Bundestag beschließt Internetsperren

Koalition setzt Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu Kinderpornografie durch

Der Bundestag hat das Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten beschlossen. In letzter Minute war der Entwurf noch einmal entschärft worden. Gegner wollen den Kampf gegen die umstrittenen Internetsperren nun vor Gericht weiterführen.

Anzeige

Erwartungsgemäß hat der Bundestag heute das von Familienministerin Ursula von der Leyen eingebrachte "Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen" beschlossen. Mit der Mehrheit von Union und SPD, gegen die Stimmen von FDP, Grünen und der Linken setzte die große Koalition das Gesetzesvorhaben durch. Ziel ist die "Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten" im Internet.

Das umstrittene Gesetz verpflichtet Provider dazu, den Zugang zu Websites mit Kinderpornografie im Ausland zu blockieren. Das Bundeskriminalamt wird die entsprechenden Sites ermitteln und den Providern eine Liste zustellen. Diese müssen dann den Zugang unterbinden.

Kurz vor der Abstimmung waren noch einige Änderungen an dem Gesetzesentwurf vorgenommen worden. Unter anderem wurde der Zeitraum der Aktualisierung der Sperrliste von "arbeitstäglich" auf "täglich" verkürzt. Zudem wurde die Nutzungsmöglichkeit der Daten, die beim Aufruf einer gesperrten Seite anfallen, beschränkt: Der ursprüngliche Gesetzentwurf sah vor, dass diese Daten "den zuständigen Stellen auf deren Anordnung" zur Strafverfolgung zur Verfügung gestellt werden müssten. Das beschlossene Gesetz untersagt jedoch explizit die Verwendung der Verkehrs- und Nutzungsdaten "für Zwecke der Strafverfolgung".

Löschen vor Sperren

Die wichtigste Änderung ist indes die Aufnahme eines Artikels in das Gesetz, nach dem eine Löschung von Inhalten der Sperrung vorzuziehen sei. Danach sollen Webseiten nur dann in die Sperrliste aufgenommen werden, wenn "zulässige Maßnahmen, die auf die Löschung des Telemedienangebots abzielen, nicht oder nicht in angemessener Zeit erfolgversprechend sind."

Das gilt vor allem, wenn der Anbieter "in einem anderen Staat im Geltungsbereich der Richtlinie 2000/31/EG des Europäischen Parlaments" ansässig ist. Wird das Angebot jedoch außerhalb der EU gehostet, kann das BKA die Website sofort in die Sperrliste aufnehmen, wenn "davon auszugehen ist, dass in dem betroffenen Staat andere Maßnahmen, insbesondere Mitteilungen an die für den polizeilichen Informationsaustausch zuständigen Stellen, nicht oder nicht in angemessener Zeit zu einer Löschung des Telemedienangebots führen."

Zudem wurde die Einführung eines Expertengremiums beschlossen, das "mindestens quartalsweise auf der Basis einer relevanten Anzahl von Stichproben" prüfen soll, ob die Websites auf der Sperrliste auch zu Recht blockiert werden. Das Gremium soll vom Bundesdatenschutzbeauftragten berufen werde. Peter Schaar, der dieses Amt derzeit ausübt, lehnt dies ab. In die Sperrlisten anderer Länder waren irrtümlich auch harmlose Angebote aufgenommen worden. Die dänische Polizei hatte etwa die Seite einer niederländischen Spedition blockiert.

Im Vorfeld hatte es heftige Proteste gegen das Gesetz gegeben. Die Gegner kritisierten, dass die Sperren leicht zu umgehen und damit letztlich nutzlos seien. Dafür schaffe Ministerin von der Leyen eine Infrastruktur für Zensur. Auch am heutigen Donnerstag hatten zahlreiche Gegner der Internetsperren demonstriert.

130.000 Gegner unterschreiben Onlinepetition

Besonders eindrucksvoll war das Ergebnis der von der Berlinerin Franziska Heine initiierten Onlinepetition: 130.000 Gegner traten namentlich gegen das Gesetz ein. Geholfen hat es nicht. Hein will sich damit jedoch nicht zufrieden geben. In einem Gespräch mit der Wochenzeitung Freitag kündigte sie eine Verfassungsklage gegen das Gesetz an.

Die Debatte über das Gesetz war heftig und zum Teil sehr unsachlich. Während die Gegner von der Leyen als "Zensursula" verunglimpften, rückten die Befürworter des Gesetzes die Kritiker in die Nähe der Täter. Von der Leyen etwa sagte, wer gegen die Internetsperren sei, toleriere, dass "weiterhin uneingeschränkt die Vergewaltigung von Kindern" gezeigt werde. Mit zum Teil abenteuerlichen Meinungsumfragen versuchten beide Seiten bis zuletzt, ihre Position zu untermauern.


troll-ex 24. Jun 2009

troll much? alternativer dns, und fertig laßt euch keinen scheiß erzählen!

troll-ex 22. Jun 2009

troll much? schwachsinn verbreiten ist out

:-) 22. Jun 2009

Human! Immerhin ein geschützter Platz.

Vertreibender 21. Jun 2009

Nach 40 Jahren Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) bin...

