zum Weißen Haus aufbauen. Auf die US-Politik in Afghanistan werde die "unverantwortliche" Veröffentlichung keinen Einfluss haben kündigte Jones an.

Naive Deutsche

"Die neu aufgetauchten Dokumente enthalten keine Informationen über Gewaltexzesse gegenüber Zivilisten oder illegale Geheimoperationen, an denen die deutschen Truppen in Afghanistan beteiligt gewesen wären. Dennoch sind sie verheerend. Denn die deutsche Armee stolperte naiv in den Konflikt", schreibt der Spiegel über die deutsche Rolle in Afghanistan.

Sollten die US-Behörden den Informanten auf die Spur kommen, können diesen ernste strafrechtliche Konsequenzen drohen: Der Angehörige des US-Militärgeheimdienstes, der im Frühjahr das Video eines Hubschrauberangriffes auf Zivilisten im Irak bei Wikileaks eingestellt hatte, steht inzwischen unter Anklage wegen des Verstoßes gegen acht US-Bundesgesetze, er ist unter anderem der Spionage verdächtig.

Wikileaks ist kürzlich mit seinen Servern von den USA nach Belgien umgezogen. Das soll es Geheimdiensten erschweren, auf Wikileaks zuzugreifen. Gleichzeitig hatte Wikileaks die Veröffentlichung neuer Dokumente angekündigt. Gemeint waren offensichtlich die Kriegstagebücher.


Gehirnwähler 04. Aug 2010

Fail. 6 setzen.

M. Döpfner 28. Jul 2010

Weil es nunmal die BILD ist!

Geronimaus 28. Jul 2010

Blödsinn, setz dich mal mit dem Wahlsystem auseinander. Ja, es ist nicht doll aber es...

Gehirnwähler 27. Jul 2010

Vorallem werdem wir nie die nächste Stufe erreichen. Schon irgendwie witzig dieser...

Snusnu 27. Jul 2010

Ich glaube du hast meinen Kommentar nicht verstanden. Ich habe nichts von Verantwortung...

Kommentieren




Anzeige

  1. Produktmanager für digitales Entertainment / Product Owner (m/w)
    Media-Saturn Deutschland GmbH, Ingolstadt
  2. Web-Entwickler (m/w) mit Schwerpunkt PHP
    LLG Media GmbH, Bonn
  3. Java-Anwendungsentwickler / -innen
    Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main
  4. IT-Prozess- und Anwendungsberater (m/w) Produktinformationsmanagement
    TRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen (bei Stuttgart)

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. G3 Screen

    LGs erstes Smartphone mit eigenem Nuclun-Prozessor

  2. Apple Watch

    Apples Saphirglas-Hersteller stellt Produktion ein

  3. LG G Watch R

    Runde Smartwatch von LG kommt nach Deutschland

  4. Systemanforderungen

    Ohne 200-Euro-Grafikkarte läuft Assassin's Creed Unity nicht

  5. App Rooms

    Facebook macht die Foren mobil

  6. Leistungsschutzrecht

    Streit zwischen Verlagen und Google geht weiter

  7. Smartwatches

    Android Wear emanzipiert sich ein wenig von Smartphones

  8. Quartalsbericht

    Microsofts Gewinn sinkt wegen Massenentlassungen

  9. Quartalsbericht

    Amazon macht höchsten Verlust in Firmengeschichte

  10. Europäischer Gerichtshof

    Framende Links sind keine Urheberrechtsverletzung



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Kazam Tornado 348 ausprobiert: Das dünnste Smartphone der Welt hat ein versichertes Display
Kazam Tornado 348 ausprobiert
Das dünnste Smartphone der Welt hat ein versichertes Display

Google: Nexus 9 als erstes Tablet mit 64-Bit-Tegra von Nvidia
Google
Nexus 9 als erstes Tablet mit 64-Bit-Tegra von Nvidia
  1. Android L Das L steht für Lollipop
  2. Volantis Nexus 9 bekommt FCC-Zertifizierung

Nanotechnologie: Die unbekannten Teilchen
Nanotechnologie
Die unbekannten Teilchen
  1. Anode aus Titandioxid Neuer Akku lädt in wenigen Minuten
  2. Nanotechnologie Mit Nanoröhrchen gegen Produktfälschungen

    •  / 
    Zum Artikel