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Nicht auf die Tools kommt es an, sondern auf die IdeeDie digitale Obama-Wahlkämpferin Mary C. Joyce im Gespräch
Eigentlich ist die US-Amerikanerin Mary C. Joyce digitale Aktivistin. Sie ist Gründerin von Digiactive.com, einer Seite, die Menschen weltweit dabei behilflich ist, politische Aktionen via Internet zu organisieren. Doch im vergangenen Jahr hat sie für einige Monate US-Wahlkampf gemacht. Als New Media Operation Manager in der Wahlkampfzentrale von Barack Obama war sie zuständig fürs Digitale.
Hat Obama sich das Wissen junger Aktivisten gezielt zunutze gemacht? "Ich habe von den Wahlkämpfern viel mehr über digitale Aktionen gelernt als sie von mir", sagt Joyce bescheiden. Gelernt hat sie vor allem eins: "Das Wichtigste sind nicht die Tools, das Wichtigste ist die Strategie." Ein möglicherweise hilfreicher Hinweis für deutsche Politiker, die seit Obamas Sieg überlegen, wozu Onlineauftritte, Blogs und Twitter gut sein könnten. Offenbar muss man diese Werkzeuge nutzen, um Erfolg zu haben. Aber lässt sich der Obama-Erfolg wiederholen? "Viele digitale Aktivisten sind Technikfanatiker", sagt Joyce. "Sie wissen über Blogs, Videos und Twitter Bescheid. Sie glauben, dass sie politisch etwas verändern können, wenn sie diese Tools nutzen." Der Obama-Wahlkampf aber sei die ausgefeilteste digitale Kampagne gewesen, die es je gegeben hat. Es war klar definiert, welches Publikum angesprochen werden sollte - die Jungen. Und es war klar, welches Ziel es zu erreichen galt - den Wahlsieg. Erst dann wurde überlegt, welche Werkzeuge zu diesem Zweck eingesetzt wurden. Mitmachcharakter "Anders als bei früheren Wahlkämpfen hat Obama die Leute nicht nur dazu aufgerufen, wählen zu gehen, sondern auch dazu, sich zu beteiligen. Sie sollten selbst zum Wandel beitragen." So konnte jeder, der wollte, beim sozialen Netzwerk Mybarackobama bloggen, Gruppen bilden, Veranstaltungen organisieren. "Das war ganz typisch für den Mitmachcharakter des Obama-Wahlkampfs." Und in den USA waren dank der guten Internetanbindung Menschen in ländlichen Gegenden so ebenso erreichbar wie in den großen Städten - entscheidend bei der Mobilisierung eines großen Landes. Eine klare Strategie und perfekte Organisation. Aber dass die Menschen sich auch beteiligen wollten, hatte laut Joyce seinen Grund jenseits des Internets. "Das lag zum großen Teil daran, dass Obama selbst so inspirierend war. Als er die Menschen aufgefordert hat mitzumachen, haben sie einfach Ja gesagt. Das Internet war nur noch ein Mittel, tatsächlich etwas zu tun." Der Mut, Macht zu teilen Dieser entscheidende Faktor lässt sich wohl kaum kopieren. Und schließlich hatte Obama auch den Mut, betont Joyce, einen Teil der Kontrolle über den Wahlkampf abzugeben. Weil die Nutzer eigene Inhalte erstellten, bekamen sie Macht. Und genau das machte den Wahlkampf so populär. "Die Menschen können sehr gut unterscheiden, ob man nur ihre Stimme und ihr Geld will, oder ob sie aktiv mitmachen dürfen. Die zweite Variante ist viel inspirierender. Und das könnte auch anderswo funktionieren", überlegt Joyce. Sie selbst nimmt ihre Erfahrungen mit, um auf Augenhöhe mit digitalen Aktivisten in aller Welt dafür zu sorgen, dass Kampagnen jenseits der großen Politik erfolgreich sind - zum Beispiel zur Befreiung inhaftierter Blogger. "Es reizt mich nicht, an der US-Regierung beteiligt zu sein. Mich interessieren digitale Aktionen im internationalen Kontext." (md)
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