Interview: Web 2.0 lässt Zombies wieder auferstehen
Maik Söhler im Gespräch mit dem digitalen Bohemien Holm Friebe
Arbeit ohne Dienstplan und intellektuelle Problempornos - Holm Friebe sieht seltsame Dinge auf uns zukommen. Maik Söhler sprach mit dem Kulturjournalisten und digitalen Bohemien über Freiberuflertum und das Exklusivitätsdogma, Unternehmertum und Muße-Gesellschaft, prekäre Selbstständige und Yuppies sowie die Frage, wie die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert.
Holm Friebe, geboren 1972, ist einer der Gründer des Kultur- und Online-Netzwerkes Zentrale Intelligenz Agentur, das wiederholt den Ingeborg-Bachmann-Preis abräumen konnte. Friebe hat zusammen mit Sascha Lobo im vergangenen Jahr das Buch "Wir nennen es Arbeit" über die "digitale Boheme" der prekären Freiberufler veröffentlicht, ist einer der Autoren im Weblog Riesenmaschine.de und veröffentlicht Artikel über Kultur, Internet und Gesellschaft in diversen Medien.
Wir treffen uns im Radialsystem V in Berlin-Mitte. Hier findet seit Donnerstag der mehrtägige und von Friebe mitveranstaltete Kongress "9 to 5. Wir nennen es Arbeit" statt. Gegenüber befindet sich mit der Zentrale der Gewerkschaft Verdi ein Bollwerk der organisierten Arbeiterschaft, die auf Begriffe wie "prekär", "Boheme" und "Freiberufler" immer noch empfindlich reagiert.
Golem.de: Ein Kongress steht an, auf dem es neben Arbeit, Geld und Weltverbesserung auch um unsere Zukunft geht. Sie selbst haben schon Trendkolumnen geschrieben. Lassen Sie uns bitte schnell einige Trends durchhecheln. Ich gebe Ihnen ein Stichwort und Sie sagen mir, was kommt. Wir beginnen mit: Arbeit.
Holm Friebe: Rowe. Results Only Work Environment. Wird in den USA schon erfolgreich geprobt. Rowe hat nichts mit Gleitzeit oder der Vier-Tage-Woche zu tun. Die Leute arbeiten einfach so, wie sie wollen. Sie müssen nur ihr Pensum schaffen und sich mit den Kollegen absprechen.

Holm Friebe
Golem.de: Internet.
Friebe: Widgets natürlich. Egal ob als Bedienelement einer grafischen Oberfläche oder als kleine, in die großen sozialen Netzwerke einbaubare Formate. Gerade ist ja alles Widget.
Golem.de: Design.
Friebe: Spiegelnde Flächen, Logos auf glatten Oberflächen, überhaupt kristalline, klare Grundierungen.
Golem.de: Logo.
Friebe: Nicht totzukriegen, wird aber kleiner und will nicht mehr angebetet werden.
Golem.de: Kultur.
Friebe: Hm, vielleicht Stadtentwicklung als angewandte Kunst.
Golem.de: Stadt.
Friebe: Ich bin gerade sehr im Bannstrahl von Tyler Brulé und seinem Heft "Monocle". Das Magazin ist widerlich, weil es den jetsettenden kultivierten Yuppie imaginiert, für den Geld sowieso keine Rolle spielt. Und es ist interessant, weil es sich um einen melancholischen Yuppie handelt, der weiß, dass das Leben, das er führt, nicht das ist, was er führen will. Er hat Sehnsucht nach der perfekten Stadt und "Monocle" listet ihm die am meisten geeigneten Städte auf. Im letzten Heft war München die beste Stadt, Berlin tauchte in der Liste nicht mal auf. Daran sehen Sie, auf welches Publikum das abzielt. Der Trend in diesen Kreisen geht zum idyllischen Großdorf mit guter Flughafenanbindung.
Golem.de: Medien.
Friebe: Fällt mir nichts zu ein.
Golem.de: Sex.
Friebe: Das ist nun wieder spannender. In den Siebzigern gab es in Hollywood die Idee, dass Pornos etwas Emanzipatorisches hätten. Nach den ganzen voyeuristischen Privatfernseh-Exzessen der Neunziger und frühen nuller Jahren sind wir nun an einem Punkt, an dem man ernsthaft und intellektuell anspruchsvoll über abseitige Sexfantasien und -praktiken reden kann. Das ist reizvoll und bringt einen zu der Überlegung, ob die Zeit nicht reif für Intellektuellen-Pornos wäre.






Noch schlimmer! Bei uns wurde eigens für 5 slides ein 42zoll HD-TV und ein neuer Rechner...
Das trägt man als Bohemian heutzutage so ;-) Tschüss Sven
Rowe? Das gibt´s hier schon seit Ewigkeiten, auch ohne die super coolen Amis. Nennt sich...
ich weiß, ich hab das interview echt nicht kapiert. aber trotzdem ... AUWAIA, das tut...
"... doch anders als ..."
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