Gesellschaft für Informatik fordert Taten statt Netzsperren

Fachgesellschaft kritisiert bisherige Strafverfolgung als "unzureichend"

Die Experten von der Gesellschaft für Informatik erklären der Großen Koalition ein weiteres Mal, warum Internetsperren im Kampf gegen Kinderpornografie nutzlos seien. Die Verfolgung der Täter ist dagegen unzureichend, so die GI.

Anzeige

Die Gesellschaft für Informatik fordert die Bundestagsparteien auf, das Gesetz für Internetsperren abzulehnen. Die Fachgesellschaft mit ihren rund 24.500 Mitgliedern lehnt die von der Bundesregierung geplante Ergänzung des Telemediengesetzes (TMG) als "allein dem Wahlkampf geschuldet" ab.

Die Weitergabe kinderpornografischer Inhalte erfolge kaum über Webseiten, erklärt die Informatikervereinigung. "Tatsächlich kann im Internet nicht direkt auf Kinderpornografie zugegriffen werden; vielmehr sind die Adressen nur Eingeweihten bekannt und zugegriffen werden kann nur in geschlossenen Benutzergruppen und über Peer-to-Peer-Netzwerke. Vielfach erfolgt die Verbreitung auch über Mobiltelefone."

Eine Sperrung behördenbekannter Server durch das Bundeskriminalamt habe also eine reine Alibifunktion und lenke von der "tatsächlich unzureichenden Strafverfolgung der Täter nur ab - zumal diese Sperrungen bisher ja schon durch die Staatsanwaltschaften und die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) angeordnet werden können".

Die Strafverfolgungsbehörden könnten bereits jetzt, gestützt auf § 184 b des Strafgesetzbuches (StGB) "Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften" wirksam verfolgen. Auch Sperrungen seien bereits möglich. Doch dies sei keinesfalls ausreichend: Sperrungen durch DNS-Blockaden, Proxy-Server oder von IP-Adressbereichen bewirkten nicht, dass diejenigen, die Verbrechen an Kindern begehen, gefasst und verurteilt werden. Dies können nur Polizei und Staatsanwaltschaften erreichen.

Die Gesellschaft für Informatik fordert die Behörden daher auf, unverzüglich gegen die ihnen bekannten Provider von Kinderpornografie strafrechtlich vorzugehen, die relevanten und behördenbekannten Server stilllegen zu lassen und ebenfalls gegen alle diejenigen strafrechtlich vorzugehen, die kinderpornografische Inhalte gezielt abrufen und tauschen. Adressen in Deutschland sollten ohnehin nicht gesperrt, sondern sofort stillgelegt werden, fordern die Experten. Zudem sei die Geheimhaltung der Sperrlisten durch das BKA kontraproduktiv. Sowohl die Programmierung der Filter als auch die Adresslisten sollten von neutralen Stellen überprüft werden.

Die tatsächlich interessierten Pädophilen könnten die von der Bundesregierung vorgesehenen Sperren relativ leicht umgehen und sich durch Anonymisierungsserver oder ausländische Provider Zugriff auf Kinderpornografie verschaffen.

"Eine vollständige Blockade ist wegen der dezentralen Struktur des Internets nicht möglich. Sie wäre nur zu erreichen, wenn das Internet grundsätzlich umgestaltet wird. Sollte dies gewollt sein, müsste dieses viel weitergehende politische Ziel in der öffentlichen Debatte klar benannt werden", heißt es weiter von der Informatikervereinigung.


GefährlichesHal... 20. Mai 2009

geniales Zitat bei dem Thema...sollte jeder mal drüber nachdenken...und nein...da ist...

GefährlichesHal... 20. Mai 2009

Ohne jemanden entmutigen zu wollen oder mich auf die Seite der Internetsperren zu...

citoyen 20. Mai 2009

In der Tat, sehr aufschlussreich. Der Vorwurf, das Internet sei ein rechtsfreier Raum...

Bibabuzzelmann 19. Mai 2009

Lest euch das mal durch, dann hab ihr noch mehr Grund zu Meckern :) http://www...

redwolf_ 19. Mai 2009

Voltaire: "Ich missbillige Ihre Meinung, aber ich werde dafür kämpfen, dass Sie sie...

