Australien

Politiker wollen Surfern Antivirensoftware aufzwingen

Ein australischer Parlamentsausschuss will die Internetnutzer des Landes dazu zwingen, Antivirensoftware und eine Firewall auf ihren Computern zu installieren. Nur wer seine Rechner damit schützt, soll ins Internet dürfen. Die Provider sollen die Einhaltung sicherstellen. Die Vorschläge stammen aus einer Studie zur Bekämpfung von Cybercrime.

Anzeige

Australische Politiker sind in der Vergangenheit schon durch bemerkenswerte Einfälle im Umgang mit dem Internet aufgefallen. Kommunikationsminister Stephen Conroy schlug im Jahr 2008 die Einführung eines dem chinesischen ebenbürtigen Filtersystems vor - aus Gründen des Jugendschutzes. Der neueste Coup aus Down Under: Nutzer sollen nur noch mit Antivirensoftware ins Internet dürfen.

Studie zu Cyberkriminalität

Der Vorschlag steht in einer Studie des Ständigen Ausschusses für Kommunikation des australischen Repräsentantenhauses zum Thema Computersicherheit, dem Report of the Inquiry into Cyber Crime. Die zwölfmonatige Recherche zu dem Thema habe gezeigt, dass Cybersicherheit ein großes Problem für die australische Gesellschaft geworden sei, sagte die Ausschussvorsitzende Belinda Neal bei der Vorstellung der Studie. Früher seien Hacker aus Spaß und um ihre Fähigkeiten zu beweisen, in fremde Computersysteme eingedrungen. Heutzutage seien Cyberverbrechen jedoch zu einem "internationalen Multi-Milliarden-Dollar-Geschäft" geworden, das die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Nutzer bedrohe.

Zur Bekämpfung der Cyberkriminalität listet die Studie 34 Vorschläge auf. So schlägt der Ausschuss beispielsweise die Berufung eines Beauftragten für Computersicherheit sowie die Einrichtung einer rund um die Uhr besetzten Meldestelle für Onlinestraftaten vor.

Zur Virenabwehr verpflichtet

Gleichzeitig will der Ausschuss Anwender dazu bringen, ihre Computer sauber zu halten. "Momentan ist es für einen Nutzer kaum möglich, zu erkennen, ob sein Computer kompromittiert wurde", sagte Beal. Sie sollen deshalb dazu verpflichtet werden, ihren Rechner zu schützen, indem sie eine Antivirensoftware sowie eine Firewall installieren.

Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Sicherheitsstrategie kommt nach Vorstellung des Ausschusses den Zugangsanbietern zu: Die Provider sollen künftig ihre Nutzer in den Geschäftsbedingungen zur Installation verpflichten sowie ihnen bei Vertragsabschluss eine Sicherheitsberatung geben. Stellt ein Provider fest, dass ein Nutzer ohne Sicherheitssoftware ins Internet wolle, müsse er den Zugang sperren. Sollte ein Computer trotz Schutzmaßnahmen dennoch von Schadsoftware befallen sein, soll der Provider den Nutzer darüber informieren. Falls nötig soll er dessen Internetzugang einschränken oder sogar sperren, bis der Computer wieder virenfrei ist.

Nicht in Geschäftsbedingungen hineinreden

Der Vorstoß hat sofort Kritiker auf den Plan gerufen. Peter Coroneos, der Vorsitzende des Branchenverbandes Internet Industry Association, etwa verwahrte sich im Gespräch mit der Tageszeitung Sydney Morning Herald dagegen, dass die Regierung den Providern die Gestaltung ihrer Geschäftsbedingungen vorschreiben wolle.

Colin Jacobs von der Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontiers Australia sprach sich dagegen aus, die Nutzer sollten eine Software auf ihrem Computer installieren, mit welcher der Provider erkenne könne, ob der Rechner geschützt sei und notfalls den Internetzugang unterbinden könne. Das sei, als werde auf dem Computer eine Spionagesoftware installiert, so Jacobs.


AmigoJack 28. Jun 2010

"Marketing"-Aktion, wenn ich so'n Scheiß schon höre... Unter den 500 Empfängern sind mit...

Rotua 26. Jun 2010

A) Niemand soll auf eine Firewall verzichten, doch bitte sollen das möglichst viele...

morecomp 26. Jun 2010

Jo, ich hoffe dass alle den Braten riechen. Die was verstecken wollen brauchen kein...

zilti 26. Jun 2010

Deiner Theorie zufolge müsste dann allerdings Mac OS X das Ziel nummer eins sein. Kaum...

spanther 25. Jun 2010

Das reicht schon, wenn der Provider vorfiltert. Hat AOL zB. gemacht und dann kam keine...

Kommentieren




Anzeige

  1. Sachbearbeiter (m/w) SAP
    TenneT TSO GmbH, Lehrte
  2. Mitarbeiter (m/w) Software - Support und Lizenzmanagement
    REALTECH AG, Walldorf
  3. Business Intelligence Expert (m/w) (BI-Management & -Reporting)
    DÖHLERGRUPPE, Darmstadt
  4. Leiter Systemsteuerung (m/w)
    Sparkasse Herford, Herford

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Leistungsschutzrecht

    Kartellamt weist Beschwerde gegen Google zurück

  2. Projekt DeLorean

    Microsofts Game-Streaming rechnet 250 ms Latenz weg

  3. Digitale Agenda

    Bitkom fordert komplette Nutzung des 700-Megahertz-Bandes

  4. Watch Dogs

    Gezielt Freunde hacken

  5. Test Rules

    Gehirntraining für Fortgeschrittene

  6. Transformer Pad TF303

    Neues Asus-Tablet mit Full-HD-Display und Tastatur-Dock

  7. Kalifornien im Rechner

    Google wollte fahrerlose Autos nur in virtueller Welt testen

  8. Affen-Selfie

    US-Behörde spricht Tieren Urheberrechte ab

  9. LG PW700

    LED-Projektor funkt Ton per Bluetooth an Lautsprecher

  10. Formel E

    Motorsport zum Zuhören



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Raspberry B+ im Test: Sparsamer Nachfolger für mehr Bastelspaß
Raspberry B+ im Test
Sparsamer Nachfolger für mehr Bastelspaß
  1. Erweiterungsplatinen Der Raspberry Pi bekommt Hüte
  2. Odroid W Raspberry Pi-Klon für Fortgeschrittene
  3. Eric Anholt Langsamer Fortschritt bei Raspberry-Pi-Grafiktreiber

Computerspiele: Schlechtes Wetter macht gute Games
Computerspiele
Schlechtes Wetter macht gute Games
  1. Elgato Spiele von Xbox One und PS4 aufnehmen und streamen
  2. Let's Player "Es gibt Spiele, für die man bezahlt wird"
  3. Transocean Handelssimulation mit Ozeanriesen

Die Paten des Internets: Oliver Samwer - die "Execution-Sau"
Die Paten des Internets
Oliver Samwer - die "Execution-Sau"
  1. Samwer United Internet kauft großen Anteil von Rocket Internet
  2. Oliver Samwer "Sehr viele Unternehmen haben wir zu früh verkauft"
  3. Verivox Tarifvergleichsplattform Toptarif von Konkurrenten gekauft

    •  / 
    Zum Artikel