Gutachten bezweifelt Nutzen der Vorratsdatenspeicherung

Max-Planck-Forscher prüfen Effizienz der Telekommunikationsüberwachung

Das Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht hat in einem Gutachten festgestellt, dass die umstrittene Speicherung von Verbindungsdaten kein Allheilmittel für die Strafverfolgung ist. Auftraggeber des Gutachtens ist das Bundesjustizministerium.

Anzeige

Die Freiburger Wissenschaftler haben für den Forschungsbericht mit dem sperrigen Titel "Rechtswirklichkeit der Auskunftserteilung über Telekommunikationsverbindungsdaten nach §§ 100g, 100h StPO" die Akten von 467 repräsentativ ausgewählten Ermittlungs- und Strafverfahren aus den Jahren 2003 und 2004 ausgewertet.

In den untersuchten Fällen wurden 1.257 Beschlüsse zur Verbindungsabfrage erlassen. Das macht im Schnitt 2,7 Beschlüsse pro Verfahren. Nach Schätzungen der Freiburger Gutachter haben die Behörden damit im Jahr 2005 rund 40.000-mal Telefonverkehrsdaten abgefragt. Die Tendenz sei dabei "stark ansteigend." Umgerechnet bedeutet das, dass 2005 in etwa 15.000 Ermittlungsverfahren Verkehrsdaten erhoben wurden.

Bei 4 Prozent der Zielanschlüsse, so stellten die Freiburger fest, gab es allerdings gar keine Daten, sei es, weil sie verschlüsselt oder gelöscht waren oder weil sie gar nicht erst gespeichert wurden. "Wenn in 4 Prozent dieser Verfahren Anfragen mangels gespeicherter Daten ergebnislos blieben, beträfe dies etwa 600 Verfahren bundesweit. Gemessen daran, dass in den Jahren 2003 und 2004 jeweils ca. 4,9 Millionen Ermittlungsverfahren bearbeitet wurden, entspricht dies 0,01 Prozent aller Ermittlungsverfahren", rechnet der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung vor, auf dessen Website das Gutachten ebenfalls veröffentlicht wurde. Das knapp 500 Seiten lange Dokument findet sich zudem auf den Seiten des Bundesjustizministeriums.

Berücksichtige man Verfahren, die auch ohne Verbindungsdaten gelöst werden konnten - immerhin ein Drittel -, sowie Verfahren, die trotz vorhandener Daten eingestellt wurden, "ergibt sich, dass die Verfolgung von Straftaten zu gerade einmal 0,002 Prozent durch eine Vorratsspeicherung von Verkehrsdaten effektiviert werden könnte", analysiert der Arbeitskreis weiter.

Ein solches Rechenexempel hatte schon das Bundeskriminalamt (BKA) im Juli 2007 vorexerziert. Eine Studie der Wiesbadener kam zu dem Ergebnis, dass durch Vorratsdatenspeicherung die durchschnittliche Aufklärungsquote "von derzeit 55 Prozent im besten Fall auf 55,006 Prozent" gesteigert werden könne.

Das Freiburger Gutachten stellt noch einmal klar, dass die Verkehrsdatenabfrage kein Mittel zu Verhinderung von Straftaten sei. "Auf der Basis der auf drei Monate bezogenen Daten zweier Unternehmen ergibt sich, dass die Abfragen fast ausschließlich auf die Vergangenheit gerichtet sind", heißt es in dem Gutachten.

Unterdessen hat das britische Unternehmen Data Encryption Systems das Ergebnis einer Onlineumfrage im Vereinigten Königreich veröffentlicht. Danach gaben drei Viertel der 1.048 Befragten an, dass sie Informationen wie Geburtsdatum, Kontaktdaten, Informationen über die Familie und Gesundheitsdaten herausgäben.

