Kabinett beschließt Eckpunktepapier zu Internetsperren (Up.)

Bitkom jetzt mit Plan für Internetsperren einverstanden

Das Bundeskabinett hat ein Eckpunktepapier von Familienministerin Ursula von der Leyen zur Errichtung von Internetsperren verabschiedet. "Damit ist die nötige Voraussetzung geschaffen worden, um eine schnelle gesetzliche Lösung zum Schutz unserer Kinder zu erreichen", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Auch der Bitkom ist einverstanden.

Anzeige

Das Bundeskabinett hat am 25. März 2009 beschlossen, eine rechtliche Grundlage für die umstrittenen Internetsperrungen zu schaffen.

Alle deutschen Internet Service Provider sollen laut Eckpunktepapier verpflichtet werden, den Zugang zu Kinderpornoseiten im Ausland zu erschweren. Unklar bleiben die Aussagen zum Eingriff auf das grundgesetzlich gesicherte Fernmeldegeheimnis und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, was Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) angeführt hatte. Diese Einwände sollten "geprüft werden", heißt es in dem Eckpunktepapier. Die beste technische Lösung müsse erst noch gefunden werden. Von der Leyen erwartet nicht, dass noch vor der Bundestagswahl ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wird.

Der IT-Branchenverband Bitkom begrüßt den Erfolg von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen: "Das Eckpunktepapier des Kabinetts umfasst viele der Punkte, die wir in den letzten Wochen mit den Ministerien besprochen haben", sagte Verbandschef August-Wilhelm Scheer. "Damit bekommen die Provider eine rechtliche Grundlage, wenn sie die Sperrliste des Bundeskriminalamts umsetzen. Haftungsrisiken müssen darin ausgeschlossen werden." Die Branche brauche Rechtssicherheit.

Auch wenn sich die Sperren umgehen ließen, lohne sich die Initiative, sagte Scheer. Er schlug aber gleichzeitig vor, den Effekt der Maßnahmen nach zwei Jahren zu untersuchen. Über die Wirkung der Sperren fehlten auch international Erkenntnisse. "Wir müssen genau analysieren, inwieweit die Sperren den Markt austrocknen und die Opfer schützen. Bei Bedarf ist nachzusteuern, um das Problem an der Wurzel zu packen."

Von der Leyen hatte jeden Widerstand gegen die umstrittenen Pläne im Vorfeld scharf kritisiert. "Die meisten Anbieter sind kooperativ. Wer ihrem Plan widerspreche, wolle "weiterhin uneingeschränkt die Vergewaltigung von Kindern zeigen lassen", so die Ministerin wörtlich.

Der Bitkom hatte bei der öffentlichen Expertenbefragung des Unterausschusses Neue Medien des Bundestages im Februar 2009 noch andere Töne angeschlagen. So brachte Guido Brinkel vom Bitkom Befürchtungen zum Ausdruck, dass einmal errichtete Internetsperren auch "Begehrlichkeiten wecken könnten, diese gegen Urheberrechtsverstöße und Glücksspiel einzusetzen".

Wer Kinderpornografie bekämpfen wolle, müsse effektiv gegen die Produzenten vorgehen. Das habe die Bundesregierung seit Jahren versäumt, kommentierte Jörn Wunderlich, familienpolitischer Sprecher der Linken, das Eckpunktepapier. "Die meisten Experten halten die vorgeschlagenen Maßnahmen für wirkungslos. Sie sind selbst für technische Laien leicht zu umgehen." Ein derart nutzloses Instrument werde aber schon bald zu weiteren Debatten über schärfere Maßnahmen zur Internetüberwachung führen. Statt Kinderpornografie wirksam zu bekämpfen, werde das Gesetz als Einfallstor für die nationale Zensur des Internets dienen, sagte Wunderlich.

Nachtrag vom 25. März 2009, um 15:05 Uhr

Von der Leyen sagte dem Sender MDR, Mitte April 2009 würden die Telekom, Vodafone, O2, Kabel Deutschland und Hansenet mit der Bundesregierung die Sperrverträge abschließen. Danach würden die Internet Provider drei bis sechs Monate benötigen, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen.


kloposten 26. Mär 2009

"Auch wenn sich die Sperren umgehen ließen, lohne sich die Initiative, sagte Scheer...

P. T. 26. Mär 2009

Es war als Alternative auf die Nichtwahl gedacht. Eine Regierung, die die Möglichkeit...

