Internetsperren: Fünf Provider unterschreiben freiwillig

Anzeige

300 bei Protesten gegen ein drohendes Zensurnetzwerk

300 Menschen waren dem Aufruf des Chaos Computer Club zu Protesten gegen die Internetsperren gefolgt. Die Demonstranten stellten sich zu morgendlicher Stunde vor dem Presse- und Besucherzentrum der Bundesregierung mit ihren Plakaten auf. "Uschi, mach keinen Scheiß", wurde gerufen.

Einig waren sich die Teilnehmer in der klaren Ablehnung der Verbreitung von Kinderpornografie. Die Sperren halten sie jedoch dafür für ungeeignet und befürchten die Vorbereitung einer staatlichen Zensurinfrastruktur. "Wegsehen hilft nicht. Internetsperren sind reine Symbolpolitik. Die Bundesregierung soll erreichen, dass Kinderpornografie tatsächlich von den Servern im Ausland verschwindet", sagte ein Demonstrant Golem.de. "Die Staaten, in denen die Bilder gehostet sind, müssen unter Druck gesetzt werden. Mit geheimen Sperrlisten geht das gar nicht."

Mit der Technik, die hinter den Zugangssperren steht, lasse sich "alles zensieren", so ein weiterer Teilnehmer. Es bestünde große Gefahr, dass Unschuldige auf die Sperrlisten geraten könnten. "Ich habe Angst, von meinem Blog auf irgendetwas zu verlinken", so eine Demonstrantin von der Piratenpartei Deutschland.

Eine Gruppe, die mit Masken aus dem Film "V wie Vendetta" von James McTeigue angereist war, fürchtet ebenfalls staatliche Zensur durch die Sperren. Die Kinderorganisation Carechild habe dagegen bewiesen, dass Aufforderungen an Webhoster, kinderpornografisches Material zu löschen, sehr wirksam seien, erklärten sie.

Christian Bahls von MOGIS (Missbrauchsopfer kämpfen gegen Netzsperren) kritisiert in einem Interview mit Zeit Online, dass zwischen den Staaten nur die Sperrlisten für Filter ausgetauscht würden. "Statt nur Listen auszutauschen, könnte man doch mit vereinten Kräften daran arbeiten, diese Inhalte dauerhaft aus dem Netz zu entfernen", so Bahls. Der Kampf gegen Server mit Kinderpornografie im eigenen Land würde zudem unzureichend geführt: Wenn die zu 1.500 Adressen gehörenden Server in den USA, den Niederlanden, Kanada und Deutschland dichtgemacht würden, "wären 90 Prozent der weltweit mit einem Browser erreichbaren Kinderpornografie nicht mehr verfügbar". Er habe dem Büro der Bundesfamilienministerin im März 2009 einen Server in Kiel genannt, auf dem vermutlich 18 kinderpornografische Domains liegen. Bisher sei noch keine Reaktion erfolgt.

"Weil durch die Zugangserschwerung zu Kinderpornografie im Internet die Daten nicht entfernt und die Taten nicht aufgeklärt werden, ist diese Maßnahme allenfalls flankierend sinnvoll, als ultima ratio nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten, in internationaler Kooperation Zugriff auf die Daten und die Täter zu bekommen", kommentierte Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des Providerverbands Eco.

Allgemeine Rechtsgrundlage schaffen

Auch der IT-Branchenverband Bitkom hatte bei der öffentlichen Expertenbefragung des Unterausschusses Neue Medien des Bundestages im Februar 2009 noch gegen die Sperren votiert. So brachte Guido Brinkel vom Bitkom Befürchtungen zum Ausdruck, dass einmal errichtete Internetsperren auch "Begehrlichkeiten wecken könnten, diese gegen Urheberrechtsverstöße und Glücksspiel einzusetzen". Heute stellte sich der Bitkom öffentlich hinter den Leyen-Plan. "Zugangshürden sind ein wichtiger Teil der Maßnahmen gegen solche Verbrechen", sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. "Zwar können die Sperren mit etwas Geschick und krimineller Energie umgangen werden", so Scheer, aber "wir erschweren den Zugang, indem wir potenziellen Nutzern von Kinderpornografie ein Stoppschild zeigen."

Gleichzeitig forciert der Bitkom die Pläne des Bundeskabinetts, eine allgemeine Rechtsgrundlage für die Sperrung von Kinderpornografie zu schaffen. Die Branche brauche Rechtssicherheit. Der Bitkom sieht gute Chancen, dass das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden kann.
[von Achim Sawall und Jens Ihlenfeld]

  1. 1
  2. 2

Toaotc 13. Aug 2009

Genauso war der Tenor Anfang der 30er Jahre in Deutschland auch. Und hinterher will's...

Toaotc 13. Aug 2009

"Zwar können die Sperren mit etwas Geschick und krimineller Energie umgangen werden", so...

:D 30. Apr 2009

Allein schon auf dem Video sind mehr als 40 zu sehen, nur mal so am Rande ;). PS...

Passant 20. Apr 2009

Wie zum Teufel kommt ihr bloss auf angebliche 300 Demonstranten?!?! Ich habe knapp 40...

spanther 20. Apr 2009

Auja *g* Ein Trottelhaufen der sich selbst regiert und wir haben endlich unsere Ruhe...

