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"Schweinefirma"-Affäre: BIU warnt vor GlaubenskriegBranchenverband BIU fordert Rückkehr zu sachlicher Debatte
Olaf Wolters: Die Aussage "Schweinefirma Electronic Arts" zeigt, wie emotional die Debatte um gewalthaltige Computer- und Videospiele geführt wird. Als Branchenverband bedauern wir, dass eine sachliche Auseinandersetzung nicht mehr möglich erscheint und insbesondere die Gegner von interaktiver Unterhaltung an einem offenen Dialog nicht interessiert zu sein scheinen. Golem.de: War der BIU bei der Veranstaltung in München involviert? Wolters: Nein, leider nicht. Laut Einladung richtete sich die Veranstaltung auch nicht an die Industrie. Offensichtlich war man an einer differenzierten Auseinandersetzung nicht interessiert. Dabei sind wir grundsätzlich an einem Dialog interessiert und wollen über etwaige Risiken, die sich aus Computer- und Videospielen ergeben können, offen diskutieren. Es wäre allerdings wünschenswert, die Diskussion um gewalthaltige Computer- und Videospiele auf einer sachlichen Ebene zu führen und nicht im Stile eines Glaubenskrieges. Golem.de: Wie schätzen Sie die Bedeutung der Veranstaltung in München ein? Wolters: Die Bedeutung dürfte aus wissenschaftlicher Sicht im Vergleich zu den Veranstaltungen des Digarec in Potsdam oder dem "Clash of Realities"-Kongress in Köln als eher gering einzuschätzen sein. Es wurden praktisch keine renommierten Wissenschaftler eingeladen, die sich in der Vergangenheit durch eine eher differenzierte Auseinandersetzung empfohlen hätten. Es ist schon erstaunlich, dass die LMU München als Exzellenz-Universität Veranstaltungen von solch einem dürftigen wissenschaftlichen Format anbietet. Für mich ist dies ein Beleg dafür, dass die Gegner von interaktiven Unterhaltungsinhalten wissenschaftliche Argumente nur vorschieben und längst zur Polemisierung übergegangen sind. Herr Prof. Dr. Pfeiffer vom KFN hatte auf seiner Homepage beispielsweise eine Laienpredigt gegen Computer- und Videospiele veröffentlicht. Das erinnert mich an einen Fernsehprediger amerikanischer Machart. Golem.de: Erwarten Sie, dass die bayerische Ankündigung eines neuen Jugendschutz-Vorstoßes erfolgreich sein wird? Wolters: Wir sehen diese Äußerungen sehr gelassen. Hier versuchen sich wieder diejenigen zu profilieren, die auf Bundesebene keinerlei Gehör mehr finden. Es geht ja auch nicht mehr um Jugendschutz, sondern um grundsätzliche Opposition. Wenn man allerdings die Pressemitteilung des alten und neuen bayerischen Innenministers Herrmann liest, sträuben sich einem schon die Haare. Ganz offensichtlich hat Herr Herrmann immer noch keine Lehren aus dem bayerischen Landtagswahlkampf gezogen, wo er mit seinen Verbotsthesen selbst innerhalb der Landesregierung und der Landtagsfraktion keine Unterstützer mehr gefunden hat. Wir werden Herrn Herrmann im Frühjahr in München zur Verleihung des Deutschen Computerspielpreises einladen. Bei der Gelegenheit werden wir ihm nochmal erklären, dass gewaltverherrlichende Computer- und Videospiele in Deutschland schon lange verboten sind und seine Forderungen deshalb ins Leere gehen müssen. (ps)
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