Max-Planck-Forscher: Comcast blockiert dauerhaft BitTorrent

Blockiert wird nur in Kabelnetzen, nicht aber über DSL

Forscher am Max-Planck-Institut für Softwaresysteme haben herausgefunden, dass der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast offensichtlich systematisch und dauerhaft das BitTorrent-Protokoll blockiert. Mit einer Software hatten die Saarbrücker den Datenaustausch über BitTorrent simuliert. Dabei stellte sich heraus, dass Kabelnetzbetreiber in den USA und Singapur den Datentransfer über BitTorrent stark einschränken. In den meisten anderen Ländern findet eine solche Regulierung nicht statt.

Anzeige

In verschiedenen Anhörungen hat Comcast stets beteuert, den Datenverkehr über das BitTorrent-Protokoll lediglich in Stoßzeiten zu regulieren, nicht aber komplett zu unterbinden. Wie es scheint, hat der Kabelnetzbetreiber aus den USA die Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) belogen: Nach einer Studie des Max-Planck-Institutes (MPI) für Softwaresysteme in Saarbrücken blockiert Comcast entgegen den eigenen Angaben den Datenaustausch über BitTorrent systematisch und dauerhaft: "Der Anteil von blockierten Verbindungen ist zu allen Tageszeiten gleichbleibend hoch. Unsere Daten legen nahe, dass die BitTorrent-Blockade nicht von der Tageszeit abhängt." Auch zwischen den Wochentagen gibt es kaum Unterschiede.

Comcast: Blockade unabhängig vom Wochentag (Quelle: MPI)
Comcast: Blockade unabhängig vom Wochentag (Quelle: MPI)

Allerdings sind Comcast-Kunden nicht die einzigen, die derart massiver Traffic-Regulierung unterliegen. Auch Konkurrent Cox Communications unterbindet den Datenaustausch über BitTorrent: "Die meisten (573 von 599) Hosts, die blockieren, befinden sich in den Netzen von Comcast und Cox." Von 788 getesteten Comcast-Hosts sind das 491, von den getesteten 151 Cox-Hosts blockieren 82. Insgesamt sperren 9 von 310 ISPs in den USA das BitTorrent-Protokoll. Das zweite Land, in dem der Datentausch systematisch reguliert wird, ist Singapur. Dort sperrt StarHub, der größte Breitband-Anbieter des Landes, sein Netz weitgehend für das Peer-To-Peer-Protokoll (26 der 45 Hosts).

Betroffen sind dabei ausschließlich die Kunden von Providern, die Internetzugang über Kabel anbieten. "Wir haben keine Blockade von Datentransfer über BitTorrent von DSL-Hosts in diesen Ländern feststellen können", schreiben die Saarbrücker. Im Rest der Welt scheint diese Art von Traffic-Management weitgehend unüblich. Nur in drei anderen Ländern fanden die MPI-Wissenschaftler je einen blockierten Host. In Deutschland wurden 377 Hosts und 52 Provider getestet. Das Ergebnis: Hierzulande ist der Datenaustausch über das BitTorrent-Protokoll uneingeschränkt möglich.

Für den Test, der vom 18. März bis zum 15. Mai 2008 stattfand, haben die Forscher eine Software mit dem Namen Glasnost entwickelt, die den Datenaustausch über das BitTorrent-Protokoll simuliert. Glasnost achtet besonders darauf, wenn eine Verbindung zwischen zwei Rechner unterbrochen wird, ohne dass einer der beiden ein sogenanntes Reset-Paket (RST) gesendet hat. Mit dieser Methode sperrt Comcast nach den Recherchen der Nachrichtenagentur AP und der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) das BitTorrent-Protokoll. Nach Angaben der Saarbrücker haben über 8.000 Nutzer auf der ganzen Welt die Software auf ihrem Rechner installiert.

Comcast hat bisher stets bestritten, Datentausch über Peer-To-Peer-Protokolle systematisch zu unterdrücken. Stattdessen reklamierte der Kabelnetzbetreiber, er habe lediglich einen Teil des Traffics verlangsamt, was unter das von der Regulierungsbehörde FCC zugebilligte "angemessene Traffic-Management" falle. Nach Beschwerden hatte Comcast BitTorrent Ende März 2008 sogar eine Kooperation angeboten - genau in der Zeit, in der das MPI die Blockade feststellte.

Seit Bekanntwerden der Blockade wird in den USA heftig über Netzneutralität diskutiert. Die Ergebnisse der MPI-Studie dürften hierbei den Verfechtern der Netzneutralität, darunter FCC-Chef Kevin J. Martin und der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama, neue Argumente liefern.


Dr. Manuela Urban 07. Jan 2011

http://data6.blog.de/media/151/5191151_b9fcfa8e96_l.jpg

Zorrro 29. Mai 2009

Blockieren die auch Seiten, z.B. diese Page?? :))) http://freenet-homepage.de/molgen.mpg.de

spanther 05. Nov 2008

Das wäre der Himmel für Masochisten :>

spanther 05. Nov 2008

ROFL!!! xD Wenn das stimmt dann fress ich..... ööööh ne warte mal :> Doch lieber nur...

Slicks 19. Mai 2008

Selbstbefriedigung in 3 Bundesstaten verboten!

Kommentieren


Filesharing News - P2P MP3 Games DSL VoIP / 17. Mai 2008

BitTorrent: Provider bremsen Filesharer aus



Anzeige

  1. IT-Projektexperte (m/w)
    HIM GmbH, Bad Homburg vor der Höhe
  2. Inhouse Consultant BI / SAP-BW (m/w)
    Metabowerke GmbH, Nürtingen
  3. Informatiker/in Schwerpunkt SAP Applikationen
    Lechwerke AG, Augsburg
  4. Anwendungs­betreuer (m/w) SAP CO und BW
    HERMA GmbH, Filderstadt-Bonlanden

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Akamai

    Deutschlands Datenrate liegt bei 8,9 MBit/s durchschnittlich

  2. Niedriger Schmelzpunkt

    3D-Drucken mit metallischer Tinte

  3. Tiger and Dragon II

    Netflix bietet ersten Kinofilm gleichzeitig zur Premiere

  4. Darkfield VR

    Kickstart für Dogfights mit Oculus Rift

  5. Neue Red-Tarife

    Vodafone bucht Datenvolumen automatisch nach

  6. Freies Betriebssystem

    FreeBSD-Kernel könnte in Debian Jessie entfallen

  7. Kontonummerncheck

    Netflix akzeptiert Kunden einiger Sparkassen nicht

  8. Mittelerde Mordors Schatten

    6 GByte VRAM für scharfe Ultra-Texturen notwendig

  9. Ressl

    LibreSSL-Projekt erstellt nutzerfreundliches SSL-API

  10. Ausgründung

    Ebay und Paypal trennen sich



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Bash-Lücke: Die Hintergründe zu Shellshock
Bash-Lücke
Die Hintergründe zu Shellshock
  1. Shellshock Immer mehr Lücken in Bash
  2. Linux-Shell Bash-Sicherheitslücke ermöglicht Codeausführung auf Servern

Trainingscamp NSA: Ex-Spione gründen High-Tech-Startups
Trainingscamp NSA
Ex-Spione gründen High-Tech-Startups
  1. Vorratsdatenspeicherung NSA darf weiter Telefondaten von US-Bürgern sammeln
  2. Prism-Programm US-Regierung drohte Yahoo mit täglich 250.000 Dollar Strafe
  3. NSA-Ausschuss Grüne "frustriert und deprimiert" über Schwärzung von Akten

Filmkritik Who Am I: Ritalin statt Mate
Filmkritik Who Am I
Ritalin statt Mate
  1. NSA-Affäre Staatsanwaltschaft ermittelt nach Cyberangriff auf Stellar
  2. Treasure Map Wie die NSA das Netz kartographiert
  3. Geheimdienste Wie ein Riesenkrake ins Weltall kam

    •  / 
    Zum Artikel