Aufklärer 21. Jun 2009

http://img36.imageshack.us/img36/3631/introstartseite1.jpg

Kommentieren


:: CrUisErs BLOG :: Privates Blog von Martin Eichenberg / 21. Jun 2009

Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen

Flashdeveloper @ Work / 19. Jun 2009

Seit gestern sind WIR die digitalen 68er!

Caracasa - You may say I'm a dreamer / 19. Jun 2009

Augen zu

Maikls Notizbuch / 19. Jun 2009

In stillem Gedenken…

Freak-und-Informatiker / 19. Jun 2009

Quo vadis, Deutschland?

schwarz-weiss.cc / 19. Jun 2009

Tag der Zensur: 18.06.2009

provider-stoerung.de / 19. Jun 2009

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

hep-cat.de / 18. Jun 2009

Bundestag beschließt Access-Blocking

politik.zweiterklasse.de / 18. Jun 2009

Verräterkoalition beschließt Internetsperren

Penzweb.de / 18. Jun 2009

RIP Artikel 5 des Grundgesetzes

blagh.nertenher.de / 18. Jun 2009

Da ist man mal eine Woche nicht im Land …



Anzeige
  1. Software-Projektleiter im Bereich der Medizintechnik (m/w)
    Brunel GmbH, Erfurt
  2. ORBIS-Administrator (m/w)
    Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannstrost, Halle (Saale)
  3. Fachkraft Programmierung Automatisierungstechnik (m/w)
    Brunel GmbH, Hannover
  4. SAP HR Specialist (m/w)
    Bayer Business Services GmbH, keine Angabe

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. Anonymous

    Telefonat zwischen FBI und Scotland Yard veröffentlicht

  2. Joseph Weizenbaum

    Welche Rolle spielt Wissenschaft?

  3. Google-Ranking

    Wie ein Erpresser einem Onlineshop schadete

  4. UCI iSens

    Hightech-Kino für Avatar 2 und Der kleine Hobbit

  5. Windows

    BSI gibt lückenhafte Sicherheitsempfehlungen


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 339 | letzter Beitrag 03:50 Uhr

  2. Kommentare: 137 | letzter Beitrag 03.02. 12:16

  3. Kommentare: 109 | letzter Beitrag 03.02. 22:09

  4. Kommentare: 106 | letzter Beitrag 03.02. 17:36

  5. Kommentare: 101 | letzter Beitrag 03.02. 12:57

Mehr


  1. Anonymous

    Telefonat zwischen FBI und Scotland Yard veröffentlicht

  2. Samsung Electronics

    "Wer in den Fabriken eine Gewerkschaft will, wird entlassen"

  3. Joseph Weizenbaum

    Welche Rolle spielt Wissenschaft?

  4. Betriebssysteme

    Linux Mint 12 KDE veröffentlicht

  5. Mozilla

    Push-Nachrichten fürs Web

  6. Acta

    Junge Union gegen Acta und Internetsperren

  7. Megaupload

    EFF will Nutzerdaten notfalls mit einer Klage schützen

  8. UCI iSens

    Hightech-Kino für Avatar 2 und Der kleine Hobbit

  9. Linux-Distributionen

    Canonical veröffentlicht Ubuntu 12.04 Alpha 2

  10. Take 2

    Suche nach GTA 5



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Börsengang: Facebook geht es nicht ums Geld
Börsengang
Facebook geht es nicht ums Geld

Facebook hat am Mittwoch seinen Börsengang beantragt und damit erstmals umfangreiche Informationen über das Unternehmen veröffentlicht. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat auch nach dem Börsengang volle Kontrolle über das Unternehmen, das eine Mission erfüllen soll, statt nach Gewinnmaximierung zu streben. Für den Erfolg soll eine gelebte Hackerkultur sorgen.

  1. Facebook Schwarzfahrer sollen wegen Facebook-Apps mehr zahlen
  2. Cloud-Werbung Facebook-Spammer nutzen Amazons Dienste
  3. Gegen Rechts Facebook hilft im Kampf gegen Naziprofile

Elektromobilität: US-Forscher planen den elektrischen Highway
Elektromobilität
US-Forscher planen den elektrischen Highway

Forscher der Stanford Universität haben eine Möglichkeit erdacht zu verhindern, dass Elektroautos auf einer langen Fahrt der Strom ausgeht: Sie wollen die Straße mit Spulen versehen, die per magnetischer Resonanz Strom drahtlos ins Auto übertragen.

  1. Elektromobilität Elektroautos sind nicht klimafreundlicher als Benziner
  2. Hiriko Prototyp des MIT-Elektrofaltautos vorgestellt
  3. E-Bugster VW stellt schnittigen Elektro-Käfer vor

Grail: Nasa veröffentlicht Video von der Rückseite des Mondes
Grail
Nasa veröffentlicht Video von der Rückseite des Mondes

Eine zerfurchte Mondlandschaft zeigt ein Video, das die Nasa veröffentlicht hat. Es sind die ersten Aufnahmen der Rückseite des Mondes, die eine der kürzlich auf die Mondumlaufbahn eingeschwenkten Grail-Sonden aufgenommen hat.

  1. Sonneneruption Curiosity bekommt Sonnensturm zu spüren
  2. SpaceX Raumkapsel Dragon besucht ISS erst im März oder April
  3. Phobos Grunt Russische Marssonde abgestürzt

Zum Artikel