USA: Universitäten sollen P2P-Filesharing bekämpfen

Zwangsabonnements für kommerzielle Online-Angebote?

In den USA sorgen mehrere Gesetzentwürfe zur Stärkung der Unterhaltungsindustrie für Aufsehen. Den Universitäten und Hochschulen droht die Streichung ihrer staatlichen Beihilfen, wenn sie nicht gegen illegales Filesharing vorgehen. Dem Justizministerium soll die Aufgabe zukommen, zivilrechtlich gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen.

Anzeige

Der US-Unterhaltungsindustrie ist es in zwei neuen Gesetzentwürfen gelungen, ihren spezifischen Interessen besondere Geltung zu verschaffen. Im Entwurf zum neuen Hochschulgesetz (Higher Education Act, kurz HEA) wird die Gewährung bundesstaatlicher Fördermittel vom Vorgehen der Hochschulen gegen illegale Downloads und illegales P2P-Filesharing abhängig gemacht. Die Universitäten sollen ein aktives Vorgehen gegen solche Aktivitäten nachweisen und die Studenten ebenfalls regelmäßig über Urheberrechtsverletzungen im Internet belehren. Darüber hinaus sollen die Universitäten "Pläne für alternative Angebote [...] entwickeln", was Beobachter als eine Art Zwangsverpflichtung zu Abonnements für kostenpflichtige Angebote ansehen.

Diese Vorschläge haben scharfen Protest der Hochschulen hervorgerufen. In einem offenen Brief sprechen sie sich gegen die Aufnahme solcher Bestimmungen in die Hochschulgesetzgebung aus: "Dieser Vorschlag der Unterhaltungsindustrie [...] würde den Bildungsminister zu einem Interessenvertreter der Unterhaltungsindustrie machen, indem er den Auftrag erhielte, jährlich eine Liste der 25 Hochschulen und Universitäten mit der größten illegalen Filesharing-Aktivität zu erstellen. Die Zahlen dazu sollen von der Industrie selbst geliefert werden. [...] Der Minister wäre gemäß dem Wortlaut des Gesetzentwurfs gezwungen, auf der Grundlage von Informationen und Anweisungen aus der Industrie zu handeln. Eine solche Rolle ist für einen Minister der Bundesregierung offensichtlich unangemessen."

Besonders die pauschale Verknüpfung von staatlichen Beihilfen mit dem Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen stößt auf die Ablehnung der Hochschulen: "Nach unserem Verständnis wäre die Konsequenz der Beurteilung des Ministers, dass eine Institution beim Vorgehen gegen illegales Filesharing versagt hat, die Streichung ihrer staatlichen Beihilfen für Studenten. Eine derart unangebrachte und unangemessene Bestrafung würde zur Folge haben, dass alle zur Universität gehörenden Studenten ihre finanzielle Unterstützung verlieren würden. [...] Von dem Vorschlag der Unterhaltungsindustrie wären die ärmsten Studenten am stärksten betroffen, weil sie besonders auf staatliche Beihilfen angewiesen sind."

Der in den USA bekannte Rechtswissenschaftler und Rechtsberater von Google, William Patry, äußerte sein Unverständnis für den Gesetzentwurf: "Angesichts dieser Bemühungen, den Universitäten die Bundesbeihilfen zu entziehen, ist es schwer, abzuschätzen, wie tief die Rechteinhaber noch sinken werden. Was kommt als Nächstes? Müssen demnächst die Chefs von Unternehmen bestätigen, dass ihre Mitarbeiter keine Urheberrechtsverletzungen begehen? Oder wie wäre es auf der Post mit der Verpflichtung zur Abgabe einer Erklärung darüber, dass wir keine Urheberrechtsverletzungen begehen, bevor wir unser Briefe verschicken können?"

Die Vorstellungen der Unterhaltungsindustrie dazu, wie die US-Regierung ihre Interessen noch besser durchsetzen könnte, machen aber bei den Hochschulen nicht halt. Zwei Senatoren haben vor knapp einer Woche einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das Justizministerium zur Strafverfolgungsbehörde in Sachen Urheberrechtsverletzungen machen will. Mit dem Gesetzentwurf - Codename: Pirate Act - soll das Justizministerium dazu ermächtigt werden, "auf zivilrechtlichem Wege gegen Urheberrechtsverletzer vorzugehen". Die Bundespolizei FBI soll zur Unterstützung des Anti-Filesharing-Kampfes eine Spezialeinheit aus wenigstens 10 Agenten aufstellen. Je ein Bundesstaatsanwalt soll für Hongkong und Budapest abgestellt werden, um dort "die Koordinierung der Durchsetzung des Schutzes für geistiges Eigentum zu unterstützen".

Teile des aktuellen Gesetzentwurfs waren in ähnlicher Form bereits 2004 vorgelegt worden und auf der Seite des Justizministeriums auf wenig Gegenliebe gestoßen. Dort wollte man die institutionelle Trennung zwischen staatlicher Strafverfolgung und privatem, zivilrechtlichem Vorgehen beibehalten wissen. Die Erfolgsaussichten der jüngsten Vorstöße sind noch ungewiss. [von Robert A. Gehring]


maxxis 15. Nov 2007

Dieser bedauernswerte und arme leicht gestörte Herr hat doch selbst zugegeben, das er...

sdarweqr534252 14. Nov 2007

KwT.

