EFF: Kampf der Musikindustrie ist gescheitert

Bürgerrechtler fordern Kulturflatrate statt willkürliche Klagen gegen Filesharer

Die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) geht hart mit der US-Musikindustrie ins Gericht. Ihr Kampf gegen den illegalen Tausch von urheberrechtlich geschützter Musik über das Internet sei nach fünf Jahren gescheitert. Laut EFF werden mehr Dateien denn je getauscht, drohende Klagen hätten nicht mehr Achtung vor dem Urheberrechtsgesetz geweckt.

Anzeige

Vor fünf Jahren hat der Verband der US-Musikindustrie, die Recording Industry Association of America (RIAA), Tauschbörsennutzern den juristischen Kampf angesagt. Seither hat der Verband etwa 30.000 US-Bürger vor Gericht gebracht - darunter auch Kinder, Großeltern, alleinerziehende Mütter oder Universitätsprofessoren.

Dabei störe es die RIAA auch nicht, wenn sie auf Widerstand stoße, schreibt die Electronic Fontier Foundation (EFF) in dem Bericht "RIAA v. The People: Five Years Later" (deutsch: RIAA gegen das Volk: Fünf Jahre später). So verklage der Verband immer wieder Nutzer, weil sie Musikstücke in einem freigegeben Ordner speicherten und damit theoretisch zugänglich machten, auch wenn diese niemals getauscht worden seien. Richter haben diese Begründung jedoch schon des Öfteren zurückgewiesen. Das Verfahren gegen Jammie Thomas, die wegen des Vorwurfs des Zugänglichmachens zu der Rekordstrafe von 220.000 US-Dollar verurteilt worden war, wird jetzt sogar neu aufgerollt.

Erreicht habe die Industrie mit ihre Klagen jedoch nicht viel. Studien legten nahe, dass der illegale Tausch von Daten über das Internet trotz drohender rechtlicher Konsequenzen in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen habe, so die EFF: 95 Prozent der aus dem Internet heruntergeladenen Musikstücke in den USA stammen nicht aus legalen Quellen. Verglichen damit seien Angebote wie iTunes nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Viele Filesharer entzögen sich der Verfolgung durch die Industrie, indem sie auf verschlüsselte Tauschverfahren auswichen oder einfach ihren Freunden CDs brennen. Es sei der RIAA nicht gelungen, die Nutzer davon zu überzeugen, dass Dateitausch das Gleiche ist wie Ladendiebstahl, resümiert die EFF.

Diejenigen, in deren Namen der Feldzug geführt wird, haben nicht einmal etwas davon, denn es sei kein "Penny in den Taschen der Musiker gelandet". Für die EFF lässt das nur den Schluss zu, die Kampagne habe ihre Glaubwürdigkeit verloren. "Haben die Verfahren etwas bewirkt? Hat das willkürliche Auswählen von rund 30.000 beliebigen Familien zu mehr Achtung der Öffentlichkeit für das Urheberrechtsgesetz geführt? Haben die Verfahren den P2P-Geist wieder in die Flasche gebannt oder der Plattenindustrie wieder Einkünfte wie im Jahr 1997 beschert? Nach fünf Jahren Drohungen und Prozessen ist die Antwort ein schallendes Nein", lautet das Verdikt der Organisation.

Statt die Nutzer weiter zu verfolgen, schlägt die EFF ein anderes Vergütungsmodell vor: die Einführung einer Filesharing-Flatrate. Gegen die Zahlung eines monatlichen Beitrags sollten die Fans das tun dürfen, "was sie ohnehin schon tun - nämlich die Musik, die sie mögen, mit anderen teilen, mit der Software und auf der Plattform ihrer Wahl -, ohne Angst vor einem Verfahren haben zu müssen." Das Geld soll dann unter den Rechteinhabern entsprechend ihrer Popularität aufgeteilt werden.

Würden die rund 60 Millionen Amerikaner, die Dateien über das Netz tauschen, jeden Monat zwischen 5 und 10 US-Dollar zahlen, kämen schnell 3 Milliarden US-Dollar für die Musikindustrie zusammen, rechnet die EFF vor. Derzeit verdient die zwar noch dreimal so viel. Doch ließe sich über eine Flatrate auch eine Menge sparen: Die Kosten für die Herstellung und den Vertrieb von CDs fielen ebenso weg wie die Gewinnspanne des Handels. "Und das Beste daran ist, dass es ein dauerndes Einkommen ist - das Geld fließt in guten wie schlechten Zeiten, solange die Fans digitale Musik aus dem Internet wollen. Der Kuchen schrumpft nicht, er wächst mit dem Tausch von Musik über das Internet."


spanther 21. Jan 2009

Nö genau richtige Definition. Der Künstler bekommt jenachdem wieviele sich sein Lied...

MS-Admin 28. Nov 2008

im Prinzip das Gleiche was Du kritisierst, schon heute darstelen, Ich zahle auf mein...

Rose-Kleidchen 03. Nov 2008

Du bist nicht zufaellig mit Marty Feldman verwandt?? Nur so kann ich mir deine Possen...

BB 02. Nov 2008

Die Idee mit der Filesharing-Flatrate finde ich gar nicht mal schlecht. Wenn ich einen CD...

