CCC

Elf gegen vierzehn

Anonymität, Schutz der Privatsphäre, Netzneutralität, neues Urheberrecht - das sind Bedingungen, um das Netz lebenswert zu machen, sagt der Chaos Computer Club. Die Organisation hat elf Thesen zusammengestellt. Ein Gegenentwurf zu dem Internet, das Innenminister Thomas de Maizière vorschwebt.

Anzeige

Der Chaos Computer Club (CCC) hat elf Thesen für ein 'lebenswertes Netz' aufgestellt. Darin hat die Hackerorganisation die Bedingungen aufgeführt, die ihrer Ansicht gegeben sein müssen, um die Entwicklung des Internet zu einem Massenmedium voranzutreiben. Der Katalog ist ein Gegenentwurf zu den Internetthesen, die Innenminister Thomas de Maizière kürzlich vorgestellt hat.

Das Internet ist nicht böse

"Der Einzug des Internets in den Alltag fast der gesamten Bevölkerung hat uns Datenschutzsorgen gebracht, aber auch zu einer Demokratisierung, einer Bereicherung aus wissenschaftlicher, sozialer und künstlerischer Sicht geführt", schreiben die Hacker in der Präambel. Es dürfe deshalb nicht "als Quell ewigen Übels" betrachtet werden, der "streng reguliert und möglichst mehrwert-gerecht präsentiert" werden müsse. "Wir haben daher in klare Worte gefasst, welche Errungenschaften erhalten und welche aktuellen Missstände unserer Meinung nach angepackt werden müssen, welche Risiken für die Zukunft einer wettbewerbs- und lebensfähigen Gesellschaft im Netz wir sehen und wohin die Reise gehen soll."

Die klaren Worte sind allerdings nicht neu oder überraschend: Der Katalog ist eher eine gebündelte Auflistung bekannter Standpunkte, die der CCC und andere Netzaktivisten an anderer Stelle bereits vertreten haben.

Grundrecht auf Surfen

Der Internetzugang sei, so der CCC, ein "Grundrecht" und "Bedingung für die Teilnahme am kulturellen und politischen Leben". Entsprechend soll der Staat dafür sorgen, "dass alle Bürger Zugang zu breitbandigem Internet haben". Einen Entzug des Internetzugangs, wie ihn die Unterhaltungsindustrie als Strafe für Nutzer fordert, die illegalen urheberrechtlich geschütztes Material über das Internet tauschen, dürfe es entsprechend nicht geben.

Das Netz könne nur dann wachsen, so der CCC, wenn alle Daten gleich behandelt werden. "Kein Zugangsanbieter darf nach inhaltlichen Kriterien Einfluss auf die Verfügbarkeit, Priorisierung oder Bandbreite der weitergeleiteten Daten nehmen", fordert der CCC. Der Netzbetreiber dürfe den Netzverkehr nur dann regulieren, wenn "tatsächlich ein Kapazitätsengpass besteht". Die entsprechenden Maßnahmen müssten in den Vertragsbedingungen aufgeführt und gegenüber den Kunden offengelegt werden.

Privatsphäre und Datenschutz

Großen Raum nimmt naturgemäß der Schutz der Privatsphäre ein. Gleich fünf Punkte beschäftigen sich mit diesem Bereich. So fordert der CCC vom Staat eine "rigide Datensparsamkeitsregelung": Es dürften nur Daten erhoben werden, die unbedingt gebraucht werden. "Anfallende Daten sind unverzüglich zu löschen, wenn kein Speicherzweck belegt werden kann. Hier sind keine könnte-würde-hätte-Argumentationen der Polizeilobby gültig, sondern ein konkreter und die Nachteile aufwiegender Nutzen muss nachgewiesen sein." Auch die Ablehnung von Ausweisen mit biometrischen Merkmalen fehlt an dieser Stelle nicht.

