Mainframes - IBM droht freiem Emulator

Französischem Start-up Turbohercules wurde Klage angedroht

IBM, Weltmarktführer bei Mainframes, ist nicht glücklich über Konkurrenz aus dem Open-Source-Lager. Dem französischen Start-up-Unternehmen Turbohercules SAS droht ein Manager, der bei IBM für Großrechner zuständig ist, unverhohlen mit einer Patentverletzungsklage.

Anzeige

Ein kleines französisches Softwareunternehmen namens Turbohercules hat sich den Zorn der IBM-Mainframe-Götter zugezogen. Schuld daran ist ein Stück Open-Source-Software namens Hercules, das Turbohercules vermarkten will. Hinter dem großen Namen verbirgt sich ein Emulator für IBM-Mainframe-Betriebssysteme. Hercules erlaubt es, Programme, die ursprünglich für IBM-Großrechner geschrieben wurden, auf PC-Hardware laufen zu lassen.

Das Hercules-Projekt wurde ursprünglich von Roger Bowler ins Leben gerufen, der auch Turbohercules gegründet hat. Mit Turbohercules hat sich Roger Bowler das Ziel gesetzt, Hercules zu vermarkten. Er strebe an, schrieb Bowler vor knapp einem Jahr, "eine zufriedenstellende Lizenzvereinbarung [mit IBM] zu treffen, die es erlaubt, aktuelle Mainframe-Betriebssysteme auf gewöhnlicher OEM-Hardware laufen zu lassen... Das werden interessante Zeiten für den Mainframe."

IBM ist von Bowlers Plänen alles andere als angetan. Der Weltmarktführer bei Mainframes sieht offensichtlich seine Mainframe-Pfründe durch die kleine französische Firma Turbohercules akut bedroht. Anders lässt sich ein Schreiben von IBM-Vizepräsident Mark S. Anzani an Roger Bowler von Mitte März kaum interpretieren. Dort heißt es unter anderem: "IBM hat viele Jahre und viele Milliarden Dollar in die Entwicklung der z-Architektur und -Technologie investiert. Es ist allgemein bekannt, dass IBM umfangreiches geistiges Eigentum in diesem Bereich besitzt. IBMs Klage gegen PSI unter anderem wegen Patentverletzung und Missbrauch von Geschäftsgeheimnissen ist öffentlich dokumentiert und in der Industrie gut bekannt. Nach Ihrer eigenen Aussage emuliert Ihr Produkt signifikante Teile von IBMs proprietärem Befehlssatz und IBM hält viele Patente, die deshalb verletzt werden würden... IBM ist deshalb über die Verletzung von patentierter IBM-Technologie besorgt."

Im Anhang des Schreibens liefert Anzani eine Aufstellung mit insgesamt 173 Patenten, die IBMs Mainframe-Technologie vor Wettbewerbern schützen sollen.

Versprechen gebrochen

Der Open-Source-Lobbyist Florian Müller weist in einem Blogeintrag darauf hin, dass zwei der von IBM aufgelisteten Patente - Nr. 5,613,086 und Nr. 5,220,669 - 2005 bereits einmal auf einer anderen Liste mit IBM-Patenten standen. Damals hatte IBM "rechtlich verbindlich" erklärt, dass die beiden Patente (zusammen mit 498 weiteren) "kostenlos... für die Entwicklung, Verbreitung und Nutzung von Open-Source-Software" zur Verfügung gestellt würden.

IBMs Drohungen gegen Turbohercules kritisiert Müller heftig: "Dieser Bruch des Versprechens ist unglaublich. Aber ich habe ja nie daran geglaubt, dass es IBM ernst damit war."

Pikant ist an der Angelegenheit, dass IBMs Verkaufserfolge in Europa auch in dem bei Kunden beliebten Einsatz von Linux auf dem Mainframe begründet liegen.

In jedem Fall sollte IBMs Verhalten den Argwohn der europäischen Wettbewerbshüter wecken. Darauf setzt auch Turbohercules. Das Unternehmen hat bei der EU-Kommission eine Antitrust-Beschwerde gegen IBM eingereicht. IBM wehrt sich gegen die Vorwürfe und erklärte, Turbohercules wolle "IBMs massive Investitionen in den Mainframe" für eigene Zwecke "ausnutzen".

In Indien sieht sich IBM bereits seit einiger Zeit mit Vorwürfen der Wettbewerbsbehinderung konfrontiert. Dort soll der US-Mainframe-Gigant rund 50 Prozent Marktanteil haben. [von Robert A. Gehring]


Dr. Pillepalle 20. Apr 2010

Weder die Hardware noch die Wartung ist der masive Kostenblock. Die...

other 07. Apr 2010

@.....: kommt darauf an, welchen lm-mode man einstellt. Man kann auch mehr als 80x43...

watcher 07. Apr 2010

Ja, das war schon ein kluger Schachzug von IBM, Eclipse an die Open Source Community...

michaelz 06. Apr 2010

Egal wie das Verfahren ausgeht. Ein kleines Unternehmen oder ein Entwickler allein kann...

( Alternativ... 06. Apr 2010

von den anwaltskosten und gerichtsgebühren die ebenfalls im zweistelligen...

Kommentieren



Anzeige

  1. Datenspezialist (m/w) Geoinformationssysteme (GIS)
    PTV Planung Transport Verkehr AG, Karlsruhe
  2. IT-Consultant Mobile Applications (m/w)
    Media-Saturn IT Services GmbH, Ingolstadt
  3. Consultant (m/w)
    GS1 Germany GmbH, Köln
  4. Senior Javascript Frontend Developer (m/w)
    tresmo GmbH, Augsburg

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Sicherheit

    Nacktscanner jetzt doch für deutsche Flughäfen

  2. HDMI-Handshake

    Firmware 2.0 lässt manche Playstation 4 verstummen

  3. Motorola

    Lenovo übernimmt Googles Smartphone-Sparte

  4. Osquery

    Systemüberwachung per SQL von Facebook

  5. Sicherheitslücke

    Drupal-Team warnt erneut vor Folgen

  6. Spieldesign

    Kampf statt Chaos

  7. Techland

    Last-Gen-Konsolen zu schwach für Dying Light

  8. Passport im Test

    Blackberry beweist Format

  9. Streaming

    Sky als Online-Abo mit Live-TV und Einzelabruf

  10. Band

    Microsofts Wearable hört und fühlt



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



FTDI: Windows-Treiber kann Bastelrechner beschädigen
FTDI
Windows-Treiber kann Bastelrechner beschädigen
  1. FTDI Treiber darf keine Geräte deaktivieren
  2. Bei Windows Update gelöscht Keine Killer-Treiber mehr für gefälschte FTDI-Chips

Ubuntu 14.10: Zum Geburtstag kaum Neues
Ubuntu 14.10
Zum Geburtstag kaum Neues
  1. Thomas Voß "Mir ist in zwei Jahren relevanter als Wayland"
  2. Ubuntu Unity 8 soll Standard in 16.04 werden
  3. Ubuntu Unity-Lockscreen-Bug kann Passwort verraten

Spacelift: Der Fahrstuhl zu den Sternen
Spacelift
Der Fahrstuhl zu den Sternen
  1. Raumfahrt Mondrover Andy liefert Bilder für Oculus Rift
  2. Geheimmission im All Militärdrohne X-37B nach Langzeiteinsatz gelandet
  3. Raumfahrt Indische Sonde Mangalyaan erreicht den Mars

    •  / 
    Zum Artikel