Anzeige

Gericht untersagt Artikelversand per E-Mail

Subito & Co. verletzen nach Auffassung des OLG München Urheberrechte

Wissenschaftler befürchten durch ein Urteil des Oberlandesgerichts München (OLG München) einschneidende Veränderungen am Wissenschaftsstandort Deutschland. Das OLG München kam im langjährigen Rechtsstreit zwischen dem Deutschen Börsenverein und dem Dokumentenversanddienst Subito zu der Auffassung, dass der Dienst gegen geltendes Urheberrecht verstößt. Dieser versendet kopierte Artikel aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften per E-Mail.

Anzeige

Der Musterprozess betrifft auch andere Dokumentlieferdienste wie Tiborder im Bereich von Technik und Naturwissenschaften. Vorbehaltlich der Revision durch Subito würde dieses Urteil die Forschung am Wissenschaftsstandort Deutschland maßgeblich verändern, meint die Technische Informationsbibliothek (TIB), die den Dienst betreibt und auch für den Verein Subito federführend ist. Sobito ist ein 1994 durch den Bundesminister für Bildung und Wissenschaft sowie den Psäsidenten der Kultusministerkonferenz ins Leben gerufener gemeinnütziger Verein, dem zahlreiche Bibliotheken angehören.

Dort hält man nun zwei Szenarien für denkbar: Subito und Anbieter von ähnlich agierenden Diensten wie Tiborder stellen den Dokumentenversand komplett auf den Postweg um. Für Kunden wären damit deutliche Komforteinbußen zur bisherigen elektronischen Lieferung verbunden. Die Wartezeit auf bestellte Fachartikel verlängert sich, zumal sich die Papierkopien nicht direkt am PC aufrufen lassen.

Die Alternative bestehe in einer Einigung mit den Verlagen über Lizenzen zur Nutzung von Fachartikeln auch auf dem elektronischen Weg. Dies würde aber eine deutliche Erhöhung der Preise für solche Dienste mit sich bringen, meint man bei der TIB.

Uwe Rosemann, Direktor der Technischen Informationsbibliothek (TIB) und der Universitätsbibliothek Hannover, sieht speziell im zweiten Szenario eine echte Gefahr für den Wissenschaftsstandort Deutschland. "Sollten die Verlage Lizenzen aushandeln, dann sicherlich zu Konditionen, die zwangsläufig zu großen Preissteigerungen für die Nutzer führen", schätzt Rosemann die Situation ein.

"Besonders Wissenschaftler im akademischen Bereich und Studierende könnten sich solche Dienste dann nicht mehr leisten. Dass Universitäten und Hochschulen, die unter enormem Kostendruck stehen, weiterhin im bisherigen Rahmen auf solche Dokumentlieferdienste zugreifen können, ist unwahrscheinlich." Rosemann fürchtet, dass somit das Niveau der Literaturversorgung in Deutschland entscheidend gesenkt wird.

Derzeit bieten Dienste wie Subito die Möglichkeit, Kopien bzw. eingescannnte Versionen von Artikeln aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften per E-Mail zu erhalten. Diese werden dazu jeweils einzeln eingescannt, um keine Urheberrechte zu verletzen, was bei einem Versand von elektronisch vorgehaltenen Kopien der Fall wäre. Doch auch dieses Vorgehen verstößt nach Auffassung der Münchner Richter gegen geltendes Urheberrecht.

Die Richter nehmen damit in Teilen den Gesetzentwurf für den zweiten Korb der Urheberrechtsnovelle vorweg, denn auch der aktuelle Regierungsentwurf schränke die Informationsversorgung durch öffentliche Bibliotheken massiv ein und würde de facto die elektronische Lieferung von Dokumenten stark beeinträchtigen bzw. gänzlich unmöglich machen. Diese soll nur noch dann zulässig sein, wenn die Fachzeitschriften nicht von den Verlagen in elektronischer Form zur Verfügung gestellt werden, was in der Regel zu vergleichsweise hohen Preisen der Fall ist.