P. B. 26. Mär 2009

http://www.heise.de/newsticker/Internetwirtschaft-Sperrung-von-Kinderporno-Seiten...

Abseus 26. Mär 2009

...sich das " http://www.carechild.de/component/option,com_docman/Itemid,0/task...

fdds 26. Mär 2009

was muss man eigentlich für Pillen nehmen um auf solche abartigen Vergleiche zu kommen...

Kommentieren


Netzsperren / 25. Mär 2009

Heiße Phase bei Netzsperren



Anzeige
  1. IT Operations Analyst (m/w)
    Siemens AG, München
  2. Applikations-Ingenieure (m/w) Strömungssimulation (CFD)
    CD-adapco, Nürnberg
  3. Software-Entwickler für mobile Systeme mit Kartenanbindung (m/w)
    Giesecke & Devrient, München
  4. IT-Projektmanager (m/w)
    corporate quality consulting GmbH, Wien und DACH-Region (Reisebereitschaft)

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. Premiumnutzer

    Nutzern von Kino.to drohen Strafverfahren

  2. Gerüchte

    Apple will alle Notebooks dünner machen

  3. Acta-Demos

    Zehntausende gegen "bekACTA Scheiß" in München und Berlin

  4. Tilt-Shift-Effekt

    Generator für Spielzeuglandschaften

  5. Lumia-Smartphones

    Nokias Offensive auch in Deutschland gescheitert


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 219 | letzter Beitrag 11:31 Uhr

  2. Kommentare: 204 | letzter Beitrag 12:05 Uhr

  3. Kommentare: 111 | letzter Beitrag 11:51 Uhr

  4. Kommentare: 100 | letzter Beitrag 12.02. 10:35

  5. Kommentare: 98 | letzter Beitrag 12:05 Uhr

Mehr


  1. Desktop-Roadmap

    Mozilla hat mit Firefox 2012 viel vor

  2. Pharmafakt

    Millionen Arztrezeptdaten offenbar illegal gehandelt

  3. Spielebranche

    Diskussion über "stinkende Gamer"

  4. Cloud Mobile

    Acer plant Smartphone mit Android 4.1 und eigener Cloud

  5. Biometrie

    Herzige Verschlüsselung

  6. Spielebranche

    Gaming-Standort Bayern sucht den Reset-Knopf

  7. Google@home

    Google baut Hardwaretestcenter für Unterhaltungselektronik

  8. Objektive

    So geht es weiter mit Sonys NEX-System

  9. Gerüchte

    Apple will alle Notebooks dünner machen

  10. Tilt-Shift-Effekt

    Generator für Spielzeuglandschaften



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Joseph Weizenbaum: Inseln der Vernunft im Meer des Unsinns
Joseph Weizenbaum
Inseln der Vernunft im Meer des Unsinns

In der globalisierten Welt müssten Wissenschaft und Wirtschaft enorme Verantwortung übernehmen, sagte der Informatiker Joseph Weizenbaum. Enden könne das im totalen Kollaps - wenn sich nicht aus den Inseln der Vernunft "in einem riesigen Meer von Unsinn und Blödsinn" irgendwann ein Kontinent bilde.


Acta: Deutschland setzt Unterzeichnung von Acta aus
Acta
Deutschland setzt Unterzeichnung von Acta aus

Das Auswärtige Amt hat seine Zustimmung zu Acta vorerst zurückgezogen. Der Providerverband Eco fürchtet, dass seine Branche durch Acta in die Rolle des "Hilfssheriffs bei der Verfolgung von Rechtsverletzungen" gedrängt würde.

  1. Acta im EU-Parlament Druck aus dem Netz und aus Berlin
  2. Acta Lettland setzt Ratifizierung von Handelsabkommen aus
  3. Acta Piratenpartei ruft zu Protesten in 50 deutschen Städten auf

Windows 8 auf ARM: Microsoft zeigt Office 15
Windows 8 auf ARM
Microsoft zeigt Office 15

Wenige Details, aber erste Bilder von Office 15 hat Microsoft im Rahmen seiner Vorstellung von Windows on ARM (WOA) gezeigt. Das neue Office-Paket erhält eine neue Oberfläche, die auf Touchbedienung optimiert ist.

  1. Stellenanzeige HTML5 und Javascript in Microsoft Office 15

Zum Artikel