Die Politik scheut das Web 2.0

Unkommentierbare Blogs, eingeschlafene Konten

Menschen, die in sozialen Netzwerken unterwegs sind, sind für Werbung und Politik eine attraktive Zielgruppe. Doch laut einer Kurzstudie der Agentur Newthinking Communications wissen Politiker und Parteien das Web 2.0 für sich nicht effektiv zu nutzen.

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Die Berliner Agentur Newthinking Communications hat eine Bestandsaufnahme der Präsenz von deutschen Parteien und Politikern in sozialen Netzwerken und in der Blogosphäre gemacht. Ergebnis: Anders als in Großbritannien oder den USA, wo beispielsweise Barack Obama im Wahlkampf auf vielen Plattformen präsent war, nutzt die deutsche Politik das soziale Netz kaum für ihre Zwecke. Zwar sind einzelne Politiker im Internet aktiv, doch es fehle eine "erkennbare Internetstrategie", so die Agentur.

Besonders auffällig sei die fast völlige Abwesenheit von Politikern beim Microbloggerdienst Twitter. Ein Konto der nordrhein-westfälischen SPD unter NRWSPD2 wurde zwar entdeckt, doch seine "Aktivität scheint eingeschlafen" zu sein. Bei Xing und Myspace fand sich ebenfalls kein Profil eines Spitzenpolitikers, ergab die Studie.

Bei Youtube sieht es zwar etwas besser aus. Immerhin gibt es dort 1.060 Filme, die etwas mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu tun haben und das meistgesehene Video vom SPD-Vorsitzenden Kurt Beck verzeichnete 138.000 Zugriffe. Allerdings geht es dabei nicht immer um die wirklich harte Politik: "George Bush Gives Angela Merkel Massage" heißt eins der zehn meistgesehenen Merkel-Videos.

Eigene Blogs betreiben hingegen einige Politiker, das bekannteste ist wohl Merkels Videopodcast. Allerdings bemängeln die Leiter der Studie, dass Kommentare zu diesem Podcast nicht möglich sind und folgern, ein Blog ohne Interaktionsmöglichkeiten zähle nicht wirklich zum Web 2.0.

Die Studie ist auch der Hypothese nachgegangen, dass sich die Jugendorganisationen der Parteien allein aufgrund des Alters ihrer Mitglieder kompetenter im Web 2.0 bewegen. Die Hypothese wurde widerlegt. Jungliberale, Jusos, Grüne Jugend, Junge Union und Linksjugend sind zwar im Einzelfall auf sozialen Plattformen präsent, eine klare Strategie lässt sich dahinter aber nicht erkennen. "Wer sich dem Internet verweigert, wird dort auch keinen einzigen Wähler gewinnen", warnt Newthinking Communications.

Für die Studie wurde die Präsenz von Parteien und Spitzenpolitikern bei StudiVZ, Myspace, Facebook und Xing, Youtube sowie Twitter untersucht. Bis zur Bundestagswahl im Oktober 2009 soll es alle drei Monate ein Update der Untersuchung geben.


ohmygod 03. Jul 2008

Wie bereits vor Jahren festgestellt wurde beendet das quasiorganische...

gawab 03. Jul 2008

Es ist nicht die Aufgabe der Bürger, durch Spenden den Kontakt zu Politikern wieder her...

Matthias Ebert 03. Jul 2008

Erstaunlich, dass folgendes in der Studie der Agentur nicht erwähnt wird: Von einer...

Janko Weber 03. Jul 2008

Dann ist Web2.0 Utopie. Ein Witz, vermutlich. mfg Janko Weber (Terrorismus-Experte)

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