Der CCC will zudem die Möglichkeiten von staatlichen Behörden beschneiden, Nutzerdaten von Zugangsprovidern und Betreiber von Webseiten zu erheben. Diese sollten "nur in schwerwiegenden Kriminalfällen die persönlichen Daten ihrer Kunden und Benutzer offenbaren dürfen".. Die Unternehmen selbst werden aufgerufen, möglichst wenig Daten zu sammeln, etwa "keine Logdaten über ihre Benutzer zu erheben und nicht nach persönlichen Daten zu fragen."

Anonym surfen

Der Katalog tritt zudem vehement für ein Recht auf Anonymität beim Surfen ein. Der Nutzer müsse sich in der virtuellen Welt genauso unerkannt bewegen dürfen wie in der realen. "Authentizität im Internet darf nicht zu Lasten der Anonymität gehen und nicht durch erkennungsdienstliche Behandlung erkauft werden."

Des weiteren fordert der CCC, die "Profilbildung über Menschen" zu verhindern. Aus den Nutz- als auch die Bewegungsdaten, die die Nutzer im Internet hinterließen, könnten umfangreiche Persönlichkeitsprofile erstellt werden. Diese müssten besonders geschützt. "Daher soll datenschutzrechtlich dafür gesorgt werden, dass auch jemand, der legal Zugriff auf mehrere Datenbanken hat, daraus für ihn nicht das Recht auf Zusammenführung der Daten folgt."

Softwarepatente und Urheberrecht

Auch die Dauerstreitpunkte Softwarepatente und Urheberrecht fehlen nicht in der Aufstellung. Erstere sollten "allesamt gestrichen werden". Außerdem solle der Gesetzgeber festschreiben, dass es auch in Zukunft keine solchen Patente geben werde.

Beim Urheberrecht müssten, so der CCC, neue Regeln gefunden werden. So solle die Postion der Urheber gegenüber der "Verwertungsindustrie" gestärkt werden, damit erstere von dieser unabhängig würden. Das soll eine neues Kompensationsmodell ermöglichen. Der CCC hat nach eigenen Angaben "eine eigene Idee für die Bezahlung" entwickelt, die "die Idee der Kulturflatrate abwandelt."

Bagatellgrenze für Dateitausch

Für Tauschbörsennutzer soll es eine "Bagatellgrenze für die Verfolgung von Verletzungen" sowie eine "Einschränkung der Kosten bei der Durchsetzung gegen Privatleute ohne kommerzielle Vorteile aus der Verletzung" geben. Damit will der CCC das Abmahn-Geschäftsmodell eindämmen, das sich seiner Ansicht nach aus den Maßnahmen entwickelt hat, die die Industrie zum Schutz der Urheberrechte ergreift. Schließlich sollen die Schutzfristen für urheberrechtlich geschützte Werke "verkürzt werden, um die Allmende zu stärken."

Weitere Forderungen beziehen sich auf die Vergabe von IT-Großprojekten durch den Staat sowie auf den Umgang mit Inhalten, deren Erstellung mit Steuergeld finanziert wurde. Wenn der Steuerzahler diese schon bezahle, müssten "sie im Internet für jeden verfügbar" sein. Es sei Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass das auch geschehe. Das gelte auch für nicht mit aus öffentlichen Mitteln finanzierten Daten, die die Gesellschaft beträfen, wie statistische Erhebungen, Wetterdaten oder Landkarten. Bei Großprojekten solle der Staat künftig mehr Sorgfalt walten lassen, um künftig "Rohrkrepierer" wie Mautinfrastruktur oder Gesundheitskarte zu vermeiden.


Satan 22. Sep 2010

Das erklär mal unseren im Jahre 1949 feststeckenden Politikern (und Innenministern, die...

snapy666 25. Jul 2010

Jup. Hinzukommt, dass die Menschheit ihre Umweltverschmutzung, die Überbevölkerung und...

