Anzeige

Piraten wollen das Internet verschlüsseln

Reaktion auf schwedisches Abgehörgesetz und EU-Richtlinie

Die Begründer des bekannten BitTorrent-Trackers The Pirate Bay haben angekündigt, eine universelle Verschlüsselung für den Datenverkehr im Internet zu entwickeln. Die Pläne wurden in Reaktion auf die Verabschiedung eines neuen Abhörgesetzes in Schweden öffentlich gemacht.

Anzeige

Das Kürzel IPETEE steht für "transparent end-to-end encryption for the internets". Dahinter verbergen sich Pläne für eine Verschlüsselungssoftware, die auf unterschiedlichen Betriebssystemen laufen und den gesamten IP-Verkehr eines Computers verschlüsseln soll. Die Verschlüsselung soll vollkommen unabhängig von einzelnen Programmen laufen. Entwickelt werden soll die Software von den Begründern des bekannten BitTorrent-Trackers The Pirate Bay in Schweden.

Den aktuellen Anlass, die Pläne zu IPETEE zu veröffentlichen, bot die Verabschiedung eines neuen Überwachungsgesetzes in Schweden, das sich allerdings laut einem Bericht der schwedischen Tageszeitung The Local in der Hauptsache gegen Russland richten soll. Dem Bericht zufolge werden alle Auslandstelefongespräche nach und aus Russland durch Schweden geleitet, ganz egal, woher sie kommen oder gehen. Die Überlegungen für die Entwicklung von IPETEE wurden jedoch ursprünglich durch die Pläne der EU-Kommission für die Enforcement-Richtlinie II angestoßen, wie Fredrik Neij gegenüber NewTeeVee erklärte: "Ich wollte etwas entwickeln, das die Verbindungsdatenspeicherung schwieriger macht." IPETEE soll laut Neij fertig sein, bevor das neue Abhörgesetz zu Beginn kommenden Jahres in Schweden in Kraft tritt.

Grundzüge der Arbeitsweise der geplanten Software haben sie in einem Wiki veröffentlicht. Den dort gemachten Ausführungen kann man entnehmen, dass ein mit IPETEE ausgerüsteter Computer bei der Kontaktaufnahme mit einem anderen, am Internet angeschlossenen Computer zuerst eine Schlüsselvereinbarung "über den Datenkanal" versuchen soll. Gelingt das, weil die Gegenseite ebenfalls IPETEE beherrscht, wird ein Schlüssel vereinbart und der gesamte IP-Datenverkehr zwischen beiden Computern verschlüsselt abgewickelt. Dazu könnten die Verschlüsselungsverfahren Salsa20 mit dem eSTREAM-Profil oder AES-CBS mit ciphertext stealing zum Einsatz kommen. Sollte die Schlüsselvereinbarung nicht gelingen, weil die Gegenseite IPETEE nicht beherrscht, würde automatisch auf klassische, unverschlüsselte IP-Kommunikation zurückgegriffen.

Das für IPETEE vorgeschlagene Verschlüsselungsverfahren hat auch Schwächen, wie man im Blog-Eintrag nachlesen kann. So kann es weder aktiven Angriffen noch Man-in-the-middle-Angriffen widerstehen. Kommunikationsverbindungen würden langsamer aufgebaut, was bei manchen Anwendungen zu Problemen führen könnte. Schließlich könnten Server ohne IPETEE mit den unerwarteten Angeboten zur Schlüsselvereinbarung Schwierigkeiten haben.

Ob die Pläne der Piraten tatsächlich erfolgreich in die Tat umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. In Anbetracht der in den vergangenen Monaten bekanntgewordenen Pläne von ISPs und Werbedienstleistern, den Datenverkehr der Kunden mit Hilfe von Deep Packet Inspection (DPI) zu überwachen und zu manipulieren sowie der wachsenden Forderungen von Rechteinhabern zur Überwachung darf man aber annehmen, dass Anonymisierungs- und Verschlüsselungsverfahren immer schneller Verbreitung finden werden. [von Robert A. Gehring]


eye home zur Startseite
ThadMiller 14. Jul 2008

Das ist interessant. Erklär mal genauer.

