Oracle droht Rückschlag bei Sun-Übernahme (Update)

EU-Kommission muss sich spätestens heute äußern

Der Softwaregigant Oracle stößt bei der Übernahme des Server- und Softwarespezialisten Sun auf Widerstand. Offensichtlich gibt es innerhalb der EU-Kommission Stimmen, die sich dagegen aussprechen, die Übernahme durchzuwinken. Man denke über eine tiefere Prüfung nach, heißt es in Branchenkreisen.

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Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete gestern unter Berufung auf Quellen aus dem Brüsseler Umfeld von einer skeptischen Einschätzung des Deals auf Seiten der EU-Kartellhüter. Die Kommission muss sich spätestens heute äußern, ob sie die Übernahme genehmigt oder in die vertiefende Prüfungsphase 2 geht.

Käme eine intensivere Prüfung, hätte das eine erhebliche Verzögerung der Übernahme zur Folge. Ein solches Verfahren kann bis zu vier Monate dauern. Das würde vor allem den Rivalen IBM oder Hewlett-Packard zusätzliche Zeit geben, verunsicherte Sun-Kunden abzuwerben. Schon seit der Ankündigung der Transaktion hat Sun mächtig Federn lassen müssen. Das Unternehmen meldete in der vergangenen Woche für das im Juni zu Ende gegangene Quartal einen Verlust von 147 Millionen Dollar, der Umsatz brach um 31 Prozent ein.

Gelitten hat vor allem der Verkauf von Netzwerkrechnern. So ist der Marktanteil von Sun bei Unix-Servern nach Berechnungen des Marktforschers IDC im zweiten Quartal um 4,4 Prozentpunkte auf 28,5 Prozent gefallen. Dagegen legte IBM sieben Prozentpunkte auf 41,4 Prozent zu.

Das US-Justizministerium hatte den Deal vor wenigen Tagen genehmigt. Dagegen ist einigen EU-Kartellwächtern offensichtlich die neue Marktmacht bei Software für Datenbanken, Oracles Kerngeschäft, ein Dorn im Auge. Hier fährt das US-Unternehmen einen Umsatz von fast zehn Milliarden Dollar und eine hohe zweistellige Marge ein. Sun wiederum hat nach der Übernahme des Datenbankanbieters MySQL ebenfalls solche Programme im Angebot. Zwar erreicht das Unternehmen Branchenschätzungen zufolge hier nur einen Umsatz von weniger als 500 Millionen Dollar. Allerdings bietet MySQL Open-Source-Software, für die keine Lizenzgebühr anfällt. Mit Sun bekäme Oracle also Zugriff auf einen bislang nicht erreichten Markt, dem Experten in Konkurrenz zum etablierten Lizenzverkauf wie bei Oracle durchaus ansehnliche Wachstumschancen zutrauen.

Branchenkenner weisen allerdings darauf hin, dass eine solche Verbindung längst üblich ist. "Auch eine IBM bietet beides an, sowohl Lizenzsoftware als auch Open-Source-Programme. Das ist also nichts Neues", sagt Robert Horndasch, Partner und IT-Berater bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte. Ebenso dürfte die Möglichkeit, Soft- und Hardware miteinander zu verbinden und das als Paket an die Kunden zu geben, eigentlich kein Hinderungsgrund sein. "Auch hier gilt, dass etwa eine IBM oder Hewlett-Packard dies längst praktizieren, ohne dass es dagegen bislang Bedenken gegeben hat", so Horndasch.

Oracle will Sun für 7,4 Milliarden Dollar übernehmen. Im Visier hat der SAP-Erzrivale dabei zum einen die Java-Software, die für Internetanwendungen enorm wichtig ist. Zum anderen bekommt Oracle Zugriff auf die Hardware von Sun. Dass sich der Konzern im Anschluss an die Übernahme von der Hardware trennen wird, daran glauben mittlerweile immer weniger Experten. "Sun ist auch wegen seiner Server interessant. Hier Bundle-Angebote zu entwickeln, ist absolut schlüssig", sagt Horndasch. [von Jens Koenen, Handelsblatt]

Golem.de-Nachtrag vom 3. September 2009, 13:51 Uhr

Die Europäische Kommission hat bestätigt, eine "eingehende Untersuchung" eingeleitet zu haben. "Nach einer ersten Prüfung bestehen erhebliche Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit der geplanten Übernahme mit dem gemeinsamen Markt, da das Vorhaben auf dem Markt für Datenbanken wettbewerbsrechtliche Probleme aufwirft. Die Untersuchung wird ergebnisoffen geführt", gab die Behörde bekannt. Bis zum 19. Januar 2010 soll eine Entscheidung fallen.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erklärte: "Wenn das weltweit führende Unternehmen im Bereich proprietäre Datenbanken das weltweit führende Unternehmen im Bereich Open-Source-Datenbanken zu übernehmen gedenkt, muss die Kommission die Auswirkungen auf den Wettbewerb in Europa äußerst sorgfältig prüfen." Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass die Oracle-Datenbanken und die MySQL-Datenbank von Sun in vielen Sektoren des Datenbankmarktes in direktem Wettbewerb miteinander stehen. Geprüft werden soll auch, welche Anreize Oracle habe, die MySQL als Open-Source-Datenbank weiterzuentwickeln.


r.joch 03. Sep 2009

Hi, Es geht nicht um Open Source. Die Sun und Oracle Manager kennen sich zufälliger weise...

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