Interview: Die Grenzen zwischen Kunst und Technik sprengen
Es geht nämlich bei allen digitalen Technologien eigentlich um Kommunikationsprozesse. Und Kommunikation ist etwas, wofür Künstler üblicherweise sehr sensibel sind. Es ist mehr als der reine Austausch von Informationen. Wenn wir als Menschen kommunizieren, tun wir das sicher zu einem Gutteil über Worte, über Sprache, über Bilder, aber wir tun es mindestens in gleichem Ausmaß über unseren Körper und Mimik. Emotionalität spielt dabei eine gewichtige Rolle.
Das sind alles Dinge, die per se in den Werkzeugen des Systemadmin nicht vorhanden sind. Er ist ein Spezialist, der auf der Kommandozeilenebene ein Unix oder Linux oder andere Serversysteme bedienen und verwalten können muss, aber eigentlich ist sein Beruf auch dazu da, eine Art Dienstleistung zu erbringen. Denn im Grunde sollte er nicht das System des Systems wegen administrieren, sondern er sollte es administrieren, damit Menschen es benutzen können.
Es geht also auf allen Ebenen darum, nicht nur die technische Funktionalität, sondern auch die Usability des Ganzen mit einzubeziehen. Die Technologien sollten auf einer Ebene nutzbar sein, die unsere menschlichen Fähigkeiten und unsere Ausdrucks- oder Wahrnehmungsformen nicht ausschließt, sondern integriert - bis hin zur Körperlichkeit und Emotionalität. Hier bietet Medienkunst spannende Experimentierfelder.
Der Wandel beeinflusst unser generelles Weltbild und Menschenbild. Bei solchen Ausmaßen kann man die Technologie nicht mehr auf die Befehle auf der Kommandozeilenebene reduzieren. Das wäre so, als würde ich den ganzen Straßenverkehr auf Motor, Getriebe und vier Räder reduzieren. Aber selbst bei so einer zweckmäßigen Mechanik wie dem Auto spielen Lebensgefühl, Statussymbolik und Kommunikation eine weitaus größere Rolle als dessen Wesen als Transportvehikel.
Golem.de: Und wie kann man ein Bewusstsein für diese Zusammenhänge schaffen?
Stocker: Ganz einfach: Grenzen ignorieren! Deswegen stellen wir auf der Ars Electronica wissenschaftliche Forschungsprojekte neben künstlerische Arbeiten und verbinden technologische Experimente mit ökonomischen Prototypen. Das sorgt natürlich immer wieder für Irritationen, aber das ist ein unheimlich spannender Beitrag zu der Frage, wie diese Dynamik der modernen Gesellschaft verstanden werden kann. Ich glaube, das Kernrezept ist wirklich, dass wir gemeinsam in das gleiche kalte, tiefe Wasser springen. [Das Interview führte Michael Liebe]
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Das ist als Kurator auch überhaupt nicht seine Aufgabe. Er schafft nur einen Rahmen...
Jaja, die "Usability" und die "Privacy"... Aber viel reden und (fast) nichts sagen...
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