Toshiba fertigt 22-Nanometer-Chips mit Präge-Lithographie

Neues Verfahren für nächste und übernächste Halbleiter-Generation?

Das US-Unternehmen "Molecular Imprints" (MII) meldet einen Erfolg bei dem Bestreben, ein neues Verfahren für die Herstellung von Halbleitern zur Serienreife zu führen. MII zufolge wurden bei Toshiba, die von MII mit Maschinen beliefert werden, erstmals CMOS-Schaltungen in 22 Nanometern Strukturbreite hergestellt - und zwar nicht durch die sonst üblichen Belichtungsverfahren.

Anzeige

Die gängige Methode, um die feinen Strukturen eines modernen Halbleiters zu erzeugen, ist die Belichtung mittels Masken und anschließendes Abtragen des überschüssigen Material - meist durch Ätzen. Da aber die Breiten der Leiterbahnen längst unter den Wellenlängen des sichtbaren Lichts liegen, wird das immer schwieriger. Ein Ansatz ist die "Immersions-Lithographie", bei der die Maschinen, sogenannte "wet tools", vollständig mit Flüssigkeit gefüllt werden müssen. Auch von der Kombination mit Röntgen-Strahlen, euphemistisch auch "Extreme Ultra Violet" (EUV) genannt, verspricht sich die Halbleiter-Branche weitere Verkleinerungen jenseits von den schon vorgeführten 32 Nanometern.

Ein ganz anderes Verfahren ist die Prägelithographie, auch "Imprint Lithography" oder "Nano Imprint Lithograpy" (NIL) genannt. Statt einer Maske wird eine Art Positiv-Stempel verwendet, dessen Relief in einer doppelten Prägung mit Aufbringung des zu züchtenden Materials nach Belichtung die Strukturen definiert. Vor allem für Halbleiter-Generation ab 22 Nanometern - dem nächsten Schritt nach 32 Nanometern - soll die Prägelithographie eine Alternative zum bisherigen Belichten sein und EUV überflüssig machen. Ein Vorteil der Prägelithographie ist auch, dass die teuren Masken nicht eigens gefertigt werden müssen. Viele Unternehmen lagern diesen Produktionsschritt aus, die Präge-Stempel sollen sich mit einer einzelnen Maschine kostengünstig selbst herstellen lassen, was vor allem für Klein-Serien wie die Herstellung von Prototypen interessant erscheint.

Bisher wurden jedoch nur vergleichsweise einfache Strukturen für die Prägung als geeignet angesehen, darunter Dioden und die Verbindungen von Chips nach außen oder untereinander. Laut Molecular Imprints (MII) wurden deren Maschinen nun bei Toshiba erstmals dazu verwendet, eine komplexe CMOS-Schaltung mit 22 Nanometern Strukturbreite herzustellen. Welcher Schaltungstyp dabei erzeugt wurde, gaben die beiden Unternehmen noch nicht an - üblich ist für solche Experimente mit kleinen Strukturbreiten ein SRAM, weil es sehr homogen aufgebaut ist und das Verhalten der Schaltung sich bei verschiedenen Betriebszuständen leicht analysieren lässt.

Wie MII angibt, wurden dabei Defekt-Raten unter 0,3 Beschädigungen pro Quadratzentimeter Die-Fläche erzielt, die Abweichungen der Breite der Leiterbahnen sollen kleiner als 2 Nanometer gewesen sein - beides gute Werte für erste Bauteile in einer neuen Strukturbreite. Dass ein namhafter Halbleiter-Hersteller wie Toshiba sich für Prägelithographie so interessiert, dass damit teure Prototypen-Experimente angestellt werden, darf als Erfolg für die noch junge Technik gewertet werden. Auch HP arbeitet bereits seit Jahren an der Prägelithografie. Noch ist aber nicht absehbar, für welche Anwendungsgebiete des großen Halbleitermarktes sich das Verfahren letztendlich in der Serienfertigung eignet.


Kommentieren




Anzeige
  1. Sachbearbeiter/in Netzinfrastruktur und Middleware
    Syna GmbH, Frankfurt am Main
  2. Sourcing Manager Hardware (m/w)
    Wacker Chemie AG, Burghausen
  3. Anwendungsbetreuer/in Veranstaltungs- und Prüfungsmanagement
    Universität zu Köln, Köln
  4. SAP IS-U / SAP CRM Anwendungsberater (m/w) in der Energiebranche
    Mainova AG, Frankfurt am Main

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


Meistgelesen
  1. F2, F8, F12

    Windows 8 startet zu schnell

  2. IMHO

    Warum ich nicht Diablo 3 spiele

  3. Via APC

    Android-PC zum Selbstbauen für 49 US-Dollar

  4. Soziale Pornos

    Facebook verliert Klage gegen Faceporn

  5. Maschinenlesbar

    Science-Fiction-Autorin fordert Barcode für Menschen


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 247 | letzter Beitrag 01:02 Uhr

  2. Kommentare: 214 | letzter Beitrag 01:20 Uhr

  3. Kommentare: 212 | letzter Beitrag 01:02 Uhr

  4. Kommentare: 145 | letzter Beitrag 23.05. 14:08

  5. Kommentare: 139 | letzter Beitrag 01:03 Uhr

Mehr


  1. Hewlett-Packard

    HP baut 27.000 Arbeitsplätze ab

  2. Oracle vs. Google

    Android verletzt keine Oracle-Patente

  3. Redesign

    Facebook bastelt an einer veränderten Chronik

  4. Festplatten

    Seagate will Lacie kaufen

  5. Soziale Pornos

    Facebook verliert Klage gegen Faceporn

  6. Referenzplattform

    Nvidias Quad-Core-Tablet "Kai" für 199 US-Dollar

  7. Android-TV

    DVB-T-Empfänger für Smartphones und Tablets

  8. Solar Impulse

    Solarflugzeug fliegt nach Marokko

  9. Acer Iconia Tab A700

    Android-4-Tablet mit 10-Zoll-Full-HD-Display kommt im Juni

  10. Tablets

    Samsung überholt Amazon



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Via APC: Android-PC zum Selbstbauen für 49 US-Dollar
Via APC
Android-PC zum Selbstbauen für 49 US-Dollar

Via hat mit dem "APC" ein Konzept für einen Android-PC auf Basis eines sehr kleinen Mainboards vorgestellt. Dieses Board mit vorinstalliertem Android 2.3 sowie Treibern für Maus und Tastatur soll nur 49 US-Dollar kosten.

  1. Huawei Android-4-Update für Mediapad ist da - mit Verspätung
  2. Marktstart im Mai Samsung hat Listenpreise der Galaxy-Tab-2-Tablets erhöht
  3. Motorola Kein Android 4.0 für Motoluxe und Pro+

Monitoring: Zabbix 2.0 veröffentlicht
Monitoring
Zabbix 2.0 veröffentlicht

Die freie IT-Infrastruktur-Monitoring-Lösung Zabbix ist in der Version 2.0 erschienen. Zabbix konkurriert unter anderem mit der ebenfalls freien Lösung Nagios.


Sommer-Code-Party: Mozilla startet Webmaker
Sommer-Code-Party
Mozilla startet Webmaker

Mit "Webmaker" startet Mozilla ein neues Programm, das Millionen von Webnutzern in Webmacher verwandelt. Am 23. Juni 2012 beginnt dazu die Sommer-Code-Party mit weltweiten Veranstaltungen.


Zum Artikel