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Künstliche Intelligenz auf dem Weg zum BewusstseinNeue KI-Engine kann von eigenen Überzeugungen abstrahieren
Drei Avatare, zwei menschliche und ein Roboter, stehen vor einem roten und einem grünen Koffer. In dem roten liegt eine Pistole. Der eine menschliche Avatar verlässt die Szenerie und kommt kurz darauf zurück. Inzwischen legt der andere die Pistole in den grünen Koffer. In welchem vermutet der Zurückgekehrte die Waffe? Im roten, sagt der Roboter-Avatar. Ist doch ganz einfach, oder?
Nein, ist es nicht. Denn der Roboter-Avatar wird von einer Software mit künstlicher Intelligenz (KI) gesteuert, und diese hat soeben den Test über den falschen Glauben bestanden. Mit diesem Test prüfen Psychologen, ob jemand zwischen seinen eigenen Überzeugungen und den Überzeugungen anderer oder der Realität unterscheiden kann und ob er Abweichungen dazwischen in seine Handlungsvorhersagen mit einbezieht. Kinder bestehen diesen Test, der als wichtiger Schritt in der Bewusstseinsentwicklung gilt, im Alter von etwa 4 bis 5 Jahren. Jüngere hingegen glauben, dass der Zurückgekehrte die Waffe in dem grünen Koffer suchen wird. Ihnen fehlt noch die Fähigkeit, von ihren eigenen Überzeugungen zu abstrahieren. Auch Menschen, die unter Autismus leiden, werden diesen Test nicht bestehen. Selmer Bringsjord vom Rensselaer Polytechnic Institute (RPI) in Troy im US-Bundesstaat New York und seinem Team ist es gelungen, eine KI-Engine zu entwickeln, die genau diesen Test besteht: Die Software kann diese Unterscheidung treffen. Damit die KI-Software den Test besteht, haben die Wissenschaftler sie durch eine Logik für Schlussfolgerungen ergänzt. Dazu kommt eine Datenbank, die ständig aktualisiert wird. So weiß Eddie, wo sich die Pistole befindet. Dank der speziellen Logik kann Eddie aus dieser Situation die richtigen Schlussfolgerungen ziehen: eben dass der Avatar, der nicht dabei war, als die Pistole verlegt wurde, den neuen Aufenthaltsort nicht kennen kann. Die Wissenschaftler machten auch eine Gegenprobe mit einer Version von Eddie ohne die Folgerungslogik. Dieser Eddie bestand den Test nicht. Der Test fand in einer virtuellen Welt statt. Dazu hatten die Wissenschaftler ein Szenario in Second Life mit zwei von Menschen geführten Avataren und dem von der KI-Engine gesteuerten Roboter-Avatar namens Eddie eingerichtet. In einem Video haben sie den Test festgehalten. "Die Avatare in den aktuellen Multiplayer-Online-Welten - wie etwa Second Life - hängen unmittelbar von den Tastatureingaben der Nutzer ab und ermöglichen deshalb nur eine Illusion von Geist", sagt Bringsjord, der die Abteilung für Kognitionswissenschaft am RPI leitet. "Wenn autonome künstliche Charaktere überzeugen sollen, dann müssen sie ein Gedächtnis haben. Sie müssen etwas glauben, wollen und sich an etwas erinnern." Dies sei eben nur möglich, wenn die Steuerungssoftware logikbasierte KI mit computergestützten kognitiven Modellierungstechniken kombiniere. Anwendungen für seine KI-Software sieht Bringsjord in erster Linie in Computerspielen oder virtuellen Welten. "Unser Ziel ist es nicht, eine weitere computergestützte Theorie aufzustellen, die menschliches Verhalten erklärt und voraussagt, sondern KI-Agenten zu erschaffen, die interessant und nützlich sind, weil sie über die Fähigkeit verfügen, anderen Befindlichkeiten zuzuschreiben, aus diesen Befindlichkeiten Schlussfolgerungen zu ziehen und die selbst - als Avatare - Befindlichkeiten haben, die denen entsprechen, die auch Menschen haben", erklärt der Forscher. Brigsjord und seine Kollegen haben ihre Erkenntnisse Anfang März 2008 auf der "Artificial General Intelligence"-Konferenz an der Universität in Memphis vorgestellt. (wp)
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