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Internet / 04.11.2009 / 16:25Trackback    Teilen    Druck 
Interview: Urknallmaschine ist fitSeiten

Interview: Urknallmaschine ist fit

CERN-Chef über Störfälle und den Wettlauf um das Teilchen Gottes

Rolf-Dieter Heuer ist Chef des Kernforschungszentrums CERN und Herr über die größte Maschine der Welt: den Beschleuniger LHC. Im Interview spricht er über Störfälle, Terrormeldungen und den Wettlauf um das Teilchen Gottes.

Handelsblatt: Seit Januar 2009 leiten Sie das CERN – und mussten sich gleich zum Start mit einem im Wortsinne riesigen Problem auseinandersetzen: dem Ausfall des gigantischen Teilchenbeschleunigers LHC. Haben Sie in den vergangenen zehn Monaten schon einmal bereut, nach Genf gegangen zu sein?

Rolf-Dieter Heuer: Nein, denn ich wusste ja, was mich erwartet. Problemlösung gehört mit zum Aufgabengebiet eines Generaldirektors.

Handelsblatt: Wie ist der aktuelle Status des LHC?

Heuer: Die eigentlichen Reparaturen waren schon Ende des Frühjahrs abgeschlossen. Was länger gedauert hat, waren die Vorbereitungen dafür, dass sich ein solcher Vorfall möglichst nicht noch einmal wiederholt. Das heißt, wir haben im gesamten Ring eine viel empfindlichere Elektronik eingebaut, die Temperaturschwankungen und Widerstandsänderungen sehr viel genauer messen kann als das Vorgängersystem. Das funktioniert auch schon sehr gut, muss allerdings noch einmal durchgetestet werden.

 

Wir haben insgesamt 250 Kilometer Kabel neu verlegt, mehr als 6.000 neue Elektronikkarten mussten gebaut werden, die ganze Software dazu geschrieben werden – das alles hat seine Zeit gedauert. Jetzt ist der LHC wieder auf Betriebstemperatur - und damit einer der kältesten Punkte im Universum.

Handelsblatt: Wie kalt genau?

Heuer: 1,9 Kelvin (entspricht -271 Grad Celsius). Nach erfolgreicher Abkühlung konnten wir vor einigen Tagen auch bereits erstmals einen Teilchenstrahl in den Beschleuniger einbringen, mit sehr gutem Erfolg.

Handelsblatt: Ist der LHC damit wieder fit für die Forschung?

Heuer: Endgültig bereit wird er aller Voraussicht nach Mitte November sein. Wir wollen nun zunächst die Teilchenstrahlen mit niedriger Energie kollidieren lassen. Das wird dann allmählich gesteigert, und wenn alles gut verläuft, können wir noch vor Weihnachten die ersten richtigen Kollisionen haben. Ich vergleiche das immer mit einem neuen Auto, das Sie auch nicht direkt mit Vollgas fahren würden. Ernsthafte Forschung beginnt dann im neuen Jahr.

  • Lage des LHC und der vier Experimente bei Genf (Bild: CERN)
  • Supraleitende Magnete im Tunnel. Die Magnete krümmen den Teilchenstrahl (Foto: CERN)
  • In dem 27 km langen Tunnel fahren die Techniker mit dem Fahrrad (Foto: CERN)
  • Test der Magnete (Foto: CERN)
  • Ein Magnet vor dem Einbau (Foto: CERN)
  • Ein Magnet wird in den Tunnel hinabgelassen (Foto: CERN)
  • Die ersten Magnete werden miteinander verbunden (Foto: CERN)
  • Teile des kryogenischen Systems des CERN (Foto: CERN)
  • Montage der supraleitenden Magnete (Foto: CERN)
  • Blick ins Kontrollzentrum, das Gehirn des CERN (Foto: CERN)
  • Das Experiment Atlas (Foto: CERN)
  • Das Experiment Atlas im Bau (Foto: CERN)
  • Das Experiment Atlas im Bau (Foto: CERN)
  • Einer der Detektoren von Atlas (Foto: CERN)
  • Einbau von Elementen des Atlas-Experimentes (Foto: CERN)
  • Muon-Kammer des Atlas. Darin sollen der Weg und die Energie von Muonen registriert werden (Foto: CERN)
  • Kalorimeter von Atlas (Foto: CERN)
  • Das Experiment Atlas im Bau (Foto: CERN)
  • Das Experiment CMS (Foto: CERN)
  • Das Experiment CMS kurz vor der Schließung (Foto: CERN)
  • Das Experiment CMS im Bau (Foto: CERN)
  • Das Experiment CMS im Bau (Foto: CERN)
  • Das Experiment CMS im Bau (Foto: CERN)
  • Das Experiment Alice mit geschlossenen ... (Foto: CERN)
  • ... und offenen Magnettüren (Foto: CERN)
  • Das Experiment Alice im Bau (Foto: CERN)
  • Der Muon-Spektrometer von Alice (Foto: CERN)
  • Spurendriftkammer  von Alice (Foto: CERN)
  • Die Kaverne des LHCb (Foto: CERN)
  • Die Kaverne des CMS im Bau (Foto: CERN)
  • Die Kaverne des Atlas im Bau (Foto: CERN)
  • Simuliertes Higgs-Ereignis: Ein Higgs-Boson entseht aus der Kollision zweier Protonen... (Bild: CERN)
  • ... und zerfällt in Sekundenbruchteilen in vier Muonen (Bild: CERN)
  • Aufbau des Atlas (Bild: CERN)
  • So könnte die Erzeugung eines Schwarzen Loches im Atlas-Experiment aussehen (Bild: CERN)
  • Schwarzes Loch im Atlas: Kritiker fürchten den Weltuntergang (Bild: CERN)
  • Simulation der Registrierung eines Z-Bosons im CMS (Bild: CERN)
  • Simulation der Entstehung und des Zerfalls eines Higgs-Teilchens im Experiment CMS (Bild: CERN)
  • Simulation der Kollision von Bleiionen in Alice (Bild: CERN)
  • Simulation der Kollision von Bleiionen in Alice (Bild: CERN)
  • Simulation eines Ereignisses im Experiment LHCb (Bild: CERN)
  • Rolf-Dieter Heuer, designierter Chef des CERN  (Foto: DESY)
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Supraleitende Magnete im Tunnel. Die Magnete krümmen den Teilchenstrahl (Foto: CERN)
Vollbild

Handelsblatt: Wie war die Stimmung im Team angesichts der Probleme mit dem LHC?

Heuer: Direkt nach dem Ausfall im Herbst letzten Jahres war die Stimmung natürlich im Keller, eher sogar noch tiefer. Da war es wichtig, die Kollegen mit einzubinden in die Entscheidungen darüber, was nun zu tun war. Sie mussten das Vertrauen in die Maschine zurückgewinnen. Ich glaube, das ist ganz gut gelungen.

Inzwischen ist die Stimmung wieder sehr gut. Hilfreich war hier auch, dass sich neben den Technikern und Wissenschaftlern, die die Maschine LHC betreuen, auch die Kollegen, die mit der Durchführung der Experimente betraut sind, eingebracht haben. Dazu konnten wir eine große internationale Solidarität verzeichnen: An vielen Forschungseinrichtungen in Europa und Übersee wurden Experten freigestellt, damit sie zu uns reisen und uns unterstützen konnten. Sogar vom Fermilab in Chicago erhielten wir Unterstützung.

Handelsblatt: Also von der direkten Konkurrenz. Auch am Fermilab-Beschleuniger wird nach dem Higgs-Teilchen gesucht – dem sogenannten Teilchen Gottes, dessen Entdeckung eine der Hauptaufgaben des LHC ist. Fürchten Sie, in diesem Wettlauf nun entscheidend ins Hintertreffen zu geraten?

Heuer: Das ist eine durchaus gesunde und sehr freundschaftliche Konkurrenz. Das Interesse am Fortschritt der Wissenschaft ist hier größer als das Eigeninteresse. Als Wissenschaftler ist es mir im Prinzip egal, wo das Higgs-Teilchen entdeckt wird. Als Generaldirektor des CERN wünsche ich mir natürlich, dass es bei uns entdeckt wird.

Aber selbst wenn die Kollegen in Chicago erste Hinweise auf das Higgs-Teilchen finden würden, müsste dann weiter getestet werden, um die Eigenschaften des Teilchens genau zu bestimmen. Und für diese Arbeit braucht man den LHC mit seinem hohen Energieniveau. Wenn wir also überhaupt Befürchtungen haben müssten, so allenfalls die, dass Chicago den allerersten Hinweis auf das Teilchen liefern könnte – und auch danach sieht es im Moment nicht aus. weiter...
Interview: Urknallmaschine ist fitSeiten
Kommentar-Übersicht / Kommentieren:
Re: Es gab nie einen Urkanll (spanther, 07.11.09 18:17)
Re: Neuer Zwischenfall am LHC (MaKo, 06.11.09 12:26)
Re: CERN / LHC (FranUnFine, 06.11.09 09:40)
Re: Keine Kinder. Atheist. Alt - was bedeutet das... (spanther, 06.11.09 06:53)
Re: Gottes Teilchen?!? (spanther, 05.11.09 20:27)
Trackback:

LHC: neuer Zwischenfall (HolonBlog, 06.11.09 11:36)

LHC bald wieder bereit (HolonBlog, 06.11.09 10:49)

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