AllofMP3-Fall am Ende

Musikindustrie lässt Billionenklage fallen

Die Mitglieder der Recording Industry Association of America (RIAA) haben ihre US-Klage gegen den russischen Billiganbieter für MP3-Downloads, AllofMP3, zurückgezogen, nachdem dieser faktisch den Betrieb eingestellt hat.

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Jahrelang war AllofMP3 neben The Pirate Bay den großen Plattenfirmen der wohl größte Dorn im Auge. Statt für 99 Cent wie bei iTunes gab es bei AllofMP3 Musik im kopierschutzfreien MP3-Format, zu Preisen von 10 bis 20 Cent. Die Bush-Regierung sah den russischen Billiganbieter für MP3-Downloads gar als Hindernis für einen Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation. Die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab drängte Russland dazu, die Gesetze zu ändern, das Urheberrecht besser zu schützen und AllofMP3 zu schließen. Den WTO-Beitritt vor Augen, gab die russische Regierung dem Ansinnen der USA nach und im Juli 2007 ging AllofMP3 vom Netz.

Im Dezember 2006 hatte eine Reihe von Plattenfirmen vor einem New Yorker Gericht Klage gegen AllofMP3 eingereicht. Die Plattenfirmen warfen den Betreibern des MP3-Anbieters vor, Musik ohne Lizenzen zu verkaufen und forderten bis zu 1,65 Billionen US-Dollar Schadensersatz. Nachdem AllofMP3 seit bald einem Jahr keine Musik mehr vertreibt, haben die Kläger am 20. Mai 2008 plötzlich und ohne weitere Begründung ihre Klage zurückgezogen, wie verschiedene US-Medien übereinstimmend berichten.

Obwohl die Plattenfirmen immer wieder argumentierten, das Angebot von AllofMP3 sei illegal, war es ihnen nicht gelungen, in Russland selbst eine Verurteilung der Betreiber zu erreichen. Ein in Russland angestrengtes Verfahren endete im August vergangenen Jahres mit einem Freispruch für Denis Kvasov, den Chef des AllofMP3-Betreibers MediaServices. Der zuständige Richter bestätigte Kvasov, was dieser immer schon behauptet hatte: Für die über AllofMP3 vertriebene Musik waren ordnungsgemäß Urheberabgaben an die russische Verwertungsgesellschaft ROMS gezahlt worden. Dennoch blieb AllofMP3 offline. Stattdessen riefen die Betreiber eine neue Plattform namens MP3Sparks.com ins Leben, die das Erbe von AllofMP3 antreten sollte.

Parallel zum Verfahren in Russland hatten die Plattenfirmen in verschiedenen Ländern gegen Dienste geklagt, die Links auf AllofMP3 gesetzt hatten. In Deutschland hatte das Landgericht München I im Juli 2005 entschieden, "dass das Angebot gegen deutsches Urheberrecht verstößt". Diese Einschätzung war unter deutschen Juristen durchaus umstritten. Trotzdem gingen Anwälte unter Verweis auf die Entscheidung aus München per Abmahnung auch gegen journalistische Onlineangebote vor, die über den Fall AllofMP3 berichteten und im Rahmen der Berichterstattung Links auf das Angebot setzten. Kritiker warfen den Plattenfirmen daraufhin vor, Zensur ausüben zu wollen.

Nachdem die Plattenfirmen ihre New Yorker Klage haben fallen lassen, dürfte der Fall AllofMP3 am Ende sein. Im Fall von The Pirate Bay ist ein Ende hingegen noch nicht absehbar. [von Robert A. Gehring]


Frank R. 29. Mai 2008

Na das ist ja nen Ding - Allofmp3 soll den WTO-Beitritt behindern...dann wünsche ich mir...

Frank R. 29. Mai 2008

Weshalb sollten die gesetzt werden? Der Inhalt des Artikels ist doch vollständig...

Grillboter 29. Mai 2008

Das ist doch nicht mal ein Euro! Und wegen ein paar Cent stellst du solche Fragen? Hirn...

GodsBoss 29. Mai 2008

Es wurde nicht falsch übersetzt, Trillions (englisch) = Billionen (deutsch...

GodsBoss 29. Mai 2008

Doch, aber in den englischsprachigen Medien ist nicht von Billion, sondern von Trillion...

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