Kulturstaatsminister für Internetsperren

Neumann: Kultur ist kein allgemein verfügbares und kostenloses Gut

Der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann, stellt sich hinter die Forderungen der Musikindustrie, die Internetsperren bei Urheberrechtsverletzungen fordert. Zudem setzt sich Neumann für eine Verlängerung der Schutzfristen für ausübende Künstler ein.

Anzeige

Nach Ansicht vom Neumann zeigt die "hohe Zahl der illegalen Downloads im Bereich von Musik, Film und Hörbüchern", dass "in unserem Zeitalter der Digitalisierung [...] der Respekt vor dem Wert und der wirtschaftlichen Bedeutung des geistigen Eigentums leider zurückgegangen" ist. Dies schade "nicht nur der Kultur- und Kreativwirtschaft als Zukunftsbranche, sondern bedroht auch die wirtschaftliche Existenz des einzelnen Künstlers".

Neumann appelliert an diejenigen, "die mit dem irreführenden Argument, Kultur sei ein allgemein verfügbares und vor allem kostenloses Gut, Künstlerinnen und Künstlern die angemessene finanzielle Vergütung vorenthalten". Der Schutz der Kreativität dürfe nicht durch einen falsch verstandenen freien Zugang zur Kultur oder falsch verstandenen Verbraucherschutz beeinträchtigt werden.

Zur Bekämpfung der Internetpiraterie sollten nach Ansicht Neumanns über die gesetzlichen Möglichkeiten hinaus freiwillige Vereinbarungen zwischen Providern und Rechteinhabern zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen unterstützt werden. Neumann verweist dabei auf den vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy initiierten Olivennes-Prozess. Gemeint ist mit dieser Formulierung die Überwachung des Datenverkehrs von Internetnutzern durch die Provider, die bei mutmaßlichen Urheberrechtsverstößen ohne Gerichtsverfahren die Nutzer verwarnen und ihnen im Wiederholungsfall den Internetzugang kappen sollen.

Entsprechende Pläne müssten auch weiterhin auf europäischer Ebene diskutiert werden, so Neumann. Allerdings wurden genau solche Maßnahmen Anfang April 2008 vom Europäischen Parlament ausdrücklich abgelehnt.

Neumann plädiert zudem für eine Verlängerung der Schutzfristen für ausübende Künstler: "Zusammen mit meiner französischen Kollegin Christine Albanel habe ich daher den zuständigen EU-Kommissar Charles McCreevy gebeten, das Thema auf EU-Ebene anzusprechen. Er hat angekündigt, noch vor der Sommerpause 2008 der EU-Kommission einen Vorschlag zu diesem Thema zu unterbreiten."

Entsprechende Pläne hat McCreevy bereits angekündigt: Er will den Urheberrechtsschutz für Tonträger und ausübende Künstler von 50 auf 95 Jahre verlängern, obwohl eine solche Verlängerung der Schutzfrist aus ökonomischer Sicht wenig sinnvoll ist: Die Künstler haben ihre Aufnahmen unter den geltenden Regeln des Urheberrechts veröffentlicht, sie wussten damals, worauf sie sich einlassen. "Eine nachträgliche Verlängerung ist ganz sicher nicht sinnvoll. Was zählt, sind doch die Anreize zu dem Zeitpunkt, zu dem ein Werk entsteht. Künstler wie Elvis oder die Beatles wussten doch damals nicht, wie viel Geld man mit ihrer Musik verdienen kann. Sie hatten damals aber ganz offenbar genug Anreize, Musik zu machen. Es ist nicht sinnvoll, diese Anreize im Nachhinein zu erhöhen", sagte der US-Ökonom Hal R. Varian im Interview mit Golem.de. Zusammen mit weiteren namhaften Ökonomen wie Georg Akerlof, Kenneth Arrow, James M. Buchanan, Ronald Coase und Milton Friedman legte er in einer Stellungnahme an den Obersten Gerichtshof der USA dar, dass eine Verlängerung des Urheberrechts um 20 Jahre den Wert der Rechte nur um 0,33 Prozent erhöht.

Eine verlängerte Schutzfrist lehnt auch der 2006 veröffentlichte Gowers-Report in England als ökonomisch ungerechtfertigt ab. Die britische Regierung folgte den Empfehlungen des Reports und verweigerte entgegen der Empfehlung des parlamentarischen Kulturausschusses eine Verlängerung der Schutzfristen. Der Gowers-Report zeigt unter anderem auf, dass eine Verlängerung der Schutzfrist nicht den Musikern, sondern den Plattenfirmen zugute kommen würde.


mi-ef 29. Apr 2008

ist selber schuld wenn er zuwenig kohle bekommt.. ich bin auch tonkünstler, aber weder...

enduser 29. Apr 2008

lol rotznlol geistiges eigentum der mi kann ruhig geistiges eigentum der mi bleiben...

webpolizist 28. Apr 2008

Geistiges Eigentum muss geschützt werden und alle, die mit ihrem missratenen...

