Es ist die Spiele-Veröffentlichung des Jahres - bei keinem anderen Titel sind die nächtlichen Vorverkaufsschlangen so lang, die Verkaufszahlen so beeindruckend, der Aufschrei der Jugendschützer so laut und das Echo in der Fachpresse so groß wie bei "Grand Theft Auto 4". Bei diesem Rummel musste man befürchten, Rockstar Games könne den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Die Angst war unbegründet: GTA 4 gibt Spielern, Presse und besorgten
Müttern das, was sie erwartet haben - ein unvergleichliches Erlebnis.
 | GTA 4 (Xbox 360, PlayStation 3) |
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Bei der Wahl der Hauptfigur hat Rockstar Games Mut bewiesen: Ein gebrochener, in schäbige Trainingsklamotten gekleideter Osteuropäer, der vom Bürgerkrieg gezeichnet ist und zudem zu Beginn alles andere als sympathisch wirkt, scheint zunächst keine optimale Identifikationsfigur. Doch kaum hat man die ersten Minuten mit dem Serben Niko verbracht,
wächst er einem schon ans Herz: Eben weil den Entwicklern das Kunststück gelingt, die enttäuschten Hoffnungen von Niko spürbar und seinen tief in den Verbrechensstrudel geratenen Lebenslauf nachvollziehbar zu machen.
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Audio: Grand Theft Auto IV erschienen und getestet (3:04)
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Dabei hatte doch alles so vielversprechend angefangen: Niko will nach Jahren schrecklicher Kriegserlebnisse und gescheiterter Unternehmungen endlich einen Neuanfang starten - und welches Land böte sich dafür besser an als die USA, in denen Cousin Roman angeblich schon seit Jahren in Villen haust und das süße Leben genießt. Als Niko im stimmungsvollen,
minutenlangen Spielintro auf einem alten Frachter in der New York nachempfundenen Stadt Liberty City ankommt, muss er allerdings schnell begreifen, dass Roman die eigenen Lebensbedingungen etwas ausgeschmückt hat: Anstelle einer Stretch-Limo wartet ein altes Taxi, statt einer Villa mit Pool und nackten Frauen gibt es ein ranziges Appartement voller Kakerlaken. Und der Cousin ist kein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern ein alkoholisierter Betreiber eines Fuhrunternehmens - und Niko
darf ihn dann auch gleich als erste Aufgabe nach Hause zu Ausnüchterung bringen.
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GTA 4 gelingt es schnell, den Spieler durch geschickt in den ersten Stunden eingestreute Tutorials mit der Bedienung und so auch mit den Veränderungen und Neuerungen vertraut zu machen. Das beginnt gleich
bei den Fahrmissionen: Natürlich darf wieder ein fahrbarer Untersatz nach dem anderen gekapert werden; je nach Fahrzeugwert und Klasse variieren die Vehikel aber in punkto Fahrgefühl und Bedienbarkeit. Ein recht umfangreiches Schadensmodell und der spürbare Physik-Einsatz sorgen dafür, dass nach dem Umfahren von Passanten oder dem Unfall mit dem Gegenverkehr auch mal die Motorhaube wegfliegt, Niko aus dem Fenster geschleudert wird oder gar die Reifen Feuer fangen. Vor allem
aber gibt es jetzt auch ein Navigationssystem: Durch simplen Klick auf die Übersichtskarte lässt sich das Fahrtziel festlegen, das Spiel berechnet dann die schnellste Route und zeigt sie in einer Mini-Karte am Bildschirmrand an. Falsch abbiegen kann man zwar theoretisch immer noch, das nervige Suchen der richtigen Ausfahrt, wie man es aus früheren GTA-Spielen kannte, ist aber praktisch Vergangenheit. In Luxuslimousinen hilft sogar eine Stimme per Sprachausgabe beim Finden des
richtigen Weges.
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