Captain 14. Nov 2007

dann freu dich mal mit den Leuten in grün an, die regeln dann den Rest...

Captain 14. Nov 2007

Und geistig umnachtete Kontrollfreaks, die Bürgerrechte abschaffen wollen, gleich mit...

Kommentieren


Compyblog / 13. Nov 2007

ComPod To Go - 13.11.2007



Anzeige
  1. Qualitätssicherungs-Verantwo- rtliche/r IT-Projekte
    Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart
  2. Produktmanager / Produktmanagerin
    econda GmbH, Karlsruhe
  3. Software Engineer (m/w)
    PTV Planung Transport Verkehr AG, Karlsruhe
  4. Testmanager / Teamleiter für Verbundtests von Werkzeugketten (m/w)
    dSPACE GmbH, Paderborn

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. Radeon HD 7770 und 7750 im Test

    Die Grafikkarte mit 1 GHz für 159 Euro

  2. Youporn-Betreiber

    Hacker will 350.000 Datensätze bei Pornoseite erbeutet haben

  3. Nortel Networks

    Nortel war fast zehn Jahre lang gehackt

  4. Smartphone-App

    Remove löscht störende Menschen im Bild

  5. Unity Technologies

    Bessere Grafik und KI mit Unity 3.5 verfügbar


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 270 | letzter Beitrag 13.02. 23:28

  2. Kommentare: 201 | letzter Beitrag 08:32 Uhr

  3. Kommentare: 194 | letzter Beitrag 14.02. 13:50

  4. Kommentare: 117 | letzter Beitrag 14.02. 12:39

  5. Kommentare: 101 | letzter Beitrag 02:39 Uhr

Mehr


  1. Bioware

    Kurz die Welt retten in der Demo zu Mass Effect 3

  2. Adobe

    Photoshop CS6 mit Content-Aware Move

  3. Google

    Wir haben den größten DNS-Dienst

  4. Lensbaby

    Teleobjektiv mit absichtlicher Unschärfe

  5. Smartphone-App

    Remove löscht störende Menschen im Bild

  6. Radeon HD 7770 und 7750 im Test

    Die Grafikkarte mit 1 GHz für 159 Euro

  7. Youporn-Betreiber

    Hacker will 350.000 Datensätze bei Pornoseite erbeutet haben

  8. TZ77XE4

    Biostar zeigt Mainboard für Ivy Bridge und Sandy Bridge

  9. Unity Technologies

    Bessere Grafik und KI mit Unity 3.5 verfügbar

  10. Fifa Street

    Last Man Standing auf dem Bolzplatz



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Document Foundation: Libreoffice 3.5 ist fertig
Document Foundation
Libreoffice 3.5 ist fertig

Die Document Foundation hat Libreoffice 3.5 veröffentlicht. Alle Komponenten der Office-Software haben Verbesserungen erhalten, mit denen sich die jeweiligen Anwendungen besser bedienen lassen sollen.

  1. Freies Office IBM wird Apache Openoffice unterstützen

Watchdog: Mozilla visualisiert Wiederverwendung von Passwörtern
Watchdog
Mozilla visualisiert Wiederverwendung von Passwörtern

Die Mozilla Labs haben im Rahmen ihres Projekts Watchdog den "Password Reuse Visualizer" veröffentlicht. Die Firefox-Erweiterung zeigt, welche Passwörter der Nutzer wo und wie oft verwendet.

  1. Open-Source-Lizenzen Mozilla Public License 2.0 erheblich vereinfacht
  2. David Ascher "Trefft das neue Mozilla!"
  3. Chrome-Entwickler Mozilla ist Googles Partner, nicht Googles Konkurrent

HTC Velocity 4G: Android-Smartphone mit LTE und 4,5-Zoll-Touchscreen
HTC Velocity 4G
Android-Smartphone mit LTE und 4,5-Zoll-Touchscreen

Im April 2012 wollen Vodafone und HTC gemeinsam das Velocity 4G als erstes LTE-Smartphone für Deutschland auf den Markt bringen. Das Android-Smartphone hat einen 4,5 Zoll großen Touchscreen und eine 8-Megapixel-Kamera.

  1. Cloud Mobile Acer plant Smartphone mit Android 4.1 und eigener Cloud
  2. Motorola Defy Mini Android-Smartphone mit IP67-Zertifizierung kommt im März
  3. Android-Smartphone Motorola bringt Motoluxe erst im März für 280 Euro

  1. Re: Unsere tägliche Apple Meldung gib uns heute ...

    Blablablublub | 09:42

  2. Re: Schlag ins Gesicht für bewusste...

    AsoraX | 09:39

  3. Re: So was gibt es noch?

    Rapmaster 3000 | 09:36

  4. Re: Und ich dachte erst, Canonical hätte mal mehr...

    Tiles | 09:34

  5. Danke für die Antworten

    derKlaus | 09:33


  1. 09:29

  2. 08:55

  3. 08:33

  4. 08:17

  5. 08:13

  6. 06:01

  7. 18:20

  8. 18:13


Zum Artikel