Wenn Sicherheitssoftware zu Sicherheitslücken führt

Michiel de Bruijn skizziert Anforderungen an sicherere Systeme

Endgeräte sind heute normalerweise vom Hersteller gut geschützt, Backup-Programme, Firewalls, Antivirenscanner sind vorinstalliert, Updateroutinen aktiviert. Doch der Nutzen dieser Sicherheitsvorkehrungen ist gering, sagt der Sicherheitsexperte Michiel de Bruijn.

Anzeige

Unter der Überschrift "Everything you know about client security is wrong" fasste der IT-Sicherheitsexperte Michiel de Bruijn in seinem Eröffnungsvortrag zum 17. DFN Workshop "Sicherheit in vernetzten Systemen" zusammen, warum Sicherheitsprobleme bei Anwendungssoftware ein Dauerbrenner sind - und es vermutlich bleiben werden. Denn obwohl Backup-Programme, Firewalls und Antivirenscanner sowie Updateroutinen installiert sind, ist der Nutzen dieser Vorkehrungen gering: Fast alle Firmen haben mehrere Vorfälle pro Jahr, viele PCs von Nutzern sind mit Malware infiziert, oft mehrfach.

Schuld daran sind laut de Bruijn unsichere Standardkonfigurationen und ein schlechtes Sicherheitsmodell: "Warum muss jeder Nutzer Root-Privilegien haben?"

Schlecht ist diese Situation nicht unbedingt: Die Hersteller von Antiviren- und Schutzsoftware verdienen trotz vieler kostenloser Angebote glänzend. De Bruijn nannte das "ein Multi-Milliarden-Dollar-Versagen". Denn Software dieser Art führt vor allem zum Anziehen der Schraube: Wenn das tägliche Update der Sicherheitsprogramme nicht mehr ausreicht, muss eben stündlich ein Update eingespielt werden. Kunden kaufen immer mehr dieser Software, in der Hoffnung, ihre Sicherheit zu erhöhen.

Dabei führt das Mehr an Sicherheitssoftware sogar zu mehr Sicherheitslücken: Einige Malware nutzt gezielt die Lücken etwa in Antivirenscannern. Der jüngste Trend, so de Bruijn, sei die Verbreitung falscher Sicherheitssoftware.

Das ist wohlgemerkt kein Windows-Problem. Andere Betriebssysteme seien einfach nur zu neu oder zu wenig verbreitet, um Ziel von Malware zu sein; möglich sind die Angriffe aber ebenso wie unter Windows. Dass die am meisten verbreitete Plattform am meisten angegriffen wird, sei ein Gebot der Marktwirtschaft. Denn Sicherheitslücken und deren Ausnutzung sind ein großer Markt.

Auf Microsoft-Produkte zu verzichten, verglich de Bruijn mit der Aufforderung, Englisch zu vergessen und stattdessen Esperanto zu lernen. Wer auf den Internet Explorer verzichte und stattdessen Firefox nutze, erhöhe zweifellos seine Sicherheit. Es frage sich aber, wie lange das so bleibe.

Jedes Programm sei fehlerhaft, ein Beispiel ist das bekannte Programm sendmail - quasi ein Urgestein des Internets -, dessen Lückenhaftigkeit und Verbreitung Hacker bis heute erfreut.

Normale Nutzer sind das größte Problem

Das größte Sicherheitsproblem sind die normalen Nutzer der Computer und des Internets - und der falsche Umgang mit ihnen. Würden Nutzer so wenig von ihren Autos verstehen wie von ihren PCs, dann wären unsere Straßen Schlachtfelder. Sie sind mit der Situation überfordert, aber sie sollen Sicherheitsentscheidungen treffen.

Hand aufs Herz: Wer hat bei einer SSL-Verbindung zum Onlinebanking schon einmal auf das Schloss-Icon geklickt und auch nur versucht nachzuvollziehen, ob die Verbindung tatsächlich vertrauenswürdig ist? Wie viele Nutzer können die typische Frage einer Firewall "Taskhost.exe möchte via TCP Port 2345 mit 198.80.129.125 verbinden - Zustimmen oder nicht?" kompetent beantworten?

Wenn Sicherheitssoftware zu Sicherheitslücken führt 

e-user 11. Mär 2010

Bei einer "Firewall", die das Ausfuehren von Programmen verhindert, ist wohl irgend...

Ludoviko 11. Feb 2010

In der deutsche Wikipedia steht im Artikel "Japanische Sprache": "Durch ihren...

