Seit Jahrzehnten setzt sich die Musikindustrie erfolgreich dafür ein, das Urheberrecht zu verschärfen. Die Begründung: Mehr "Schutz" nütze den Künstlern und damit der Gesellschaft. Eine neue Studie zeigt, dass diese Argumentation sehr fragwürdig ist.

"Urheberrechtsschutz in der Musikindustrie - eine ökonomische Analyse" lautet der schlichte Titel der Dissertation von Jochen Haller. Doch hinter einfachen Titeln verbergen sich oft komplexe Zusammenhänge, und so ist es auch in diesem Fall. Der Stuttgarter Wirtschaftswissenschaftler Haller hat sich nicht weniger vorgenommen als herauszufinden, welches Niveau des Urheberrechtsschutzes
"wohlfahrtsoptimal" ist - also nicht optimal für die Rechteinhaber, sondern für die Gesellschaft als Ganze.
Um es vorwegzunehmen: Haller kommt zu dem Schluss, dass die Gesellschaft von einem strengeren Urheberrecht nicht profitieren würde. Zwar sei es nicht möglich, ein bestimmtes Schutzniveau zu empfehlen, das wohlfahrtsoptimal ist. Für eine derartig genaue Festlegung fehlen vor allem empirische Daten, etwa darüber, welche Kosten der
Musikindustrie bei der Herstellung von Musik tatsächlich entstehen. Doch könne generell gesagt werden, dass ein "moderates Niveau an Urheberrechtsschutz wohlfahrtsoptimal ist", wie Haller schreibt. Da aber das deutsche Urheberrecht bereits jetzt eines der strengsten der Welt ist, würde eine Verschärfung wahrscheinlich zu Wohlfahrtsverlusten führen.
weiter...