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Wie E-Books Autoren stärken und Verlage schwächen

Joscha Bach über die Chancen der Digitalisierung

Mit E-Books und ihren mobilen Lesegeräten werden neue Geschäftsmodelle entstehen, die schlecht für Verlage, aber gut für Autoren sind. Diese These vertritt Joscha Bach, der beim E-Book-Reader-Entwickler txtr arbeitet.

"Bei den E-Books sind wir noch in einer frühen Phase der Entwicklung", sagt Joscha Bach. "In Zukunft werden E-Books biegsame Displays haben und sie werden immer online sein. Man wird sich über sie austauschen können, Animationen abspielen und GPS einbauen können."

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Bach ist Kommunikationswissenschaftler und für Visionen zuständig - beim Berliner Unternehmen txtr, das den gleichnamigen E-Book-Reader entwickelt. Und er denkt darüber nach, welche neuen Geschäftsmodelle im Zeitalter der E-Books entstehen können.

Denn elektronische Bücher und mobile E-Book-Reader bescheren Verlagen und Buchhandel eine Krise, wie sie die Musikindustrie seit einigen Jahren erlebt. Denn die Digitalisierung verändert nicht nur die Herstellung - jeder kann zum Autor werden und seine Werke selbst verbreiten - , sondern es macht ganze Branchen obsolet oder zwingt sie zum Wandel.

Bach ist kein Radikaler. Weder das gedruckte Buch noch die Verlage werden seiner Auffassung nach wegen des E-Books ganz verschwinden. Aber Verlage und Buchhandel werden mit zunehmender Popularität von E-Books sicher dramatisch an Bedeutung verlieren.

Die Antwort der Verlage: Kopierschutz

Die Branche wehrt sich dagegen, so Bach, indem sie die traditionellen Geschäftsmodelle verteidigt. Ihre Antwort auf die Digitalisierung heißt Kopierschutz (DRM) oder "trusted authority". Methoden, um zu verhindern, was nicht zu verhindern ist: nämlich dass digitale Bücher ohne weiteres kostenlos vervielfältigt und weitergegeben werden können - und kein Verlag daran verdient.

Im Bedeutungsverlust der Verlage sieht Bach aber eine große Chance für die Autoren. "Schon jetzt ist es für unbekannte Autoren sinnvoll, raubkopiert zu werden", erklärt Bach unter Berufung auf Cory Doctorow. Schließlich haben sie durch diese Art der Verbreitung eine Chance, bekanntzuwerden. "Unbekannte Autoren haben durch E-Book-Reader nichts zu verlieren, treffen könnte es höchstens einige wenige Bestsellerautoren." Alle anderen könnten am Verkauf eines E-Books sogar mehr verdienen, als das heute mit einem gedruckten Buch der Fall ist. Wenn die Margen für Verlag und Buchhandel wegfallen, könne ein Autor an einem E-Book, das zwei Euro kostet, durchaus 1,80 Euro verdienen.

Wasserzeichen

Damit der Autor diese 1,80 Euro aber nicht nur einmalig verdient, schlägt Bach als möglichen Kompromiss ein digitales Wasserzeichen vor. Zum Beispiel könne ein Onlineshop das Wasserzeichen, das Besitz anzeigt, vergeben. Damit wäre das digitale Buch problemlos ausleihbar. "Das Wasserzeichen aber hält vom Hochladen auf Tauschbörsen ab, weil es zu viel Aufwand wäre, es zu entfernen." E-Books mit Wasserzeichen könnten in Tauschbörsen dann auch ganz gesperrt werden.

Nötig für den Einsatz solcher Mittel wäre eine gesellschaftliche Übereinkunft im Sinne des "fair use", wobei die Interessen der Nutzer oder der Öffentlichkeit und die des Autors gegeneinander abgewogen werden. "Zu klären wäre da etwa noch die Frage des Weiterverkaufs. Was verkaufe ich? Mein Nutzungsrecht an dem Buch - das ich aber theoretisch in Kopie weiter nutzen kann?", fragt Bach. Antworten darauf müssten noch gesucht werden. "Eine perfekte Lösung ist nicht nötig, nur eine besser funktionierende als die traditionelle."

In der derzeitigen Experimentierphase, so Bach, können noch weitere Modelle entstehen, die am Ende den Autoren zugute kommen. Denkbar sei zum Beispiel, dass Nutzer für das Lesen eines Blogs auf einem E-Book-Reader dem Autor eine Abonnementgebühr zahlen. Durch die Lektüre auf dem Lesegerät können Nutzer so einen konkreten Blogger unmittelbar unterstützen.

Ein ähnliches Modell zitiert Bach aus Japan. Dort sei aus dem Bedürfnis nach Unterhaltung auf langen Fahrten zur Arbeit in öffentlichen Verkehrsmitteln eine neue Form des Fortsetzungsromans entstanden, der sich auf Mobiltelefonen lesen lässt. Diese Romane entstünden im Internet - auch mit Beteiligung der Leser. Sie könnten dann abschnittsweise gegen eine Abogebühr auf das Endgerät geladen werden. Ein Autor könne von 2.000 Lesern schon leben, von 5.000 werde er reich. So entstehen nicht nur neue Geschäftsmodelle, sondern auch neue künstlerische Formate.


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Politiker 08. Apr 2009

wieviel euro sollens sein?

Politiker 08. Apr 2009

nein hier ist es gut eierbrater

redwolf 06. Apr 2009

- Es fehlt die Haptik eines Buches Ja, und? Immerhin musst du dich im liegen nicht immer...

redwolf 06. Apr 2009

Warum nicht, gehört beides in die selbe Tonne. Sondermüll ;P

Blair 06. Apr 2009

die haben von anfang an auch von wasserzeichen gesprochen.


Lifestyle & Medien Blog | BLOKSTER.DE / 07. Apr 2009

Verlage und Buchhandel wegen eBooks in der Krise?

Bibliothekarisch.de / 04. Apr 2009



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