Micheal Winslow 21. Jul 2010

Kofii Anaan Ist einer der das alles schaffen kann. ~d3wd

Micheal Winslow 21. Jul 2010

Nachtelfe- vielleicht?! Die sollten meine Nicknames d3wd,dud3 wieder raus rücken; aber...

Micheal Winslow 20. Jul 2010

Eine kleine Wiedergutmachung für mein Geschreibsel droben. http://dgame.aki.gs...

Kommentieren


Forestwalk / 20. Jul 2010

Forderungen für ein lebenswertes Netz



Anzeige

  1. Referent (m/w) Lernmanagementsysteme mit Schwerpunkt IT-Fachkonzeption
    Gothaer Finanzholding AG, Köln
  2. Systemtechniker/-in im Network Management Center
    M-net Telekommunikations GmbH, München
  3. Informatiker/in
    Lechwerke AG, Augsburg
  4. Business Analyst / Projekt Manager (m/w)
    Parts Europe GmbH, Wasserliesch bei Trier

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Quartalsbericht

    Microsofts Gewinn und Umsatz fallen

  2. Element

    Schenkers Windows-Tablet ab 350 Euro - aber ohne Tastatur

  3. Epic Games

    Unreal Engine 4.1 mit Zugriff auf Konsolen-Quellcode

  4. Heartbleed-Bug

    Techfirmen zahlen Millionen für Open-Source-Sicherheit

  5. Sofortlieferung

    Base liefert Smartphone noch am gleichen Tag

  6. Leica T

    Teure Systemkamera mit Touchscreen

  7. The Elder Scrolls Online

    Inhaltserweiterung und Goldfarmer

  8. Sensabubble

    Display aus duftenden Seifenblasen

  9. Lulzsec

    FBI soll von Anonymous-Hacks profitiert haben

  10. Opera Coast 3.0

    Der Gesten-Browser fürs iPhone ist da



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Digitalkamera: Panono macht Panoramen im Flug
Digitalkamera
Panono macht Panoramen im Flug

Wenn Jonas Pfeil ein Panorama aufnimmt, stellt er nicht Kamera, Stativ und Panoramakopf auf, sondern wirft einen Ball in die Höhe. Um das Panorama anschließend zu betrachten, hantiert er mit einem Tablet. Der Berliner hat Golem.de seine Entwicklung erklärt.

  1. Lytro Illum Neue Lichtfeldkamera für Profis
  2. Nachfolger von Google Glass Google patentiert Kontaktlinsen mit Kameras
  3. Pentax 645Z Mittelformatkamera mit 51 Megapixeln und ISO 204.800

Windows XP ade: Linux ist nicht nur ein Lückenfüller
Windows XP ade
Linux ist nicht nur ein Lückenfüller

Wenn der Support für Windows XP ausläuft, wird es dringend Zeit, nach einer sicheren und vor allem kostenlosen Alternative zu suchen. Linux ist dafür bestens geeignet. Bleibt nur noch die Qual der Wahl.

  1. Freedesktop-Summit Desktops erarbeiten gemeinsam Wayland und KDBus
  2. Open Source Linux 3.15 startet in die Testphase
  3. Linux-Kernel LTO-Patch entfacht Diskussion

First-Person-Walker: Wie viel Gameplay braucht ein Spiel?
First-Person-Walker
Wie viel Gameplay braucht ein Spiel?

Walking-Simulator-Spiele nennen sie die einen, experimentelle Spiele die anderen. Rainer Sigl hat einen neuen Begriff für das junge Genre der atmosphärisch dichten Indie-Games erfunden: First-Person-Walker - Spiele aus der Ich-Perspektive mit wenig Gameplay.

  1. Flappy 48 Zahlen statt Vögel
  2. Deadcore Indiegames-Turmbesteigung für PC, Mac und Linux
  3. A Maze 2014 Tanzen mit der Perfect Woman

    •  / 
    Zum Artikel