Marty 09. Okt 2008

Natürlich ergeben sich auch One-Hit-Wonder durch Verkäufe, sonst wären sie keine Hits...

Kommentieren




Anzeige
  1. JAVA-Entwickler/in
    über Schlagheck Radtke Oldiges Executive Consultants GmbH, Süddeutschland
  2. IT Manager (m/w)
    Seaarland Shipmanagement GmbH & Co. KG, Hamburg (Reisebereitschaft)
  3. Java Web Developer Backend (SQLServer) im M-Commerce (m/w)
    über HRM CONSULTING GmbH, Berlin
  4. Software Developer (m/w) – LINUX EXPERT
    OMICRON electronics GmbH, Klaus (Austria)

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. Youporn-Betreiber

    Hacker will 350.000 Datensätze bei Pornoseite erbeutet haben

  2. Nortel Networks

    Nortel war fast zehn Jahre lang gehackt

  3. Unity Technologies

    Bessere Grafik und KI mit Unity 3.5 verfügbar

  4. Tim Schafer

    40.000 US-Dollar für einen Konsolenpatch

  5. Abmahnabzocke

    Maximal 100 Euro Abmahngebühr für Urheberrechtsverstöße


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 270 | letzter Beitrag 13.02. 23:28

  2. Kommentare: 200 | letzter Beitrag 14.02. 22:07

  3. Kommentare: 194 | letzter Beitrag 14.02. 13:50

  4. Kommentare: 117 | letzter Beitrag 14.02. 12:39

  5. Kommentare: 101 | letzter Beitrag 02:39 Uhr

Mehr


  1. Radeon HD 7770 und 7750 im Test

    Die Grafikkarte mit 1 GHz für 159 Euro

  2. Youporn-Betreiber

    Hacker will 350.000 Datensätze bei Pornoseite erbeutet haben

  3. TZ77XE4

    Biostar zeigt Mainboard für Ivy Bridge und Sandy Bridge

  4. Unity Technologies

    Bessere Grafik und KI mit Unity 3.5 verfügbar

  5. Fifa Street

    Last Man Standing auf dem Bolzplatz

  6. Isis Web Browser

    Neuer Browser für HPs WebOS

  7. Nortel Networks

    Nortel war fast zehn Jahre lang gehackt

  8. Thermosensor

    Schmetterlingsflügel macht Wärme sichtbar

  9. Deutsche Gamestage

    Call for Papers der Quo Vadis verlängert

  10. Vodafone

    LTE auf dem Smartphone kostet monatlich 10 Euro mehr



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Eye-Tracking: Bewegungsabhängige Bildschirmoberfläche von Apple
Eye-Tracking
Bewegungsabhängige Bildschirmoberfläche von Apple

Apple hat in den USA einen Patentantrag eingereicht, der eine Benutzeroberfläche beschreibt, die sich der Position des Nutzers vor dem Bildschirm anpassen kann. Die Frontkamera erfasst den Blick des Anwenders und ändert zum Beispiel den Schattenwurf der Icons.

  1. Nicht-Abwerbe-Pakt Google hat mit Apple und Intel gemauschelt
  2. John Browett Apple will mit neuem Chef seine Ladenkette ausweiten
  3. Airport Utility 6 Apple reduziert Funktionsumfang seiner Routersoftware

Test PS Vita: Ausstattungswunder mit Speicherproblem
Test PS Vita
Ausstattungswunder mit Speicherproblem

Zwei Analogsticks und starke Grafik, Berührungs- und Bewegungssteuerung, UMTS und Bluetooth: Sony Computer Entertainment packt in den Nachfolger der Playstation Portable so gut wie alles, was irgendwie Sinn ergibt - nur Speicher etwa für Savegames fehlt der PS Vita von Haus aus.

  1. Playstation Network Umbenennung der Konten und neue Firmware

Bing, Blekko, Duck Duck Go: Googeln ohne Google?
Bing, Blekko, Duck Duck Go
Googeln ohne Google?

Die überarbeitete Version der Google-Suche "Search, plus Your World" hat heftige Debatten ausgelöst. Vor allem der Datenschutz steht mal wieder im Vordergrund der Kritik. "Geht es eigentlich auch ohne Google?", fragen sich daher viele Nutzer. Der Blogger Marcel Weiß hat es 18 Monate lang getestet.

  1. "Focus on the User" Facebook und Twitter zeigen Google, wie soziale Suche geht
  2. Neuer Algorithmus Google straft Seiten mit zu viel Werbung ab
  3. Theseus-Projekt Quote soll die erste Zitate-Suchmaschine Deutschlands werden

  1. Re: Trivialpatent - gehört wegen zu geringer...

    Der Kaiser! | 06:00

  2. Re: Patente sind toll, oder?

    Der Kaiser! | 05:57

  3. Und warum...

    Blablablublub | 05:55

  4. Re: Gema will Informationen über ACTA...

    LetTheBirdsFlyFree | 05:39

  5. Re: Und ich dachte erst, Canonical hätte mal mehr...

    EqPO | 05:32


  1. 06:01

  2. 18:20

  3. 18:13

  4. 17:41

  5. 17:36

  6. 16:57

  7. 16:51

  8. 15:59


Zum Artikel