IMHO: Intel hat AMD wieder lieb - und die Regulierer?

Die Einigung der Unternehmen berührt die Monopolvorwürfe nicht

Nach vier Jahren erbitterten Konflikts erneuern AMD und Intel ihr Patentaustauschabkommen, der Größere stützt den Kleineren finanziell, und alles wird gut. Wären da bloß nicht die lästigen Wettbewerbshüter, die Intel durch die Einigung nicht loswird. Deren Aufgabe ist nun wichtiger denn je, denn der Kern der Angelegenheit ist nicht geklärt.

Anzeige

Was zuvor jahrelang getobt hatte, wollten AMD und Intel am 12. November 2009 in drei Stunden vom Tisch wischen: 15 Minuten vor der ersten Telefonkonferenz traf eine Pressemitteilung von AMD ein. Nachdem der kleinere der beiden Chiphersteller die Beilegung des Streits zuerst erklären durfte, kam Intel an die Reihe. Pressemitteilung, Telefonkonferenz, das übliche Prozedere. US-Analysten beglückwünschten die Kontrahenten zu ihrem Burgfrieden, AMD-Chef Dirk Meyer kam im Überschwang der Ereignisse gar zu dem Schluss: "Hier ist jeder der Gewinner."

Jeder? Nicht nur die milliardenschweren Unternehmen AMD und Intel? Auch die Kunden? Nicht nur die PC-Hersteller, sondern Unternehmen und Konsumenten, die Computer kaufen? Nein, so einfach ist die Sache nicht. Denn auch wenn AMD seine eigenen Klagen gegen Intel fallenlassen will, steht immer noch ein wettbewerbswidriges Verhalten von Intel als Vorwurf im Raum.

Die Regulierungsbehörden der Industrienationen, vor allem in Japan und der EU, ermitteln seit Jahren gegen den Chipgiganten. Die EU sprach sogar eine Rekordstrafe von 1,06 Milliarden Euro aus, gegen die Intel rechtlich vorgehen will. Das dürfte noch einige Jahre dauern, einem Bericht des Wall Street Journals zufolge will Intel sich dafür den Kartellrechtsexperten Douglas Melamed ins Boot holen. Melamed war im US-Justizministerium am Kartellverfahren gegen Microsoft beteiligt.

Intel nimmt die laufenden Verfahren, auf die die Einigung mit AMD keinen Einfluss hat, also weiterhin ernst. Dabei geht es aber nicht um Schuld und Sühne oder gar Nachtreten, sondern vor allem um eine Festschreibung der Spielregeln. Dass jeder vorgeblich freie Markt Regeln braucht, wird in Zeiten der Wirtschaftskrise besonders deutlich.

Einer der schlimmsten Vorwürfe gegen Intel ist die angeblich gepflegte Praxis, PC-Hersteller und Handelsketten gegen großzügige Rabatte und Werbekostenzuschüsse zu Exklusivverträgen gedrängt zu haben. In Deutschland soll unter anderem Media Markt dieses Spiel mitgemacht haben.

Es ist zu klären, ob solche Methoden einem fairen Wettbewerb entsprechen. Natürlich steht jedem Händler frei, die Produkte zu verkaufen, die er für seine Kunden für am interessantesten hält. Technisch weniger informierte Kunden kommen aber nicht einmal auf die Idee, ein möglicherweise besseres Konkurrenzprodukt zu kaufen, wenn sie stets nur Werbung vom und für den Marktführer sehen - und ausschließlich dessen Produkte im Laden ihrer Wahl.

Im schnelllebigen IT-Geschäft ist die Sichtbarkeit von Produkten und deren Verfügbarkeit ebenso wichtig wie die Eignung für die vorgesehene Aufgabe. Die Vorwürfe gegen Intel sind dafür ein Präzedenzfall. Da AMD nicht mehr aus allen Rohren feuern will, sind die Kartellwächter gefragt, um die Anschuldigungen lückenlos aufzuklären. Der New York Times sagte die EU-Kommission bereits, sie wolle die Verfahren weiter verfolgen. Dass Intel und AMD dazu nun wesentlich beitragen, ist zu bezweifeln.

Bisher heißt der Gewinner der Einigung vor allem AMD. Intel will binnen 30 Tagen 1,25 Milliarden US-Dollar an den Konkurrenten zahlen. Das könnte AMD über das nächste Jahr retten, in dem das hoch verschuldete Unternehmen keine neuen Prozessorarchitekturen auf den Markt bringen will. Die gnadenlosen US-Börsen ordnen Gewinner und Verlierer ebenso ein. Am Tag der Einigung schloss Intel mit minimalen Verlusten, AMD konnte den Wert seiner Aktie um 21,8 Prozent steigern.

IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


Clown 16. Nov 2009

"Technisch weniger informierte Kunden kommen aber nicht einmal auf die Idee, ein...

Clown 16. Nov 2009

Selektive Perzeption? Das hat martinalex doch gar nicht gesagt und - so vermute ich...

Trollversteher 16. Nov 2009

Auf der gleichen Seite nachzuschlagen...

firehorse 14. Nov 2009

Mal schaun wie lange das hier gut geht :)

Kommentieren




Anzeige
  1. Software Developer (m/w) – LINUX EXPERT
    OMICRON electronics GmbH, Klaus (Austria)
  2. Teamleiter (m/w) für die Entwicklung der Programmer Verifikation
    BIOTRONIK SE & Co. KG, Berlin
  3. IT Servicetechniker (m/w) Prozess- und Steuerungssoftware
    Marel Food Systems über Mercuri Urval GmbH, Großraum Osnabrück
  4. Oracle Datenbankentwickler (m/w)
    ckc ag, Region Braunschweig

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. Radeon HD 7770 und 7750 im Test

    Die Grafikkarte mit 1 GHz für 159 Euro

  2. Youporn-Betreiber

    Hacker will 350.000 Datensätze bei Pornoseite erbeutet haben

  3. Nortel Networks

    Nortel war fast zehn Jahre lang gehackt

  4. Abmahnabzocke

    Maximal 100 Euro Abmahngebühr für Urheberrechtsverstöße

  5. Unity Technologies

    Bessere Grafik und KI mit Unity 3.5 verfügbar


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 270 | letzter Beitrag 13.02. 23:28

  2. Kommentare: 200 | letzter Beitrag 14.02. 22:07

  3. Kommentare: 194 | letzter Beitrag 14.02. 13:50

  4. Kommentare: 117 | letzter Beitrag 14.02. 12:39

  5. Kommentare: 101 | letzter Beitrag 02:39 Uhr

Mehr


  1. Radeon HD 7770 und 7750 im Test

    Die Grafikkarte mit 1 GHz für 159 Euro

  2. Youporn-Betreiber

    Hacker will 350.000 Datensätze bei Pornoseite erbeutet haben

  3. TZ77XE4

    Biostar zeigt Mainboard für Ivy Bridge und Sandy Bridge

  4. Unity Technologies

    Bessere Grafik und KI mit Unity 3.5 verfügbar

  5. Fifa Street

    Last Man Standing auf dem Bolzplatz

  6. Isis Web Browser

    Neuer Browser für HPs WebOS

  7. Nortel Networks

    Nortel war fast zehn Jahre lang gehackt

  8. Thermosensor

    Schmetterlingsflügel macht Wärme sichtbar

  9. Deutsche Gamestage

    Call for Papers der Quo Vadis verlängert

  10. Vodafone

    LTE auf dem Smartphone kostet monatlich 10 Euro mehr



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Gerüchte: Apple will alle Notebooks dünner machen
Gerüchte
Apple will alle Notebooks dünner machen

Apple soll einem Bericht zufolge seine gesamte Notebookpalette dem Macbook Air anpassen. Dazu müssten die relativ dicken Modelle der Macbook-Pro-Serie vollständig überarbeitet werden und Anwender auch von liebgewonnenen Eigenschaften Abschied nehmen.

  1. Apple-Patentantrag Macbooks mit Brennstoffzellen
  2. Landingzone Dockingstation für das Macbook Air

Apple: Apple-Aktie erreicht neuen Höchststand
Apple
Apple-Aktie erreicht neuen Höchststand

Seit der Bekanntgabe der letzten Quartalsergebnisse legt die Aktie von Apple fast täglich zu. Das Wachstum ist so stark, dass es den gesamten Aktienindex Standard & Poor's 500 nach oben zieht.

  1. Patentantrag Magsafe-Kabel für iPhone und iPad
  2. Tim Cook "Apple hat erstaunliche neue Produkte in Vorbereitung"
  3. Apple Massive Kritik an iBooks-Lizenzbedingungen

IMHO: Windows 8 - Microsofts Befreiungsschlag
IMHO
Windows 8 - Microsofts Befreiungsschlag

"Windows Reimagined", so bezeichnet Microsoft Windows 8. Es ist die größte Veränderung von Microsofts Betriebssystem seit Windows 95 und soll mit neuem UI und dem neuen API WinRT zum großen Befreiungsschlag für Microsoft werden.

  1. Beta Consumer Preview von Windows 8 am 29. Februar 2012
  2. Windows Explorer Windows 8 Beta mit weiteren Verbesserungen
  3. Sensor-Fusion Windows 8 soll Sensornutzung vereinfachen

Zum Artikel