Interview: "Daten brauchen ein Verfallsdatum"
Golem.de: Informationsökologie ist aber nur ein Punkt. Ein anderer ist der allzu sorglose Umgang mit Daten. Nutzer geben ihre Daten im Internet preis, und wenn diese einmal online sind, lassen sie sich kaum wieder zurücknehmen.
Mayer-Schönberger: Der sorglose Umgang entsteht in erster Linie aus der bestehenden Intransparenz und dem verbreiteten Unwissen, wie viele Daten im Internet und anderswo schon aufbewahrt, indiziert, verwertet und eben nicht vergessen werden. Wenn ich Menschen damit konfrontiere, dass etwa Flugreservierungssyteme Reservierungen auch nach dem Abflugdatum gespeichert halten, sogar dann, wenn man gar kein Ticket bestellt und gekauft hat, dann sind sie erschüttert. Aber das passiert jeden Tag hundertausende Male. Die Datenmengen sind riesengroß, und sie werden nicht nur von den Reservierungssystemen verwendet und zu Marketingzwecken herangezogen, sondern auch staatlichen Stellen zugänglich gemacht.
Golem.de: Die haben aber doch bestimmt kein Interesse daran, dass Daten nach einer bestimmten Zeit wieder verschwinden.
Mayer-Schönberger: Oberflächlich gesehen hat der Staat nur ein geringes Interesse daran, dass diese Daten gelöscht werden. Das wiederum sollte ein ganz besonders großes Interesse bei den Bürgern an Datenlöschung auslösen, denn das stellt die Machtbalance zwischen Staat und Bürgern wieder richtig. In dem Maße, in dem die vorhandenen Daten vermindert werden, wird die informationelle Übermacht des Staates vermindert.
In Wirklichkeit ist es aber auch für den Staat selbst besser, wenn es weniger Daten gibt. Im Fall eines Angriffs auf die demokratischen Grundfesten können Daten schnell zum Problem werden. Ein Beispiel aus der Geschichte: Als die Niederlande in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts eine Sozialgesetzgebung eingeführt haben, wurde ein Bevölkerungsregister eingerichtet, in dem alle möglichen Informationen über die Bürger erfasst wurden, auch die Religion. Als die Nationalsozialisten die Niederlande besetzten, nutzten sie dieses Register, um die jüdische niederländische Bevölkerung herauszufiltern. Das führte dazu, dass die Ermordungsquote unter den niederländischen Juden die höchste in Europa war.
Solche Datensammlungen sind also nur dann eine Wohltat, wenn ich den Zugang in einer demokratischen Grundordnung kontrolliere. Da wir aber nicht garantieren können, dass wir in alle Zukunft eine demokratische Grundordnung haben, sind wir jetzt schon gut beraten, Informationsschätze zu minimieren, damit sie im Fall eines Falles nicht wie in den Niederlanden missbraucht werden können. Es ist die Aufgabe eines Staates, auch an eine unklare Zukunft zu denken und vorzubeugen.
Golem.de: Was ist mit Renten- oder Meldeinformationen?
Mayer-Schönberger: Die Speicherung jeder Information möchte ich auf ihre Notwendigkeit hinterfragen.
Golem.de: Und mit einem Verfallsdatum versehen?
Mayer-Schönberger: Ja - und wenn möglich löschen. Das ist im Übrigen auch nichts Neues: Die ersten Datenschutzgesetze, das hessische aus dem Jahr 1972 zum Beispiel, ordneten an, dass Daten, die nicht mehr gebraucht werden, gelöscht werden.





Ich, wie man unschwer erkennen kann. Sogar Deinen Kommentar. ;)
FULL ACK
genau darum geht es, so soll es net sein. auch passiert es schonmal dass man ein...
keiner hat lust darauf dass ein Youttubevideo was er mal als spass für seine kolegen...
Was denn für Artikel?
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