Online-Glücksspiel: Deutsche spielen im Ausland

Mehr als 80 Prozent der Einsätze fließen an staatlichen Anbietern vorbei

Nach einer Studie des Berliner Beratungsunternehmens Goldmedia zum Online-Glücks- und Wettspiel sollen in Deutschland die mit Glücksspiel erzielten Online-Umsätze in erheblichem Umfang an den staatlichen Anbietern vorbei in einen "rechtsgrauen Raum" fließen. Während in Österreich nur etwa 50 Prozent der Online-Glücksspiel- und Wetteinsätze nicht auf staatliche, sondern auf private inländische und ausländische Anbieter entfallen, sollen es in Deutschland stolze 81 Prozent und in der Schweiz sogar 91 Prozent sein.

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In Deutschland und der Schweiz existiert eine restriktive Gesetzgebung bei Online-Glücksspielen, die den Markt kontrollieren und die negativen Auswirkungen der Spielsucht minimieren soll. Doch damit wird offenbar die Attraktivität ausländischer Glücksspiel-Internetseiten erhöht.

Wetten fallen in Österreich nach Angaben der Studienautoren nicht in den Bereich des Glücksspiels. Zudem dürfen in Österreich Casinospiele vom staatlichen Anbieter auch online offeriert werden, was in Deutschland nur im Ausnahmefall möglich und in der Schweiz verboten ist.

In der Studie werden unter dem Begriff "Glücksspiel" Lotterien, Casinospiele und Wetten zusammengefasst. So wurden 2005 in Deutschland bei Online-Glücksspielen 3,3 Milliarden Euro eingesetzt, was gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von rund 35 Prozent sein soll. Österreich verzeichnete 2005 Spieleinsätze in Höhe von 1,4 Milliarden Euro, in der Schweiz waren es dagegen lediglich 0,3 Milliarden Euro.

Damit hat Deutschland zwar den größten Umsatzanteil, pro Kopf sind es allerdings knapp 40,- Euro. Bei den Schweizern sind es 36,- Euro pro Kopf und Jahr. Österreich hingegen ist durch hohe Umsätze bei privaten Online-Sportwettenanbietern und staatlichen Online-Casinoanbietern bei den Pro-Kopf-Umsätzen mit durchschnittlich 177,- Euro pro Einwohner führend.

Gemessen an den Spieleinsätzen machen Sportwetten heute gut ein Drittel des deutschen Online-Glücksspielmarktes aus. In Österreich und der Schweiz ist dieser Anteil sogar noch höher.

"Wer heute online spielen oder wetten will, findet im Internet genügend ausländische und seriöse Plattformen mit zum Teil deutlich faireren Ausschüttungsraten als nationale staatliche Anbieter", betonte Studienautor Michael Schmid von Goldmedia. "Will der Fiskus nicht seine Einnahmen und der Staat nicht seine kanalisierende Kontrolle im immer bedeutenderen Vertriebsweg Internet verlieren, müssen auch national kontrollierbare und international wettbewerbsfähige Online-Casino- und Online-Wettangebote in Deutschland zulässig sein."


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