Seagate-CEO: "Niemand verdient an SSDs etwas"

Wachstum soll vor allem aus externen Consumer-Festplatten kommen

Der weltgrößte Anbieter von Festplatten, Seagate, sieht noch keinen echten Markt für Solid-State-Discs. CEO Bill Watkins bekräftigte das vor Journalisten in München. Derzeit, so Watkins, verdiene kein Hersteller von SSDs mit den Produkten Geld. Die Übernahmeschlachten, unter anderem zwischen Samsung und Sandisk, hätten ganz andere Gründe.

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Durch zahlreiche Übernahmen ist Seagate zum unangefochtenen Marktführer bei Festplatten geworden. In seinem Geschäftsjahr 2008 verkaufte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge 183 Millionen Laufwerke und erzielte damit einen Umsatz von 12,7 Milliarden US-Dollar. Mitte 2008 hatte das Unternehmen jedoch durch verpatzte Produktstarts einen Gewinneinbruch um 70 Prozent hinzunehmen.

Bill Watkins in München
Bill Watkins in München
Wie CEO Bill Watkins in München erklärte, liegt das jedoch nicht an verpassten Chancen bei den derzeit viel diskutierten SSD-Laufwerken: "Das ist derzeit ein völlig überzogener Hype". Laut Watkins sind SSDs aufgrund des schlechten Verhältnisses von Preis und Kapazität auch für Notebooks noch keine echte Alternative, obwohl immer mehr Geräte damit angeboten werden. Das habe jedoch vor allem Maketinggründe: "Schauen Sie sich Samsung, Intel und SanDisk an: Niemand verdient an den SSDs etwas", meinte Watkins.

Selbst Intels mit 250 MByte pro Sekunde im Lesen sehr schnelle professionelle SSDs sieht der Seagate-CEO nicht als Bedrohung. Zwar wolle sein Unternehmen 2009 selbst Enterprise-SSDs anbieten, aber zusätzlich habe Seagate noch andere Lösungen in petto. Bei einem dieser Konzepte werden acht 200-GByte-Festplatten mit 15.000 Umdrehungen pro Minute in einem RAID zusammengefasst. Von jedem der Laufwerke werden aber nur 20 GByte genutzt, sodass sich 160 GByte wie bei noch bezahlbaren SSDs ergeben. Die 20 GByte pro Platte liegen in den schnellen Außenbereichen des Laufwerks, bei magnetischen Festplatten fällt die Geschwindigkeit am Ende der Kapazität stets ab, SSDs sind in der Regel in jedem Bereich gleich schnell.

Das für 2009 geplante System soll rund 2.000 US-Dollar kosten und gegenüber 160-GByte-SSDs mit über 200 MByte pro Sekunde genauso schnell schreiben wie lesen können. Intels Server-SSDs X25-E Extreme erreichen laut Herstellerangabe 170 MByte pro Sekunde beim Schreiben. "Solange ich für einen ähnlichen Preis eine Lösung anbieten kann, die auch funktioniert, gewinne ich damit jede Ausschreibung", sagte Bill Watkins.

Dass im Markt der Flash-Speicher gerade Übernahmen geplant werden, wie die lange Schlacht zwischen Samsung und SanDisk, liegt Watkins zufolge nicht am Kampf um Marktanteile: "Samsung zahlt an SanDisk 350 bis 400 Millionen US-Dollar pro Jahr für Flash-Patente", behauptete der Seagate-CEO. Die wollte Samsung einsparen, und obwohl Samsung sein Angebot für SanDisk zurückgezogen hat, ist sich Watkins in Bezug auf Samsung sicher: "Die sind mit denen noch nicht fertig". Seagate selbst investiere dennoch rund 100 Millionen US-Dollar pro Jahr in die Entwickung von Flash-Speichern, erklärte Bill Watkins.

Seagates Wachstums-Prognose
Seagates Wachstums-Prognose
Für Seagate soll das seit 2004 enorme Wachstum in den nächsten Jahren vor allem aus Produkten für Endanwender kommen. Watkins benutzte dafür den Begriff der "digitalen Schuhschachtel" - statt Papierfotos im Schuhkarton müssten viele Anwender ihre Digitalbilder auf externen Festplatten und NAS-Geräten speichern. Laut Erhebungen von Seagate besitzen in den USA 91 Prozent aller Haushalte einen PC, 85 Prozent eine Digitalkamera, aber nur 17 Prozent eine externe Speicherlösung.

Bill Watkins sieht hier eine Marktchance von 1,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Nachdem Seagate seit der Gründung im Jahr 1979 bis zum April 2008 insgesamt eine Milliarde Laufwerke verkaufen konnte, soll der nächste Schritt schneller gehen: "Für die nächste Milliarde werden wir nur vier Jahre brauchen", gab sich der Seagate-CEO zuversichtlich.


schamör 07. Nov 2008

Auf jeden Fall. Die Zukunft: Nicht alles ist gut aber vieles ist schlechter. Immerhin...

w_ing 07. Nov 2008

klingt logisch - bleibt aber auf jeden Fall die Frage nach der Wertigkeit/Gewichtung bzw...

Auftragsannahme 07. Nov 2008

wird erledigt

KalleWirsch 07. Nov 2008

darüber, dass das Zeitalter der Digitalisierung wenig Raum für Haptik, für Nostalgie und...

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