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Interview: Im Internet ist Platz für alleDie ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann im Gespräch mit Golem.de
Die Juristin Verena Wiedemann ist die erste ARD-Generalsekretärin. Sie berät den ARD-Vorsitzenden, beispielsweise bei strategischen Fragen der ARD. Sie bekleidet das Amt seit 1. Juli 2006. Zuvor war sie 13 Jahre lang in Brüssel, wo sie europäische Medienpolitik für die ARD gemacht hat.
Golem.de: Die ARD ist ein föderales System, schaut man sich die Webangebote der ARD-Anstalten an, scheint jede Anstalt eine eigene Strategie zu verfolgen. Gibt es überhaupt eine generelle öffentlich-rechtliche Onlinestrategie? Verena Wiedemann: Die Landesrundfunkanstalten sind alle eigenständige Sender. Sie haben in den jeweiligen Landesgesetzen eigenständige Rechtsgrundlagen und besprechen ihre Onlinestrategien mit den zuständigen Rundfunkgremien. Das führt zu Unterschieden in den Angeboten der einzelnen Landesrundfunkanstalten. Zusätzlich hat die ARD im vergangenen Jahr eine von allen Anstalten gemeinsam getragene Digitalstrategie der ARD verabschiedet. Die betrifft das Angebot des Ersten Programms und der ARD auf nationaler Ebene, ist aber auch Ausdruck des gemeinsamen Verständnisses der Digitalstrategie aller Landesrundfunkanstalten. Die Präsenz in der digitalen Medienwelt ist für uns essenziell, um auch weiterhin die Gebührenzahler mit unseren Angeboten zu erreichen. Vor knapp zwei Monaten hat auch die Gremienvorsitzendenkonferenz, das ist ein Aufsichts- und Kontrollgremium auf ARD-Ebene, alle Anstalten aufgefordert, verstärkt Internetangebote für junge Nutzer zu entwickeln, um diese wieder verstärkt an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu binden. Daran arbeiten wir jetzt gemeinsam. Golem.de: Wie sieht es mit der rechtlichen Situation bei Internetcontent aus? Was dürfen die Anstalten ins Internet stellen, was nicht? Wiedemann: Der jetzige Auftrag für Telemedien ermächtigt uns, Inhalte mit Programmbezug ins Netz zu stellen. Das heißt, wir können unsere Sendungen im Internet auch mit Text und Bild begleiten. Wir haben in diesem Zusammenhang zum Beispiel informative Dossiers zu unseren ARD-Themenwochen zusammengestellt, die sich mit Themen wie der Bedeutung von Kindern für Familie und Gesellschaft, Krebs oder der demografischen Entwicklung der Bevölkerung befassen. Diese Themen haben wir schwerpunktmäßig in unseren Hörfunk- und Fernsehprogrammen behandelt und dann auch ins Netz gestellt. Und wir haben Wissensportale für Junge wie planet-schule.de oder planet-wissen.de aufgebaut. Nach unserem Auftrag ist dies heute möglich. Ob der Auftrag aber fortbesteht, ob wir das auch in Zukunft machen können, steht derzeit in Frage. Denn die Länder erarbeiten gerade den sogenannten 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der diesen weiten Onlineauftrag möglicherweise einschränkt. Golem.de: Dürften Sie danach solche Themendossiers nicht mehr ins Internet stellen? Wiedemann: Nach dem jetzigen Entwurf könnten wir unsere Inhalte - Sendungen zum Abruf, Texte und Bilder - nur noch maximal sieben Tage ins Internet stellen. Danach müsste alles gelöscht werden. Das würde bedeuten, dass wir gerade solche Dossiers und Themenschwerpunkte, aber auch ältere Inhalte, die redaktionell wertvoll sind, nicht mehr vorhalten könnten. weiter...
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