Kommentieren


politik.zweiterklasse.de / 25. Jun 2009

Zensursula bestätigt, alternative DNS-Server sind strafbar

Thomas goes .NET / 18. Apr 2009

Ab Mittwoch wird zensiert

Netzsperren / 17. Apr 2009

Willkommen in China

provider-stoerung.de / 17. Apr 2009

Zensurverträge unterzeichnet - China rückt näher

Webmaster / Internet Blog / 17. Apr 2009

Ursula von der Leyen zieht Internet-Zensur durch



Anzeige
  1. Technical Consultant Mobile Anwendungen (m/w)
    BayWa AG, München
  2. Software-Entwickler (m/w)
    Brunel GmbH, Bremen
  3. Wissenschaftliche/r Mitarbeiterin / Mitarbeiter
    Universität Passau, Passau
  4. Senior Web Developer (m/w)
    ckc ag, Braunschweig, Berlin

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. Gema-Vermerk

    Youtube sperrt irrtümlich Acta-Video von Bruno Kramm

  2. IBM-Mainframe

    Nasa schaltet letzten Großrechner ab

  3. Desktop-Roadmap

    Mozilla hat mit Firefox 2012 viel vor

  4. Spielebranche

    Diskussion über "stinkende Gamer"

  5. Paypal

    Nutzern von Kino.to drohen Strafverfahren


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 270 | letzter Beitrag 13.02. 23:28

  2. Kommentare: 188 | letzter Beitrag 04:17 Uhr

  3. Kommentare: 178 | letzter Beitrag 13.02. 22:01

  4. Kommentare: 116 | letzter Beitrag 13.02. 18:47

  5. Kommentare: 96 | letzter Beitrag 13.02. 16:40

Mehr


  1. Jugendschutz

    Filtersoftware von Jusprog und Telekom staatlich anerkannt

  2. Gema-Vermerk

    Youtube sperrt irrtümlich Acta-Video von Bruno Kramm

  3. Deutsche Post

    Zusatzfunktionen beim E-Postbrief dauern länger

  4. Gnome

    Neue Spezifikation für Fensterlayout

  5. Samsung Galaxy Tab 2

    7-Zoll-Tablet mit Android 4.0 und Glonass-Unterstützung

  6. IBM-Mainframe

    Nasa schaltet letzten Großrechner ab

  7. Appmenu Runner

    Head-Up Display auch in KDE

  8. Galaxy S2 mit Android 2.3.6

    Update wegen Abstürzen zurückgezogen?

  9. Fair Labor Association

    Apple lässt Foxconn überprüfen

  10. 802.11ac

    Broadcom will Chips für Gigabit-WLAN noch 2012 liefern



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Nach Hackerangriff: Polizei-Webserver in Nordrhein-Westfalen seit 12 Tagen down
Nach Hackerangriff
Polizei-Webserver in Nordrhein-Westfalen seit 12 Tagen down

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen bekommt die Folgen eines schweren Hackerangriffs nicht in den Griff, der zuerst verheimlicht wurde. Seit zwölf Tagen sind die Webserver komplett abgeschaltet. Ein Ende der Offlinezeit ist nicht absehbar.

  1. Evilshadow Microsoft Store in Indien gehackt
  2. Windows und Office 21 Sicherheitslücken in Microsofts Software
  3. Accenture-Studie Fast 70 Prozent nutzen eigene Rechner am Arbeitsplatz

Club-Mate: Hack fürs Hirn
Club-Mate
Hack fürs Hirn

Es sprudelt, schäumt und schmeckt - nicht jedem. Macht nichts: Club-Mate ist Kult und aus der Hackerkultur nicht mehr wegzudenken. Wie es dazu kommen konnte, erzählt das Buch Hackerbrause.

  1. Retro-Gnome Cinnamon 1.2 stabilisiert API und Desktop
  2. Linux Mint Cinnamon wird wohl Standarddesktop
  3. 28C3 Hacker hinter feindlichen Linien

Paypal-Konkurrent: Dwolla will seine Dienste weltweit anbieten
Paypal-Konkurrent
Dwolla will seine Dienste weltweit anbieten

Dwolla will seine Zahlungsabwicklungen künftig nicht nur auf die USA beschränken. Das Startup, das mit Paypal, Visa und den Banken konkurriert, denkt über ein internationales Angebot nach, das Überweisungen egal in welcher Höhe für nur 25 US-Cent erlaubt.

  1. Paypal-Alternative Dwolla erhält 5 Millionen Dollar für "abgefahrenes Zeug"
  2. V.me Visa öffnet seinen Paypal-Konkurrenten für Entwickler

  1. Problem Sex und Gewalt, Lösung

    AnotherVoice | 04:26

  2. Re: Die Branche hat ganz andere Probleme...

    amp amp nico | 04:20

  3. Apples neues MacBook ist ein teures Eee Pad...

    Der Kaiser! | 04:17

  4. Re: Was ich bei den geplanten Neuerungen von FF...

    Der Kaiser! | 04:07

  5. Re: "Stinkende Gamer verursachen Shitstorm"

    Der Kaiser! | 03:54


  1. 19:07

  2. 18:55

  3. 18:06

  4. 17:53

  5. 17:26

  6. 16:49

  7. 16:25

  8. 16:20


Zum Artikel