Jakelandiar 11. Feb 2010

Oh wie ich das hasse wenn Leute das andersrum machen... erst Bremsen, am besten noch ne...

antares 11. Feb 2010

Die meisten nutzer vertrauen zu sehr auf die Werbung der antivirenhersteller. Nach dem...

HannoB 11. Feb 2010

Der golem-Artikel gibt einige Sachen falsch wieder - wenn man die Slides durchliest...

Kommentieren




Anzeige
  1. Anwendungsberater/in Salesforce
    Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Herzogenaurach
  2. Projektmanager Websites (m/w)
    GRUNWALD Kommunikation und Marketingdienstleistungen GmbH & Co. KG, Unterföhring
  3. Administrator Datenbanksysteme (m/w)
    DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg - Hessen gemeinnützige GmbH, Baden-Baden
  4. Mitarbeiter (m/w) IT-Helpdesk 1st- und 2nd-Level-Support
    SV Deutschland GmbH, Langenfeld

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. Bernd Schlömer

    Piratenchef darf im Dienst weder mailen noch twittern

  2. Anstößige Animationen

    Cinemagram-App wieder in Apples App Store

  3. Kim Dotcom

    "Gebt mir meine Rechner zurück!"

  4. Bang! Lamp

    Eine Designlampe zum Abknallen

  5. USB-Sticks und Speicherkarten

    Hersteller wehren sich gegen neue "Mondtarife"


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 384 | letzter Beitrag 15:32 Uhr

  2. Kommentare: 219 | letzter Beitrag 16:26 Uhr

  3. Kommentare: 215 | letzter Beitrag 11:40 Uhr

  4. Kommentare: 181 | letzter Beitrag 16:58 Uhr

  5. Kommentare: 125 | letzter Beitrag 24.05. 18:01

Mehr


  1. Samsung Galaxy S3

    Siri braucht sich nicht zu fürchten

  2. Gewerkschaft

    Entlassungen werden bei HP-Deutschland voll durchschlagen

  3. Tex Murphy

    Privatermittler sucht Privatinvestoren

  4. Studie

    Fast jeder zweite Nutzer hört legal Musik im Netz

  5. Funcom

    The Secret World mit neuen Plänen bis zum Start

  6. Play Store

    Google startet Bezahlabos in Android-Anwendungen

  7. Fußball

    Telekom stellt angeblich Liga Total ein

  8. SpaceX

    Dragon dockt an die ISS an

  9. IMHO

    Gema und Youtube - der Kampf ums Urheberrecht

  10. USB-Sticks und Speicherkarten

    Hersteller wehren sich gegen neue "Mondtarife"



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Samsung XE300: Google Chromebox versehentlich ausgeliefert
Samsung XE300
Google Chromebox versehentlich ausgeliefert

Weitgehend unbemerkt hat der US-Händler Tigerdirect die ersten Chromebox-Systeme von Google ausgeliefert. Für 330 US-Dollar bekommt der Nutzer recht gute Hardware in Nettop-Form, die sehr viel leistungsfähiger ist als die des Chromebook mit ChromeOS.

  1. Googles Aura Chromium OS mit klassischem Desktop

Lollipop Chainsaw angespielt: Blond und brutal
Lollipop Chainsaw angespielt
Blond und brutal

Der japanische Spieldesigner Goichi Suda - Fans sagen schlicht "Suda 51" - ist für schräge Actionspiele bekannt. Sein nächstes Werk schickt ein scheinbar braves Schulmädchen in den Kampf gegen Zombies.

  1. Spielepublisher in Not dtp Entertainment meldet Insolvenz an
  2. US-Umsätze im März 2012 Spielemarkt schrumpft weiter
  3. Starlight Inception Lucas-Arts-Veteran kämpft für das Weltraum-Action-Genre

Owncloud Inc.: "Wir sind kein Serviceprovider"
Owncloud Inc.
"Wir sind kein Serviceprovider"

Das Unternehmen Owncloud entwickele nur Software und biete Support für Kunden, sagte Technikchef Frank Karlitschek auf dem Linuxtag 2012. Darüber hinaus verriet er einige technische Details zu Owncloud 4 und kommenden Entwicklungen.

  1. Persönlicher Onlinespeicher Owncloud 4.0 verschlüsselt Daten auf dem Server
  2. Persönlicher Onlinespeicher Owncloud erhält Android-Applikation
  3. Persönlicher Onlinespeicher Owncloud 2012 auch mit kostenpflichtigem Support

Zum Artikel