Herr Mobel 12. Jul 2008

Ich frage mich immer warum immer gleich die schrecklichsten Dinge als Argument...

Hobbit 11. Jul 2008

Aulandstelefongespräche? Müsste das nicht Auenland heissen?

Sir Jective 11. Jul 2008

Es ist durchaus PRAKTIKABEL, es wird sich nur nicht DURCHSETZEN. Die Technik war an sich...

RedoX 11. Jul 2008

Wenn es funktioniert und auch von der Geschwindigkeit akzeptabel sein wird, wird es sich...

Kommentieren


Webtipps und Surftipps aus aller Welt / 23. Okt 2008



Anzeige

  1. Softwareentwickler Java / Webentwickler (m/w)
    syncpilot GmbH, Puchheim bei München
  2. IT-Application Manager (m/w)
    SARSTEDT AG & Co., Nümbrecht-Rommelsdorf
  3. Service Delivery Retail IT Projektleiter (m/w)
    Daimler AG, Böblingen
  4. Einkäufer IT (m/w) Workplace Services
    über HRM CONSULTING GmbH, Nürnberg

Detailsuche



Anzeige

Folgen Sie uns
       


  1. Zcryptor

    Neue Ransomware verbreitet sich auch über USB-Sticks

  2. LTE-Nachfolger

    Huawei schließt praktische Tests für Zukunftsmobilfunk ab

  3. Beam

    Neues Modul für Raumstation klemmt

  4. IT-Sicherheit

    SWIFT-Hack vermutlich größer als bislang angenommen

  5. Windows 10

    Microsoft bringt verdoppelten Virenschutz

  6. Audience Network

    Facebook trackt auch Nichtnutzer für Werbezwecke

  7. Statt Fernsehen

    Ministerrat will europaweite 700-MHz-Freigabe für Breitband

  8. Gran Turismo Sport

    Ein Bündnis mit der Realität

  9. Fensens Parksensor

    Einparken mit dem Smartphone

  10. Telefónica

    Microsoft und Facebook bauen 160-TBit/s-Seekabel nach Europa



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
GPD XD im Test: Zwischen Nintendo 3DS und PS Vita ist noch Platz
GPD XD im Test
Zwischen Nintendo 3DS und PS Vita ist noch Platz
  1. Playstation 4 Rennstart für Gran Turismo Sport im November 2016
  2. Project Spark Microsoft stellt seinen Spieleeditor ein
  3. AMD Drei Konsolen-Chips für 2017 angekündigt

Intels Compute Stick im Test: Der mit dem Lüfter streamt (2)
Intels Compute Stick im Test
Der mit dem Lüfter streamt (2)
  1. Apple Store Apple darf keine Geschäfte in Indien eröffnen
  2. Prozessoren Intel soll in Deutschland Abbau von 350 Stellen planen
  3. HBM2 eSilicon zeigt 14LPP-Design mit High Bandwidth Memory

Xiaomi Mi5 im Test: Das fast perfekte Top-Smartphone
Xiaomi Mi5 im Test
Das fast perfekte Top-Smartphone
  1. Konkurrenz zu DJI Xiaomi mit Kampfpreis für Mi-Drohne
  2. YI 4K Xiaomi greift mit 4K-Actionkamera GoPro an

  1. Re: Gute Idee aus Verbrauchersicht

    Moe479 | 03:51

  2. Auslastung TAT-14

    Xilence | 03:46

  3. Re: Ist doch eh sinnlos...

    Neuro-Chef | 03:23

  4. Re: Schuld liegt nicht bei Facebook

    cpt.dirk | 03:11

  5. Re: "Mainstream"? "Modebegriff"? "Enfant...

    Neuro-Chef | 03:09


  1. 17:09

  2. 16:15

  3. 15:51

  4. 15:21

  5. 15:12

  6. 14:28

  7. 14:17

  8. 14:08


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel