Als Folge eines umfangreichen Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Ellwangen und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg wurden am 24. Januar 2006 in einer Großrazzia Wohnungen und Geschäftsräume mutmaßlicher Raubkopierer durchsucht. Bundesweit waren von dieser Aktion 54 Objekte betroffen, darunter pikanterweise auch das Büro der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) in Hamburg.
Der räumliche Schwerpunkt der Razzia lag mit 19 Objekten in Nordrhein-Westfalen, wie ein Sprecher des LKAs gegenüber Golem.de angab. Bundesweit waren 35 Angehörige der Raubkopiererszene sowie Internet Service Provider und Betreiber von FTP-Servern betroffen. Die Verdächtigen im Alter von 16 bis 25 Jahren hätten regelmäßig aktuelle Kinofilme und Musik auf den FTP-Servern veröffentlicht. Festnahmen erfolgten jedoch nicht.
Über die
Verdächtigten gelangten die Ermittler auch an die Daten von weiteren 131 Tatverdächtigen aus anderen EU-Ländern, Israel, den USA und Kanada, die nun an Interpol weitergegeben wurden. Sichergestellt wurden zudem PCs, Server sowie CDs und DVDs.
Die Staatsanwaltschaften in Frankfurt/Main und Düsseldorf führten parallel ebenfalls Durchsuchungen durch, so dass insgesamt rund 200 Objekte im gesamten Bundesgebiet durchsucht wurden.
Unterstützt wurden
die Ermittler dabei von der GVU, die jedoch selbst ins Visier geriet, da sie im Verdacht steht, die Verbreitung von Raubkopien aktiv unterstützt zu haben. So wurden die Geschäftsräume und die Wohnräume eines hochrangigen Mitarbeiters durchsucht, berichten
Heise Online sowie
Onlinekosten.de. Nach Recherchen der beiden Redaktionen soll die GVU
mindestens einen Administrator eines FTP-Servers bezahlt und damit zur Verbreitung von Raubkopien beigetragen haben.
Auf eine Anfrage um Stellungnahme von Golem.de reagierte die GVU bisher nicht.
(js)