Dabei vertrauen sie ihre Daten, was nicht weiter verwunderlich ist, am liebsten der Familie an. Auch die Banken und der Arbeitgeber genießen in diesem Fall das Vertrauen der Briten - interessanterweise sogar mehr als die Freunde.

Der Regierung hingegen möchte nur jeder Zehnte seine Daten geben. Sie genießt dabei nur etwas mehr Ansehen als Onlineshops, denen 9 Prozent vertrauen.


mmmm 20. Mär 2008

Tja, eigentlich sollten uns Gesetze genau vor so etwas *schützen*.

Sch**ble 19. Mär 2008

Wer glaubt bei den zahlreichen Maßnahmen (Videoüberwachung an jeder Ecke...

Sch**ble 19. Mär 2008

Wer glaubt bei den zahlreichen Maßnahmen (Videoüberwachung an jeder Ecke...

Schlussendlich 19. Mär 2008

Die Kündigung erfolgt SICHERHEITSHALBER ohne Angabe von Gründen und fristgemäß obwohl ich...

jjj 19. Mär 2008

Es wird weiterhin gespeichert und damit erfüllt die VDS ihren perfiden Sinn und Zweck...

Kommentieren


i know the truth / 19. Mär 2008

Neues von der Datenschutzfront

Alles was schnuckelig.eu ist... / 18. Mär 2008

Überwachung allerorten und doch kein Allheilmittel



Anzeige

  1. Systembetreuer/in
    Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG, Biberach, Riss
  2. Ingenieur/in für embedded Software-Entwicklung (software- / systembezogen)
    ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, Wolfsburg
  3. Software-Konfigurationsmanag- er (m/w)
    Dräger Medical GmbH, Lübeck
  4. Software-Entwickler (m/w)
    CI Tech Components AG, Dornach (Raum München)

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Elektromagnetik

    Der Dietrich für den Dieb von heute

  2. O2 Car Connection

    Autodaten auf das Smartphone funken

  3. Wii U

    Firmware-Update räumt den Homescreen auf

  4. Mobilfunk

    Amazon verkauft neuerdings Smartphones mit Tarif

  5. Ello

    Das Anti-Facebook, nächster Versuch

  6. Konami

    PES 2015 und die Auflösung auf der Xbox One

  7. Microduino

    Kleine Bastlerboards zum Stapeln

  8. VR Clay

    3D-Sculpting mit Oculus Rift und Razer Hydra

  9. HP Proliant m400

    Moonshot-Microserver mit 64-Bit-ARM-Prozessoren

  10. Googles Project Ara

    Neue Informationen zum ersten modularen Smartphone



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



PC-Spiele mit 4K, 5K, 6K: So klappt's mit Downsampling
PC-Spiele mit 4K, 5K, 6K
So klappt's mit Downsampling
  1. Leak Gopro Hero 4 soll in 4K aufnehmen
  2. Ifa Vodafone Deutschland und Cisco bringen 4K-Set-Top-Box
  3. Alpentab Wienerwald Das Holztablet mit Bay Trail oder als Nobelversion

Ascend Mate 7 im Test: Huaweis fast makelloses Topsmartphone
Ascend Mate 7 im Test
Huaweis fast makelloses Topsmartphone
  1. Cloud Congress 2014 Huawei verkauft Intel-Standardserver nur als Türöffner
  2. Huawei Cloud Congress Huawei will weltweit der führende IT-Konzern werden
  3. Ascend G7 Huawei-Smartphone mit 13-Megapixel-Kamera für 300 Euro

iPhone 6 und iPhone 6 Plus im Test: Aus klein mach groß und größer
iPhone 6 und iPhone 6 Plus im Test
Aus klein mach groß und größer
  1. #Bentgate Verbiegt sich das iPhone 6 Plus in der Hosentasche?
  2. Flir One PIN-Ausspähung per Wärmesensor
  3. Swarovski Fernglas verleiht iPhones Fernsicht

    •  / 
    Zum Artikel