Kommentieren


Petes Fachinformatrix / 19. Mai 2009

Fundierte Argumente

Die Welt, wie ich sie sehe / 18. Mai 2009

Die neuesten Entwicklungen in der Zensurdebatte



Anzeige
  1. Java / J2EE Softwareentwickler (m/w)
    Commerz Finanz GmbH, München
  2. Senior Web Developer (m/w)
    ckc ag, Braunschweig, Berlin
  3. Junior Test Engineer (m/w)
    NDS GmbH, Unterföhring
  4. Projekt- / Softwareingenieur (m/w) Manufacturing Execution Systems (MES)
    Brückner Servtec, Siegsdorf

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. Desktop-Roadmap

    Mozilla hat mit Firefox 2012 viel vor

  2. Paypal

    Nutzern von Kino.to drohen Strafverfahren

  3. Spielebranche

    Diskussion über "stinkende Gamer"

  4. Gerüchte

    Apple will alle Notebooks dünner machen

  5. Tilt-Shift-Effekt

    Generator für Spielzeuglandschaften


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 270 | letzter Beitrag 13.02. 23:28

  2. Kommentare: 184 | letzter Beitrag 13.02. 22:34

  3. Kommentare: 178 | letzter Beitrag 13.02. 22:01

  4. Kommentare: 116 | letzter Beitrag 13.02. 18:47

  5. Kommentare: 96 | letzter Beitrag 13.02. 16:40

Mehr


  1. Jugendschutz

    Filtersoftware von Jusprog und Telekom staatlich anerkannt

  2. Gema-Vermerk

    Youtube sperrt irrtümlich Acta-Video von Bruno Kramm

  3. Deutsche Post

    Zusatzfunktionen beim E-Postbrief dauern länger

  4. Gnome

    Neue Spezifikation für Fensterlayout

  5. Samsung Galaxy Tab 2

    7-Zoll-Tablet mit Android 4.0 und Glonass-Unterstützung

  6. IBM-Mainframe

    Nasa schaltet letzten Großrechner ab

  7. Appmenu Runner

    Head-Up Display auch in KDE

  8. Galaxy S2 mit Android 2.3.6

    Update wegen Abstürzen zurückgezogen?

  9. Fair Labor Association

    Apple lässt Foxconn überprüfen

  10. 802.11ac

    Broadcom will Chips für Gigabit-WLAN noch 2012 liefern



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


WOA: Windows 8 für ARM im Detail
WOA
Windows 8 für ARM im Detail

Mit Windows on ARM (WOA) will Microsoft ein neues System mit einer ganz neuen Art von PCs etablieren. Damit Windows 8 auf ARM performant läuft und lange Akkulaufzeiten ermöglicht, musste Microsoft einige Kompromisse machen.

  1. Windows 8 auf ARM Microsoft zeigt Office 15

Test X-Plane 10: Flugsimulator mit Openstreetmap und vielen Rechnern
Test X-Plane 10
Flugsimulator mit Openstreetmap und vielen Rechnern

Ernsthafte Flugsimulationen gibt es kaum noch. Eine der letzten verbliebenen ist X-Plane 10 für Windows, Mac OS X und Linux. Golem.de hat sich ins virtuelle Cockpit gesetzt und den Flugsimulator mit mehreren Rechnern und iPads als Instrumente gespielt.


Bing, Blekko, Duck Duck Go: Googeln ohne Google?
Bing, Blekko, Duck Duck Go
Googeln ohne Google?

Die überarbeitete Version der Google-Suche "Search, plus Your World" hat heftige Debatten ausgelöst. Vor allem der Datenschutz steht mal wieder im Vordergrund der Kritik. "Geht es eigentlich auch ohne Google?", fragen sich daher viele Nutzer. Der Blogger Marcel Weiß hat es 18 Monate lang getestet.

  1. "Focus on the User" Facebook und Twitter zeigen Google, wie soziale Suche geht
  2. Neuer Algorithmus Google straft Seiten mit zu viel Werbung ab
  3. Theseus-Projekt Quote soll die erste Zitate-Suchmaschine Deutschlands werden

Zum Artikel