Interview: Ubuntu für den Enterprise-Einsatz

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Golem.de: Canonical bietet nur eine Ausgabe von Ubuntu an, während Red Hat und Novell jeweils spezielle Enterprise-Distributionen pflegen. Entstehen durch das Fehlen einer extra Fassung Probleme?

Yates: Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass wir keine Enterprise-Distribution haben. Eine ist, dass wir keine Lizenzgebühr verlangen. Updates gibt es bei uns daher immer kostenlos und alle sechs Monate kommt eine neue Version. Bei Dapper hatten wir das Gefühl, dass dies eine Version sei, die wir auch längerfristig unterstützen können. Aber die Distribution an sich bleibt kostenlos und es gibt preislich keinen Unterschied zwischen der normalen Version, die alle sechs Monate erscheint, und der Enterprise-Version, wenn man sie denn so nennen will. Und da dies derselbe Code ist, bleibt auch diese Fassung eine ganz normale Veröffentlichung.

Wenn jemand aber etwas anderes für den geschäftlichen Einsatz sucht, haben wir auch das. Es gibt eine Server-Edition von Ubuntu zum Download. Hier gibt es tatsächlich einige kleinere Unterschiede, beispielsweise fehlt eine grafische Benutzeroberfläche. Nimmt man hingegen Red Hat Enterprise Linux (RHEL) oder Suse Enterprise Server (SLES), ist auch dort eine komplette Desktop-Umgebung dabei. Der Ubuntu-Server ist wirklich ein abgespecktes ISO-Image, bei dem sich natürlich auch Pakete nachinstallieren lassen. Aber die Größe der Distribution wurde verringert, um die Ressourcen des Rechners zu schonen. Da es weniger Pakete sind, ist es auch einfacher, diese Installationen zu verwalten, denn es lässt sich auch festlegen, ob MySQL oder PostgreSQL, ob Postfix oder Sendmail installiert werden soll. Was nicht gebraucht wird, kann rausfliegen - so verstehen wir Ubuntu für Server.

Golem.de: Gibt es denn nicht noch immer Vorbehalte gegenüber kostenlosen Produkten?

Yates: Das sollte man meinen und vor vier, fünf Jahren waren Firmen gegenüber kostenloser Software tatsächlich noch sehr skeptisch. In manchen Ländern ist es heute noch so, Japan ist ein Beispiel. Sie sehen keinen Wert in kostenloser und freier Software, sondern darin zu zahlen und dafür etwas zurückzubekommen. Das ist eine komplett andere Sichtweise, als sie beispielsweise in Brasilien verbreitet ist. Dort sehen sie freie Software als Bonus an und auch in Spanien ist es so. Spanien, Frankreich und Deutschland sind in Europa tatsächlich die besten Länder für Open Source.

Doch obwohl unser Produkt an sich kostenlos ist, bieten wir ja Enterprise-Support an. Zudem können wir Zertifizierungen vorweisen. Das verändert die Ansicht über Open Source. Wir geben unser System kostenlos auf CD heraus und nur so kommen wir in Firmen, die freie Software dann auch in kritischen Umgebungen einsetzen. So vergrößert sich gleichzeitig die Basis der Tester und das ist doch eine tolle Sache.

Um dies zu untermauern: Ich glaube, ich habe noch mit keiner Firma gesprochen, die nicht Ubuntu einsetzt. Allerdings ist unser Publikum auch selektiv, sie kommen hauptsächlich zu uns, um mit uns über das, was wir machen, zu sprechen. Doch es ist wirklich bemerkenswert und ich habe das in vielen Ländern erlebt. Leute probieren Ubuntu zu Hause aus und nehmen es dann mit zur Arbeit. Da bietet es beispielsweise Netzwerk-Applikationen an oder sie richten es sich auf ihrem Desktop ein. Dann gibt es tatsächlich Banken und andere große Firmen, die gezielt versuchen, mit freier Software Geld zu sparen.

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Z! - Zeitgeist, Entwicklung, Technik / 21. Apr 2007

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