IMHO

Der Atomschlag, die Angst und das Internet

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter will mehr Befugnisse im Internet. Um sie zu bekommen, entwickelt sein Vorsitzender beeindruckende Horrorszenarien. Klaus Jansen vergleicht die Folgen von Angriffen auf das Internet mit denen eines Atomschlags.

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Klaus Jansen, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, verbreitet Angst. Jansen verglich in der Neuen Osnabrücker Zeitung Attacken auf die digitale Infrastruktur des Landes mit den verheerenden Auswirkungen eines Atomschlages. Moment, Atomschlag?

Sind Millionen Tote durch Angriffe von Hackern zu erwarten? Verglüht der Nutzer durch eine virtuelle DNS-Bombe vor seinem Monitor oder stirbt er an den Nachwirkungen? Ein so grausamer Vergleich verbietet sich - es sei denn, Jansen will bewusst im wenig netzaffinen Teil der Bevölkerung Angst schüren.

Er hat auch gleich Ideen, wie er die verängstigten Bürger schützen kann. Doch in den Augen netzaffiner Menschen sind eher diese Ideen eine Gefahr für das Internet. Jansen schlägt für den Fall der Fälle einen Reset-Knopf für das Internet vor. Infizierte Rechner sollen Kriminalbeamte über das Internet entseuchen können - dazu verlangt der BDK einen rechtlichen Rahmen. Außerdem hätte er gern Hausdurchsuchungen für Facebook, SchülerVZ und Twitter.

Immerhin gibt Jansen zu, dass es den Polizeikräften an Kompetenz fehlt. Weniger als ein Prozent der 260.000 Polizisten in Deutschland ist fit fürs Internet. Ein gutes Jahrzehnt nachdem das Internet die Massen erobert hat, gibt es also offiziell nicht einmal 2.600 Beamte, die etwas davon verstehen. Die Zahl der Beamten, die Computer von Schadsoftware befreien können, dürfte noch geringer sein. Daher bedarf es zusätzlicher speziell ausgebildeter Einsatzkräfte in jeder Polizeibehörde, wie sie Jansen fordert. Das ist vielleicht die einzige vernünftige Forderung des BDK-Vorsitzenden.

Doch bis diese Spezialeinheiten ausgebildet sind, muss das Internet, folgt man Jansen, vorsorglich kontrolliert werden. Eine große Gefahr geht demnach zum Beispiel vom einkaufenden Netzbürger aus. Er könnte illegale Geschäfte machen, deswegen solle es eine Registrierungspflicht für jeden geben, der im Internet einkaufen möchte. Man stelle sich vor: Ein Bürger geht zum Supermarkt, um etwas zum Essen zu kaufen. Der Verkäufer verweigert ihm die Ware, denn ohne Registrierung bei der Agentur zum Schutz vor gefährlichen Einkäufen darf er keine Lebensmittel erwerben.

Jansens Zuspitzung bei der Verbreitung von Angst hat eine neue Qualität. Alles muss überwacht werden, sonst drohen der Bevölkerung dramatische Konsequenzen. Viel Raum für die Eskalation hat der BDK nicht mehr. In Zukunft kann er nur noch den Weltuntergang herbeireden und von vergleichbaren Folgen durch Internetkriminalität sprechen. Dann wird er den Internet-Reset-Knopf 2.0 ins Gespräch bringen, der dann folgerichtig für 2012 bereitstehen müsste.

Übrigens wird für den 11. September 2010 wieder zu einer "Freiheit-statt-Angst"-Demonstration aufgerufen.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


knaxx 21. Jul 2010

Das wäre möglich, dann soll er aber nicht rumjammern und so tun als ob das Internet für...

-1984- 21. Jul 2010

http://1.bp.blogspot.com/_LOx9SNllajU/S8Y3xV-b7NI/AAAAAAAAAQo/mSoAtStoP9E/s400/big...

löakdsjfölk 21. Jul 2010

@Rama Lama Richtig, ausserdem muss man davon ausgehen, dass nicht jeder weiss das es...

Sea 21. Jul 2010

Nuja selbst wenn sie es "könnten". Sie dürften es nicht anwenden. Ich verstehe wohl schon...

Sea 21. Jul 2010

Sicherlich würde es das. Aber das Internet ist nunmal so konzipiert worden, das es eben...

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