Kulturstaatsminister gegen "Gratismentalität im Netz"

Neumann will Presse vor Google schützen

In zwei Reden hat sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann zu Beginn der neuen Legislaturperiode als Vorkämpfer gegen Google und für die Interessen der Pressekonzerne positioniert.

Anzeige

Wer bedroht den sogenannten Qualitätsjournalismus? Auf jeden Fall "Mediengiganten wie Google" und die "Internetpiraten", davon scheint Kulturstaatsminister Bernd Neumann überzeugt zu sein. Die ganze "Gratismentalität im Netz" ist Deutschlands oberstem Kulturwächter ein Dorn im Auge. Das machte der alte und neue Staatsminister für Kultur in zwei Reden vom Sonntag und vom Dienstag klar.

Vor dem Bundestag warnte Bernd Neumann gestern vor Streichungsorgien in den Kulturetats der Länder und Kommunen. Von dort würden "seit ein paar Wochen alarmierende Nachrichten über massive Streichungsabsichten" zu vernehmen sein. Der dadurch drohende "kulturelle Flurschaden" sei durch die zu erzielenden Einsparungen nicht zu rechtfertigen. Er wies darauf hin, dass Kultur auch ein wichtiger "Wirtschaftsmotor" sei und der Förderung bedürfe. Als eine wichtige Fördermaßnahme versprach Neumann eine Stärkung des Urheberrechts, "das Kreative in unserem Land vor der Beeinträchtigung geistigen Eigentums schützt - sei es durch Mediengiganten wie Google, sei es durch Internetpiraten!"

Auf einer Veranstaltung anlässlich des 60. Gründungsjubiläums des Deutschen Journalistenverbandes betonte Neumann bereits am Sonntag die Bedeutung einer freien Presse für die Demokratie. Doch diese Rolle sieht Neumann durch kostenlose Inhalte im Netz akut bedroht. Die versammelten Journalisten forderte Neumann auf, sich mit der "zunehmenden Konkurrenz durch Gratisinhalte im Netz, durch sogenannte Bürgerjournalisten, durch Blogger und Twitterer und den damit einhergehenden dramatischen Veränderungen des Nutzerverhaltens" auseinanderzusetzen.

Die richtige Antwort auf die Herausforderungen sieht Neumann in der Stärkung der Position von Medienunternehmen, denen ebenso wie Autoren "ihre Leistungen angemessen honoriert werden" müssten. Um das zu erreichen, kommen laut Neumann allerdings keine Subventionen der freien Presse in Frage, wie sie jüngst von Medienvertretern in den USA und auch in Deutschland ins Gespräch gebracht worden waren. Vielmehr sollte die Werbefinanzierung von Medienangeboten nicht durch "weitere Werbeverbote auf nationaler und internationaler Ebene" oder die Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Presseerzeugnisse erschwert werden.

Zwar betonte Neumann, ihm lägen "diejenigen besonders am Herzen, auf deren kreativem Schaffen letztlich alles beruht - die Urheber, also auch die Journalistinnen und Journalisten." Zugleich verzichtete er jedoch darauf, die Position der Journalisten gegenüber den Presseverlagen mit konkreten Maßnahmen stärken zu wollen. Der seit langer Zeit von Journalisten geforderte Schutz vor Benachteiligungen im Rahmen der in der Pressebranche üblichen Total-Buy-out-Verträge fand keine Erwähnung.

Während die Schaffung eines eigenen Leistungsschutzrechts für Verlage nach Neumanns Worten bereits beschlossene Sache sei, sollen sich die Journalisten mit dem Versprechen Neumanns, "die berechtigten Anliegen der Urheber im Blick behalten" zu wollen, zufrieden geben. Der Staatsminister ist überzeugt, dass "das Leistungsschutzrecht ... nicht nur die Verlage, sondern die Presse insgesamt - und damit auch die Journalisten [schützt]". [Robert A. Gehring]


JenZzzz 13. Nov 2009

hehe, erwischt, schon klar, ganz gratis geht's auch nicht, aber besser als für alles...

Wikifan 13. Nov 2009

Sokrates, Plato, Hegel und Kant waren an der Börse nie genannt - EAV, Watumba

jockl 13. Nov 2009

Noch *mehr* Werbung...

hmjam 12. Nov 2009

Huha, sellten so gute schreibe hier auf Golem gelesen! Problem wird es sein, dass es kaum...

guert 12. Nov 2009

Ebensowenig gibt es "die" Manager, "die" Politiker etc. Mir scheint allerdings, dass im...

Kommentieren



Anzeige

  1. Senior SCADA Engineer (m/w) Wind Power
    Siemens AG, Hamburg
  2. PHP-Entwickler (m/w)
    Lufthansa Global Tele Sales GmbH, Berlin
  3. Software Architect (m/w) Systemsoftware & Network
    Da Vinci Engineering GmbH, Ulm
  4. IT-Koordinator/-in für SAP-Logistiksysteme
    Daimler AG, Sindelfingen

 

Detailsuche


Top-Angebote
  1. VORBESTELLBAR: Need for Speed (PC/PS4/Xbox One)
    ab 59,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. VORBESTELLBAR: Jurassic Park Collection - Dino-Skin Edition (exkl. bei Amazon.de) [Blu-ray] [Limited Edition]
    29,99€ - Release 11.06.
  3. VORBESTELLBAR: Until Dawn Extended Edition PS4
    69,95€

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Jonathan Riddell

    Führungsstreit zwischen Ubuntu und Kubuntu

  2. Bad Hersfeld und Leipzig

    Streikwelle bei Amazon trifft auf Poststreik

  3. Perception

    Blind durchs Horrorhaus

  4. OS X 10.10.4 Beta 4

    Problematischer Netzwerkdienst Discoveryd verschwindet

  5. Hybrid-Arbeitsspeicher

    NVDIMMs erscheinen wie DDR4-Speichermodule

  6. LG G4 im Test

    Wer braucht schon den Snapdragon 810?

  7. OECT

    Polymer-Elektrode soll bessere Daten aus dem Gehirn liefern

  8. Gesetz im Eilverfahren

    Kabinett beschließt Entwurf zur Vorratsdatenspeicherung

  9. NSA-Affäre

    Merkel wohl über Probleme mit No-Spy-Abkommen informiert

  10. Sexting und Slices

    Snapchat will an die Börse



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Berlin E-Prix: Motoren, die nach Star Wars klingen
Berlin E-Prix
Motoren, die nach Star Wars klingen
  1. Funktechnik Daimler und Qualcomm vernetzen das Auto
  2. Elektromobilität Formel-E-Teams dürfen eigenen Antriebsstrang entwickeln

Apps für Googles Cardboard: Her mit der Pappe!
Apps für Googles Cardboard
Her mit der Pappe!
  1. Game of Thrones Auf der Mauer weht ein eisiger Wind
  2. VR im Journalismus So nah, dass es fast wehtut
  3. Deep angespielt "Atme tief ein und tauche durch die virtuelle Welt"

Surface 3 im Test: Tolles teures Teil
Surface 3 im Test
Tolles teures Teil
  1. Surface Pro 3 Microsoft erhöht Preise um bis zu 250 Euro
  2. Surface 3 im Hands on Das Surface ohne RT

  1. Re: Ist schon witzig daß...

    Nappzy | 13:39

  2. Re: Reaktionen der Bevölkerung

    Janquar | 13:39

  3. Re: Das klingt etwas verwirrt

    razer | 13:38

  4. Re: warum nicht Tor, I2P, Freenet etc.

    elgooG | 13:38

  5. Für diesen Streik habe ich verständnis

    ThorstenFunpeter | 13:37


  1. 13:37

  2. 13:12

  3. 12:49

  4. 12:36

  5. 12:24

  6. 12:05

  7. 12:02

  8. 11:55


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel