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Geocities geschlossen - und für die Nachwelt archiviertArchive Team und Archive.org tun das, was Yahoo ignorierte
Geocities wurde 1994 als Beverly Hills Internet gegründet und 1999 von Yahoo gekauft. Das Unternehmen wurde zur Heimat hunderttausender privater Webseiten - darunter auch viele, die nie aus der Konstruktionsphase ("Under Construction") heraus kamen. Im April 2009 kündigte Yahoo an, Geocities zu schließen und legte Nutzern nahe, sich einen anderen Webhoster zu suchen. Seit dem 26. Oktober 2009 ist Geocities nun endgültig eingestellt.
Finden ohne Suchmaschine Geocities drehte sich lange um Nachbarschaften, womit die Gruppierung thematisch benachbarter Webseiten gemeint ist. Das half dabei, Gleichgesinnte zu finden, als Suchmaschinen noch nicht so stark genutzt wurden. Das sorgte zwar für eine Gemeinschaft, aber auch für Beschränkungen durch die vorgegebene, immer komplexere Struktur und daraus resultierende lange Links. Nach der Übernahme durch Yahoo wurde das System verändert und in Yahoo integriert - allerdings, so bemängelt Jason Scott vom privaten Archive Team, nur halbherzig. Den Niedergang von Geocities soll das jedoch alleine nicht ausgelöst haben, längst lockten andere Dienste die Nutzer zu sich. Doppelte Archivierung Damit das Vermächtnis des ehemaligen Zuhauses von Millionen von Webseiten nicht verloren geht, haben sich Scotts Archive Team ("The Geocities Project") und getrennt davon auch Archive.org ("Saving a Historical Record of GeoCities") mit Beteiligung von Geocity-Nutzern der Archivierung von möglichst vielen Geocities-Webseiten gewidmet. Scott betreibt das Mailbox-Archiv Textfiles.com, ist Produzent der Dokumentation "BBS: The Documentary" und nun wegen des Geocity-Endes auch unter die Hoster gegangen. Er will für künftige Generationen von Internetnutzern und Historikern so viele Geocities-Seiten wie möglich retten. Immerhin gehe es auch um Ahnenforschung, um Webseiten von Leuten, die gestorben seien und Sammlungen von Schriftstücken, Kunst und Musik, sagt er. Böse Kritik an Yahoo Am 22. Oktober 2009 schrieb Scott unter dem Blogeintrag Geostupid erbost in Richtung Yahoo: "Ich habe daran gearbeitet hunderte von Gigabyte an Daten zu sichern, die Ihr entschieden habt zu löschen. Ich hasse Euch. [...] Das sind fünfzehn Jahre und Dekaden von Mann-Arbeitsstunden, die ihr zerstört, wegpustet, weil es in der Bottom Line besser aussieht. Ihr hättet es verkaufen können, aber das wäre zu viel Arbeit gewesen. Ihr hättet es Archive.org spenden können, aber ich weiß, dass das Euren Reptilienhirnen weh tun würde und so verstehe ich es. Aber Ihr zerstört mit dieser Aktion so viel." "Wir wissen nicht einmal, ob wir 10 Prozent, 80 Prozent oder 99 Prozent der Daten in Geocities haben", klagt Scott. Yahoo habe sich als unkooperativ erwiesen - und sich mit Datenschutzgründen herausgeredet, obwohl es nur um grobe Anhaltspunkte gegangen sei. Sechs Monate lang habe man deshalb Tag und Nacht versucht, alles redundant auszulesen, in der Hoffnung, nichts übersehen zu haben. Scott, der auch in anderen Beiträgen in seinem Blog recht direkt in seiner Kritik ist, erinnert zudem an den "großen Yahoo-Geocities-Boykott von 1999". Yahoo hatte nach der Übernahme festgelegt, dass alle Inhalte der Nutzer fortan dem Unternehmen gehören. Die Nutzer hatten sich das nicht gefallen lassen und sich aufgelehnt. Bereits damals hätten die Geocities-Nutzer gemerkt, dass sie da etwas hatten, was es zu beschützen gilt, so Scott. "Und nun löscht ihr es alles. Ich hasse Euch." (ck)
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