G. Arentzen 28. Apr 2008

Hallo, ich bin ebenfalls ein Gegner von DRM, obwohl selbst betroffen (von Künstlerseite...

Ablacher 28. Apr 2008

... und das gilt wann? Genau, wenn eine Gleichbehandlung tatsächlich angemessen ist...

Kommentieren


Stefans Home / 28. Apr 2008

Welttag des geistigen Eigentums



Anzeige
  1. Software-Entwickler/in
    LVR-InfoKom, Köln
  2. IT Software Engineer (m/w)
    Wacker Chemie AG, München
  3. Applikations-Ingenieure (m/w) Strömungssimulation (CFD)
    CD-adapco, Nürnberg
  4. Oracle Datenbankadministrator (m/w)
    Deutsches Reisebüro GmbH, Frankfurt am Main

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. Premiumnutzer

    Nutzern von Kino.to drohen Strafverfahren

  2. Gerüchte

    Apple will alle Notebooks dünner machen

  3. Acta-Demos

    Zehntausende gegen "bekACTA Scheiß" in München und Berlin

  4. Lumia-Smartphones

    Nokias Offensive auch in Deutschland gescheitert

  5. Klage gegen Samsung

    Apple will Verkauf des Galaxy Nexus verhindern


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 217 | letzter Beitrag 10:54 Uhr

  2. Kommentare: 181 | letzter Beitrag 10:56 Uhr

  3. Kommentare: 109 | letzter Beitrag 10:06 Uhr

  4. Kommentare: 100 | letzter Beitrag 12.02. 10:35

  5. Kommentare: 89 | letzter Beitrag 07:25 Uhr

Mehr


  1. Biometrie

    Herzige Verschlüsselung

  2. Spielebranche

    Gaming-Standort Bayern sucht den Reset-Knopf

  3. Google@home

    Google baut Hardwaretestcenter für Unterhaltungselektronik

  4. Objektive

    So geht es weiter mit Sonys NEX-System

  5. Gerüchte

    Apple will alle Notebooks dünner machen

  6. Tilt-Shift-Effekt

    Generator für Spielzeuglandschaften

  7. Premiumnutzer

    Nutzern von Kino.to drohen Strafverfahren

  8. Evilshadow

    Microsoft Store in Indien gehackt

  9. Browser

    Firefox 10.0.1 bringt Fehlerkorrekturen

  10. Lumia-Smartphones

    Nokias Offensive auch in Deutschland gescheitert



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Blizzard: Diablo 3 erscheint im zweiten Quartal 2012
Blizzard
Diablo 3 erscheint im zweiten Quartal 2012

Call of Duty Elite 2.0 kommt, Blizzard legt sich wegen Dota 2 mit Valve an und die Gewinne steigen: Beim Spielekonzern Activision Blizzard tut sich derzeit viel. Zusammen mit Geschäftszahlen wurde nun sogar ein Zeitrahmen für die Veröffentlichung von Diablo 3 genannt.


Acta: Deutschland setzt Unterzeichnung von Acta aus
Acta
Deutschland setzt Unterzeichnung von Acta aus

Das Auswärtige Amt hat seine Zustimmung zu Acta vorerst zurückgezogen. Der Providerverband Eco fürchtet, dass seine Branche durch Acta in die Rolle des "Hilfssheriffs bei der Verfolgung von Rechtsverletzungen" gedrängt würde.

  1. Acta im EU-Parlament Druck aus dem Netz und aus Berlin
  2. Acta Lettland setzt Ratifizierung von Handelsabkommen aus
  3. Acta Piratenpartei ruft zu Protesten in 50 deutschen Städten auf

Überwachungstechnik: Kuli mit HD-Videokamera
Überwachungstechnik
Kuli mit HD-Videokamera

Mit zwei unscheinbaren Kugelschreibern bietet der US-Sicherheitsdienstleister Swann hochauflösende Videokameras für Überwachungszwecke an, die praktisch nicht zu erkennen sind.

  1. Saeed Malekpour Iran bekräftigt Todesstrafe für Webentwickler
  2. Stille SMS In Hamburg über 134.700 heimliche Ortungsimpulse
  3. Europol Bundesregierung schweigt zu Überwachung sozialer Netzwerke

Zum Artikel