Noch steht Subito die Möglichkeit offen, gegen das Urteil des Oberlandesgerichts München in Revision zu gehen, diese Möglichkeit hat das Gericht explizit offen gelassen. Im Jahre 1999 hatte der Bundesgerichtshof der Technischen Informationsbibliothek in einem Grundsatzurteil den Kopienversand ausdrücklich erlaubt.


eye home zur Startseite
Der Ungläubige... 08. Jun 2007

Nun, dem Urteil wie auch der geplanten UHG-Novellierungs- "Gesäzzgebung" wohnt eine...

flow 01. Jun 2007

also ich fands lustig^^ das jetzt durchgedrückte urteil wird für mich als bibliothekars...

Captain 30. Mai 2007

Was würde denn passieren, wenn die Wissenschaftler ihre Artikel nicht den Fachverlagen...

Captain 30. Mai 2007

Deine Ansicht verhindert die weite Verbreitung von Wissen und lässt eine Gesellschaft in...

Lobbyisten im... 30. Mai 2007

Neben den vielen Trollen hier fällt mir auf, dass einige Posts sich anhören, als wären...

Kommentieren



Anzeige

  1. IT-Projektmanager (m/w)
    PwC IT Services Europe GmbH, Düsseldorf, Frankfurt am Main
  2. Junior Software-Entwickler (m/w)
    AOK Systems GmbH, München
  3. Senior IT Architect / Solution Architect (m/w) Security Application Operation
    Daimler AG, Stuttgart
  4. Inhouse IT Consultant Supply Chain Management (SCM) (m/w)
    BIOTRONIK SE & Co. KG, Berlin

Detailsuche



Anzeige
Top-Angebote
  1. NEU: Zotac Geforce GTX970
    259,00€ (Vergleichspreis: 290,04€)
  2. NEU: Geforce GTX 1080 Info-Seite
    ab 27.05. verfügbar
  3. GELISTET: Asus GeForce GTX 1080 Founders Edition
    789,00€

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Smartphone-Betriebssystem

    Microsoft verliert stark gegenüber Google und Apple

  2. Onlinehandel

    Amazon startet eigenen Paketdienst in Berlin

  3. Pastejacking im Browser

    Codeausführung per Copy and Paste

  4. Manuela Schwesig

    Familienministerin will den Jugendschutz im Netz neu regeln

  5. Intels Compute Stick im Test

    Der mit dem Lüfter streamt (2)

  6. Google Chrome für zSpace

    Augmented-Reality-Version des Browsers kommt noch 2016

  7. Medizin

    Tricorderartiger Sensor erfasst Vitaldaten

  8. TG-Tracker

    Sensorbeladene Olympus-Actionkamera mit 4K-Aufnahme

  9. Trotz Unterlassungserklärung

    Unitymedia bleibt im Streit um WLAN-Hotspots hart

  10. Auftragshersteller

    Apple soll Bestellungen für iPhone 7 stark erhöht haben



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Doom im Test: Die beste blöde Ballerorgie
Doom im Test
Die beste blöde Ballerorgie
  1. id Software Doom wird Vulkan unterstützen
  2. Id Software PC-Spieler müssen 45 GByte von Steam laden
  3. id Software Dauertod in Doom

Darknet: Die gefährlichen Anonymitätstipps der Drogenhändler
Darknet
Die gefährlichen Anonymitätstipps der Drogenhändler
  1. Privatsphäre 1 Million Menschen nutzen Facebook über Tor
  2. Security Tor-Nutzer über Mausrad identifizieren

Privacy-Boxen im Test: Trügerische Privatheit
Privacy-Boxen im Test
Trügerische Privatheit
  1. APT28 Hackergruppe soll CDU angegriffen haben
  2. Veröffentlichung privater Daten AfD sucht mit Kopfgeld nach "Datendieb"
  3. Security Roboter aus Lego knackt Gestenauthentifizierung

  1. Re: wurde sonst keiner nutzen

    nicoledos | 15:42

  2. Re: nicht aufgeben

    TarikVaineTree | 15:41

  3. Infrastruktur

    Hulk | 15:41

  4. Re: Mini PCs

    HubertHans | 15:40

  5. Re: Die Apps sind das Problem.

    yeti | 15:40


  1. 14:57

  2. 14:31

  3. 13:45

  4. 12:33

  5. 12:02

  6. 11:56

  7. 11:38

  8. 11:28


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel